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Nicht nur Begeisterung für „Clement-Express“

Die Kritiker nennen ihn den "Clement-Express": die geplante Magnetschwebebahn "Metrorapid" zwischen Düsseldorf und Dortmund, die den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement regelmäßig ins Schwärmen bringt.

ap DÜSSELDORF. Auch gegen grünen Widerstand in der eigenen Koalition hat der Landesvater das milliardenschwere Prestige-Projekt bislang erfolgreich verteidigt. Nach seinen Träumen soll der High-Tech-Zug spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 durchs Ruhrgebiet rollen.

Clement hätte am liebsten schon vor zwei Jahren mit dem Bau begonnen, hätte er nicht auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und das daran hängende Geld aus Berlin warten müssen. Und wären da nicht kritische Töne vom kleinen Koalitionspartner, Proteste von Umweltschützern und die Kritik des Fahrgastverbandes "Pro Bahn". Als ersten Schritt zur Realisierung des neuen Projekts vereinbarte der SPD-Politiker bereits im vergangenen Jahr mit der Bahn die Gründung einer gemeinsamen Planungsgesellschaft.

Im Blick hatte der SPD-Politiker aber vor allem stets das Konkurrenzprojekt am Münchener Flughafen, das mit dem NRW-Zug um Berliner Zuschüsse kämpft. Noch vor zwei Wochen scherzte Clement mit Blick auf die Unions-Kanzlerkandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten: "Herr Stoiber ist jetzt sicher anderweitig beschäftigt. Und wir können dann hier in Ruhe bauen." Doch den Wunsch wollten ihm die Bayern nicht erfüllen.

Aus Sicht der Düsseldorfer Landesregierung verspricht das Metrorapid-Projekt jedoch zahlreiche Vorteile für die Pendler im Ruhrgebiet, deren Laune im Megastau auf den überfüllten Autobahnen tagtäglich auf die Probe gestellt wird. Nicht selten meldet der Verkehrsfunk zur Rush-Hour Staus, die zusammen gerechnet mehr als 100 Kilometer lang sind: Alltag im größten Ballungsraum Europas.

Da erscheint ein Umsteigen in den High-Tech-Zug als reines Vergnügen. Mit bis zu 300 Stundenkilometern soll die Bahn im Zehn-Minuten-Takt auf einer 78 Kilometer langen Strecke durchs Revier rauschen. Halte sind nur an den Hauptbahnhöfen in Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund geplant. Auch der Rhein-Ruhr-Flughafen der Landeshauptstadt wäre direkt angebunden, eine spätere Verlängerung der Trasse nach Köln steht zur Diskussion. Rund 30 Mill. Fahrgäste im Jahr sollen den Metrorapid nach Schätzungen der Landesregierung benutzen - und damit sicherer, schneller, leiser und energiesparender reisen, wie Clement schwärmt.

"Pro Bahn" bezeichnet Zeitersparnis als schöngerechnet

Doch der kleine Koalitionspartner legte dem Ministerpräsidenten immer wieder Steine aufs Gleis. Das Ruhrgebiet brauche keine "Insellösung", wie sie die Metrorapid-Planung mit wenigen Halten in großen Städten vorsehe, bemängelte der Verkehrsexperte der Grünen, Peter Eichenseher. Gefragt seien vielmehr flexible Lösungen. Laut einer Studie ist der Metrorapid außerdem für Pendler aus Städten, die nicht direkt an ihn angebunden sind, wenig attraktiv. Sie müssten öfter umsteigen, und ihre Fahrzeit verlängere sich sogar, weil Schiene und Magnetbahn nicht kompatibel seien.

Auch Umweltschützer und "Pro Bahn" wollen den Metrorapid ausbremsen. Sinnvoller als ein völlig neues Verkehrsmittel seien Investitionen ins Schienennetz und neue Nahverkehrszüge. Es gebe keine nennenswerten Vorteile für die Umwelt, der Bau der Trasse entlang der bisherigen Bahnstrecken sei komplizierter als in den Planungen angegeben. Und nicht zuletzt sei die Zeitersparnis für die komplette Strecke um 20 Minuten auf 34 Minuten schöngerechnet. Die Bilanz des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist deutlich: "Der Clement-Express ist ein Milliardengrab."

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