Nicht nur Pitt gilt als Fehlbesetzung
Schlechte Noten für Bushs Wirtschaftsteam

Die Wirtschaftsexperten von Präsident Bush sind in die Kritik geraten. Nun wachsen die Erwartungen, dass neue Leute zum Zuge kommen.

law/wsje DÜSSELDORF. Nach dem Rücktritt von Börsenaufseher Harvey Pitt und dem eindeutigen Wahlsieg der Republikaner wachsen die Erwartungen, dass US-Präsident George W. Bush mit einem neuen Wirtschaftsteam in die zweite Hälfte seiner Amtszeit und in den Präsidentschaftswahlkampf für 2004 ziehen wird. Im Zentrum der Kritik stehen schon seit langem Finanzminister Paul O?Neill und der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Lawrence Lindsey.

Die ersten zwei Jahre der Regentschaft von Bush junior waren unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein Desaster. Die Aktienkurse brachen ein, die Volkswirtschaft sackte kurzzeitig in eine Rezession und hat sich noch immer nicht eindeutig gefangen, die Bilanzskandale von Enron & Co. erschütterten das Vertrauen der Anleger, und die satten Überschüsse des Staatsetats verwandelten sich rasant in Defizite. Zwar ist die Bush-Administration in vielen Fällen dafür nicht verantwortlich und hat sich mit raschen und massiven Steuersenkungen der Konjunkturschwäche entgegengestellt. Auch wird der Präsident persönlich für die maue Lage nicht haftbar gemacht.

Doch wird der ökonomischen Mannschaft Bushs eine zu defensive Haltung vorgeworfen, die oft an Fahrlässigkeit grenze. Allein Fed-Chef Alan Greenspan hatte das Banner hochgehalten. Vor allem Finanzminister O?Neill hat immer wieder mit seinen ungeschminkten Aussprüchen für Empörung gesorgt: "Ich sehe nicht ein, dass ich mit ein paar Worten die Märkte beruhigen soll", hatte er auf dem Höhepunkt der Vertrauenskrise gesagt - und war zu Auslandsreisen entschwunden. In der internationalen Finanzpolitik sorgte er für Ärger, als er sich zunächst öffentlich abfällig über die Reformpolitik Argentiniens äußerte, dann aber doch in Umkehr der bisherigen Haltung einen großzügigen IWF-Kredit für das Nachbarland Brasilien absegnete.

O?Neill gilt als Ex-Chef des Aluminium-Konzerns Alcoa Inc. als wirtschaftsnah, verfügt aber weder an der Wall Street noch in der Bundespolitik über Rückhalt. Noch ist wie in allen Personalfragen völlig offen, ob sich Bush in der nächsten Zeit zu Entscheidungen durchringt - zu sehr nimmt der Irak-Konflikt seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Doch werden in dem US-Magazin Business-Week bereits Handelsminister Donald L. Evans und der Chef der New Yorker Stock Exchange, Richard Grasso, als Nachfolgekandidaten genannt. Aber keinem der beiden wird das Format zugestanden, die Wirtschaftspolitik ähnlich prominent zu verkaufen, wie es in der Außenpolitik die Minister Colin Powell und Donald Rumsfeld machen.

Bushs Wirtschaftsberater Lawrence Lindsey wird vor allem im Kongress vorgeworfen, seine wirtschaftlichen und allgemein-politischen Vorschläge nicht auseinander zu halten und der Konjunkturkrise hilflos gegenüber zu stehen. Noch im September drängte Lindsey das Abgeordnetenhaus, mit Blick auf die Wahl Steuersenkungen für Investoren in die Wege zu leiten - ohne Erfolg. Gerüchten in Washington zufolge ist Lindsey längst amtsmüde und könnte ersetzt werden durch Glenn Hubbard, derzeit Chef des Rates der Wirtschaftsberater im Weißen Haus.

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