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Nicht jeder Zacken ist ein Wendepunkt

Unter den Analytikern herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass der Aufschwung in Deutschland inzwischen seinen Höhepunkt überschritten hat und in eine Phase konjunktureller Abschwächung übergegangen ist. Umstritten ist aber, wann genau der Wendepunkt anzusiedeln ist.

MÜNSTER. Je nachdem, welche Wachstumsrate man heranzieht, ergeben sich ganz unterschiedliche Zeitprofile der Konjunkturentwicklung: - Das Statistische Bundesamt stellt meist die Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem Vorjahresquartal heraus. Diese Rate erreichte bereits im ersten Quartal 2000 mit 3,7 % ihren Gipfelpunkt. Demnach hätte die Konjunkturwende schon vor einem Jahr stattgefunden.

- Die Bundesbank argumentiert dagegen hauptsächlich mit der saisonbereinigten Wachstumsrate gegenüber dem Vorquartal. Diese war im zweiten Quartal 2000 mit 1,2 % am höchsten. Auch wenn man sie auf das jeweilige Vorjahresquartal bezieht, wäre daran gemessen der Gipfelpunkt (mit dann 4 %) im zweiten Quartal erreicht worden.

- Dem Handelsblatt-Frühindikator liegt die gleitende Jahresrate des BIP als Referenzgröße zugrunde. Diese Rate - am Jahresende mit dem Gesamtjahreswachstum identisch - erreichte erst im dritten Quartal 2000 mit 3,1 % ihren höchsten Wert.

Für die gleitende Jahresrate spricht ihre Stetigkeit und Zuverlässigkeit. Nur sie lässt klar erkennen, dass es seit Ende 1994 jeweils drei Abschwünge und drei Aufschwünge gegeben hat (Grafik).Sie bildet auch in aller Regel die Hoch- und Tiefpunkte der Kapazitätsauslastung am besten ab, an denen die Konjunktur aus theoretischer Sicht eigentlich zu messen wäre.

Die beiden anderen Raten reagieren zwar im Zweifel früher, dafür aber auch viel hektischer als die gleitende Rate. So hat die Wachstumsrate zum Vorjahresquartal seit Ende 1992 nicht weniger als zwölfmal die Richtung geändert, die saisonbereinigte Rate zum Vorquartal sogar 22mal. Wegen ihrer extremen Volatilität. sind diese beiden Raten daher keine zuverlässigen Indikatoren für wirkliche konjunkturelle Wendepunkte.

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