Nicht nur in den USA ist das Renommee der Wirtschaftsprüfer ramponiert: Arthur Andersen steht unter Druck

Nicht nur in den USA ist das Renommee der Wirtschaftsprüfer ramponiert
Arthur Andersen steht unter Druck

Die langjährige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft des US-Energieriesen Enron, Arthur Andersen, hat gegenüber den ermittelnden Behörden zugegeben, dass Mitarbeiter Unterlagen und Prüfberichte über den Energiekonzern vernichtet hätten.

lü/wsj/bba DÜSSELDORF. Es sei eine "bedeutende, aber bislang nicht festgestellte" Anzahl von Dokumenten zerstört worden, darunter elektronische Dateien und Schriftverkehr, räumte die fünftgrößte US-amerikanische Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein. Welche Mitarbeiter dafür verantwortlich seien und aus welchen Motiven sie gehandelt hätten, sei noch unklar. Nach dieser Erklärung kündigte die Börsenaufsicht SEC an, die Untersuchungen über mögliche ungesetzliche Machenschaften im Zusammenhang mit der Enron-Pleite auszuweiten. SEC sprach von einer "äußerst ernsten Angelegenheit".

Das Eingeständnis, Unterlagen vernichtet zu haben, könnte dem Ruf der renommierten Wirtschaftsprüfer weiter schaden. Enron und Arthur Andersen stehen im Visier mehrerer Kongressausschüsse und des Justizministeriums, das inzwischen auch Strafverfahren gegen beide Unternehmen eingeleitet hat. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob Investoren und Aktionären wichtige Informationen über die Finanzlage des Energieriesen vorenthalten wurden.

Die Manipulationen in der Enron-Bilanz, die im Oktober letzten Jahres bekannt wurden, haben dem Image der Wirtschaftsprüferbranche einen weiteren Kratzer zugefügt. Denn zuvor hatte es eine Reihe anderer Fälle gegeben, in denen Prüfer Unregelmäßigkeiten duldeten oder zumindest übersahen. So musste Ernst & Young 1999 den Rekordbetrag von 335 Mill. $ als Entschädigung an die Aktionäre des Mischkonzerns Cendant zahlen. Die Wirtschaftsprüfer hatten jahrelang nicht erkannt, dass die Gewinne der von Cendant übernommenen CUC, einem der größten Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Gastronomie, Touristik, Immobilien und Einzelhandel, künstlich aufgebauscht waren.

Ruf der Wirtschaftsprüfer ist ramponiert

Im Übrigen sind die Wirtschaftsprüfer nicht nur in den Vereinigten Staaten in die negativen Schlagzeilen geraten. Auch deutsche Kontrolleure stehen derzeit im Kreuzfeuer der Kritik. Skandale à la Baulöwe Schneider, Balsam oder Flowtex, in denen falsche Abschlüsse testiert wurden, haben den Ruf der Wirtschaftsprüfer drastisch ramponiert. Entsprechend wurden die Unternehmen dann auch zur Kasse gebeten.

So mussten Price-Waterhouse-Coopers (PwC) sowie deren Tochtergesellschaft FMP im Fall des Sportbodenherstellers Balsam 24,54 Mill. Euro zahlen. KPMG wurde im Fall Flowtex mit 51,13 Mill. Euro zur Kasse gebeten. Der Grund: Die Gesellschaft hatte neben der Jahresabschlussprüfung auch eine Sonderuntersuchung der Leasingverhältnisse vorgenommen. Dabei verzichteten die Prüfer aber auf die wichtige Kontrolle vor Ort. Dass Wirtschaftsprüfern immer mehr Fehler unterlaufen, geht auch aus Studien der Universität des Saarlandes und der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) hervor. So erklärte der renommierte Bilanzexperte Karlheinz Küting, Wirtschaftsprüfer hätten bei Unternehmen im Neuen Markt eklatante Verstöße gegen einschlägige Bilanzierungsvorschriften akzeptiert. Es habe "vor Fehlern nur so gewimmelt", ergänzte der Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken. Die WPK überprüfte 9 700 Abschlüsse des Geschäftjahres 2000 und entdeckte in 206 Fällen unrichtige oder fehlende Angaben. In einigen Fällen seien gegen Wirtschaftsprüfer auch berufsrechtliche Schritte eingeleitet worden, teilte die Kammer mit.

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