Nicht mal bei Wettkämpfen sind Schlupflöcher zu vermeiden
Die Lücke im System

Am Fall Springstein zeigt sich ein weiteres Problem: Bei den Junioren gibt es kaum Dopingkontrollen.

BERLIN. Fabian Schulze stand bei der Sprungmatte, als plötzlich dieses Pärchen auftauchte. Keiner hatte es kommen sehen, nun aber stand es da in der Halle des Olympia-Stützpunkt Stuttgart. Doping-Kontrolleure, ein Mann und eine Frau. Sie waren nett, sie brachten keinen Trainingsplan durcheinander. Fabian Schulze, Stabhochspringer von Salamander Kornwestheim, durfte seine Einheit beenden. Erst dann begleitete ihn der Fahnder auf die Toilette.

Das war irgendwann 2003, Schulze war 19 Jahre alt, er gehörte zum D/C-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbands, dem Sammelbecken der Talente, es war seine erste Dopingkontrolle in jenem Jahr. Es blieb auch seine letzte. Ein einziges Mal wurde Schulze in jenem Jahr getestet. 2004 bestritt der Athlet, der sich inzwischen über 5,70 m katapultierte und ins deutsche Spitzenfeld aufgestiegen ist, drei Junioren-Wettkämpfe in Deutschland. Kein einziges Mal musste er zum Dopingtest. Nur ins Training kamen Dopingfahnder drei Mal in dieser Saison. Aber inzwischen ist Schulze auch B-Kader-Athlet.

"Wenn ein Junioren-Leichtathlet sich dopen sollte, hat er gute Chancen, dass er nicht erwischt wird", sagt Schulze. Ist also der Magdeburger Sprinttrainer Thomas Springstein nur als Besitzer von Arzneimitteln aufgeflogen, die einen verbotenen Wirkstoff enthalten, weil ihn eine seiner minderjährigen Athletinnen angezeigt hatte? "Die Kontrolldichte im Juniorenbereich ist relativ gering", sagt Roland Augustin, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada).

Augustin schätzt, dass höchstens zehn Prozent aller D/C-Kader-Athleten pro Jahr im Training getestet werden. Das heißt, dass viele Talente keinen Kontrolleur sehen. "Wir wollen, dass in diesem Bereich mehr kontrolliert wird, denn gerade dort bringt Doping sehr viel."

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