Nicht ganz auf Anleihen verzichten
Experten raten zu Zukäufen bei Aktien

Nach den Kursgewinnen bei Standardwerten in den vergangenen Tagen rechnen viele Analysten mit einem Aufschwung zum Jahresende. Daher sehen sie aktuell gute Chancen für Zukäufe. Bei der Neustrukturierung des Depots sollten aber auch risikofreudige Anleger nicht ganz auf Anleihen verzichten, mahnen sie.

FRANKFURT/M. Jetzt suchen Analysten schon die Hilfe der Gestirne, um die Aktienkurse vorauszusagen: "Am 20. November ist Vollmond - und in den letzten Monaten wurde immer ein signifikantes Hoch oder Tief an diesem Tag erreicht", schreibt der Chartanalyst Thomas Bopp mit Blick auf den Deutschen Aktienindex. Zurzeit ergeben sich nun einmal keine klaren Chartsignale.

Unterdessen hoffen Analysten, die sich an fundamentalen Daten wie Jahresgewinnen oder Konjunkturentwicklung orientieren, verstärkt auf einen Aufschwung zum Jahresende - wenngleich sie 2003 eine mittelfristige Seitwärtsbewegung erwarten. Aufgrund des bevorstehenden Aufwärtstrends böten sich jetzt sowohl für spekulative als auch für konservative Anleger gute Gelegenheiten, um an der Börse zuzukaufen - und um das Depot neu zu strukturieren, meinen sie.

Das vierte Quartal sei normalerweise das Beste im Jahreszyklus. Außerdem dürften die Gewinnwarnungen der US-Unternehmen nunmehr deutlich sinken, sagt Volker Borghoff, Stratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Thomas Emmert von der DZ Bank rät jedenfalls derzeit wie Vermögensverwalter Klaus Büttner von der StarCapital AG klar zum Einstieg. Dabei empfiehlt Emmert risikofreudigen Investoren einen Aktienanteil von 60 % im Depot (siehe Grafik).

Emmert gibt dabei zu, dass sich eine nachhaltige Belebung der Wirtschaft noch nicht abzeichnet. "Doch die in der letzten Zeit häufig besser als erwartet ausgefallenen Unternehmensergebnisse bieten einen Grund für Optimismus." Außerdem lasse die Kriegsgefahr im Irak nach. Mittelfristig sollte das niedrige Zinsniveau die Gesamtwirtschaft und die Aktienmärkte positiv beeinflussen, meint der Analyst. Bei Einzelwerten empfiehlt das DZ-Analystenteam insbesondere IBM (wegen des breit diversifizierten Produktportolios), Aegon (aufgrund des gestärkten finanziellen Fundaments) und Telecom Italia Mobile als das aktuell profitabelste Telekommunikationsunternehmen Europas.

Büttner, der nach den Kursrückschläge an den Börsen in den letzten zweieinhalb Jahren nun auch für langfristig orientierte konservative Anleger gute Einstiegsmöglichkeiten sieht, setzt dagegen vor allem auf deutsche Dividendentitel. Denn die erschienen im historischen Vergleich besonders preiswert, weil sie vielfach unter dem Buchwert notierten. Zu seinen Favoriten zählt Büttner Allianz (wegen der niedrigen Bewertung und den massiven Prämienerhöhungen im Sachversicherungsbereich. Bei der Deutschen Telekom sieht er unter anderem wegen der "cleveren Gebührenpolitik" und steigender Marktanteile bei Voicestream Kurspotenzial.

Büttner mahnt jedoch, bei einem konservativen Anleger müsse klar die Anlage im festverzinslichen Bereich im Vordergrund stehen - auch wenn die zurzeit extrem niedrigen Renditen bei Bundesanleihen oder US-amerikanischen Treasury Bonds auf absehbare Zeit die Ertragschancen begrenzten. Zudem drohten Kursrückschläge durch die dramatische Zunahme der öffentlichen Defizite und der expansiven Geldmarktpolitik der internationalen Notenbanken. Aus diesem Grunde sollten Anleger kürzere bis mittelfristige Laufzeiten bei Bonds bevorzugen. Emerging-Market-Bonds und Unternehmensleihen mit relativ schlechtem Rating, die teilweise Renditen von über 40 % pro Jahr brächten, sollten ein Viertel des Rentenanteils im Depot aber nicht übersteigen. Zur Risikostreuung sollten aber auch konservativen Anleger jeweils 5 % ihres Geldes in Hedge Funds, offene Immobilienfonds und Gold beziehungsweise in Rohstoffen anlegen.

In die gleiche Kerbe schlagen auch die Analysten von WestLB Research: Sie legen Investoren nahe, Renten überzugewichten. Im Euroraum eröffneten die für die kommenden Monate zu erwartenden Leitzinssenkungen Kursspielraum, denn diese "noch nicht ganz sicheren" Lockerungen seien nicht voll im Markt eingepreist, meinen die WestLB-Analysten.

Auch risikofreudige Investoren dürften derzeit Renten nicht außer Acht lassen, rät Emmert - ja sogar einen zehnprozentigen Immobilienanteil empfiehlt er. Bonds aus dem Euroraum seien gegenüber Anleihen aus den USA überzugewichten. Die mittelfristig erwartetet Konjunkturerholung und der damit einhergehende Renditeanstieg werde seiner Meinung nach in den USA deutlicher ausfallen, weshalb die Anleihekurse dort stärker fallen sollten. Er rät zu Laufzeit bis zu vier Jahren, da diese Papiere von der Zinssteigerung weniger stark betroffen seien als langlaufende Bonds.

Borghoff rät Anlegern, die auf die Jahresendrally setzen, Aktien mit 55 % und Renten mit 40 % zu gewichten, nebst einer Cashposition von 5 %. Zum Jahresbeginn sollten sie dann umschichten: den Bondanteil auf bis zu 55 % deutlich steigern und die Aktienquote auf 40 bis 45 % herunterfahren. Auf diese Weise kann der Anleger gelassen bleiben, wenn die Kurse in eine Seitwärtsbewegung münden.

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