Nicht nur Ericsson streicht Stellen wegen schlechter Auftragslage
Kommentar: Harte Zeiten für Netzausrüster

3 000 Entlassungen bei Nortel, 6 000 bei Lucent, 5 000 Stellen bei Siemens gefährdet und jetzt knapp 20 000 Streichungen bei Ericsson - die Kette der Meldungen über Arbeitsplatzabbau bei den Telekomausrüstern reißt nicht ab. Den Marktführer aus Schweden trifft es besonders hart. In wenigen Jahren hat Schwedens größter Industriekonzern rund 40 000 Arbeitsplätze gestrichen oder ausgelagert.

Und was noch schlimmer ist: Ein Ende ist nicht in Sicht. "Wenn wir uns ansehen, was die Telekombetreiber planen und angekündigt haben, gibt es wenig Gründe, in absehbarer Zukunft auf einen Aufschwung zu setzen", klagte Ericsson-Chef Kurt Hellström gestern bei der Präsentation der Unternehmenszahlen für das erste Quartal.

Es wird die Schweden wenig trösten, dass es der ganzen Branche der Netzausrüster schlecht geht. Die Anbieter richten sich auf ein weiteres schweres Jahr ein, nachdem bereits 2001 einen herben Einbruch gebracht hatte. Marktbeobachter wie die Analysten von Merrill Lynch erwarten, dass es der Branche bis ins Jahr 2003 hinein schlecht gehen wird. Ericsson rechnet damit, dass der Markt im laufenden Jahr um mehr als zehn Prozent schrumpft.

Die Gründe liegen vor allem in den Einsparungen der Netzgesellschaften. Alle großen Telekomkonzerne stöhnen unter hohen Schuldenbergen aus der Versteigerung der UMTS-Lizenzen. Die weltweite Schwäche der Börsen hat zusätzlich die Finanzierung vieler Projekte erschwert und einige Telekomfirmen in den USA bereits aus dem Rennen geworfen. Die Konjunkturflaute drückt die Investitionen weiter. Die Netzausrüster verbuchen deshalb drastisch weniger Bestellungen. Um 40 Prozent sind die Aufträge bei Ericsson im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr geschrumpft.

Dabei wächst der Mobilfunkmarkt weltweit munter weiter. Rund 200 Millionen neue Handynutzer erwartet Ericsson für das laufende Jahr. Dafür müssten die Netze eigentlich weiter ausgebaut werden. Doch die Netzgesellschaften sparen. Sie tolerieren wegen ihrer Finanznöte zu hohe Auslastungen und vermeiden Investitionen.

Der erhoffte Geldsegen aus dem Aufbau der Mobilfunknetze der nächsten Generation ist bisher ausgeblieben. Zwar werden die UMTS-Netze jetzt ausgeliefert, doch haben Ericsson und die anderen Anbieter den Mobilfunkgesellschaften sehr großzügige Konditionen eingeräumt. Obendrein drücken die Netzgesellschaften auch hier ihre Aufträge: Sie kooperieren beim Netzaufbau und verschieben den Start der neuen Dienste. Zwar hat gerade Ericsson zahlreiche Aufträge für UMTS-Netze erhalten, doch es wird mindestens noch bis zum kommenden Jahr dauern, bis hier richtig Geld fließt. Erst wenn über die neuen Netze viele Daten verschickt und Multimedia-Botschaften ausgetauscht werden, sind hohe Investitionen und damit Aufträge an die Netzausrüster fällig.

Bis diese Durststrecke endet, muss die Branche noch einige harte Jahre überstehen. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf neuen Multimedia-Diensten, die noch über das herkömmliche Netz laufen. Vodafone hat in der vergangenen Woche ein Angebot gestartet, mit dem die Kunden bunte Bilder über ihre Handys versenden können. E-Plus bringt den japanischen Hit I-Mode nach Deutschland. Diese neuen Angebote erfordern immerhin kleinere Investitionen in die Netze - mehr ist für die Ausrüster zurzeit nicht drin.

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