Nicht nur bei Grundig kriselt es
Unterhaltungselektronik-Branche: Schluss mit lustig

Alle Hoffnung richtet sich auf Berlin. Die Unterhaltungsgeräte-Hersteller erwarten von der Internationalen Funkausstellung in der Hauptstadt Ende August wichtige Impulse für ihr Geschäft. Das hat die Branche dringend nötig.

jojo MÜNCHEN. In einem Jahr ohne die Schubkraft großer Sportereignissen wie Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympischer Spiele würden die ersten neun Monate äußerst schwach ausfallen, warnt Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender des Branchenverbands Gfu und Chef des Fernsehgeräte-Produzenten Loewe AG. Für das gesamte Jahr rechnet der Manager mit einem stagnierenden Geschäft. "Die Nachfrage ist äußerst zäh", sagte Hecker am Montag dem Handelsblatt.

Doch nicht nur die fehlenden Sportwettkämpfe auf dem Bildschirm machen es den Unternehmen in diesen Tagen schwer. Die weltweite Konsumschwäche trifft so gut wie jeden Hersteller. Beispiel Loewe: Die Bayern schockten die Anleger jüngst mit einer Gewinnwarnung. Dabei galt die im S-Dax notierte Firma lange als krisenfest, weil sich Loewe auf hochwertige, teure Fernsehgeräte spezialisiert hat. Nun hat aber auch der Luxus-Hersteller mit Absatzproblemen zu kämpfen, da gleichzeitig fast alle wichtigen Märkte in Europa eingebrochen sind. "Wir liegen substanziell unter dem ersten Quartal 2002", sagte Loewe-Finanzchef Burkhard Bamberger.

Ob die erhoffte Belebung im zweiten Halbjahr kommt, ist fraglich. Denn schon 2002 gaben die Bundesbürger für Fernsehgeräte, Hifi-Anlagen und Autoradios 1,5 % weniger aus als im Jahr zuvor. "Seit Monaten sind die Konsumenten verunsichert", betont Hecker. "Wir müssen einen riesigen Endspurt vor Weihnachten hinlegen, um den Verlust der ersten neun Monate auszugleichen."

Dennoch können Firmen zulegen, die auf die richtigen Produkte setzen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Gattungen sind riesig: Während der Verkauf von herkömmlichen Videorekordern, Camcordern und Hifi-Systemen im vergangenen Jahr zurückging, waren DVD-Player und DVD-Rekorder so beliebt wie noch nie. Der Umsatz mit DVD-Playern kletterte um mehr als 200 %, DVD-Recorder verkauften sich sogar um 1000 % besser.

Für das laufende Jahr rechnen die Gfu-Marktbeobachter vor allem bei Hifi-Anlagen und tragbaren Geräten mit einem weiteren Minus. Doch auch hier ist zu unterscheiden: MP3-Spieler und CD-Player werden immer mehr gekauft, Radiorekorder dagegen bleiben in den Regalen liegen. Auch der Fernsehgeräte-Markt ist kräftig in Bewegung. Geräte mit klassischen Bildröhren entwickeln sich mehr und mehr zu Ladenhütern. Fernseher mit Plasma- oder LCD-Bildschirmen und Geräte mit Rückprojektion werden dagegen zunehmend beliebter.

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