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Nicht von dieser Welt: Ally McBeal

"Es ist keine Sünde, Männer zu lieben. Es ist schmerzhaft." Solche und ähnliche Botschaften zum Thema Single-Dasein einer Karrierefrau um die 30 verkündet die Bostoner TV-Anwältin Ally McBeal seit fünf Jahren. In den USA sinken seit Wochen die Einschaltquoten der einst außerordentlich beliebten Serie. Jetzt wird sie eingestellt.

Allein in Deutschland fiebern durchschnittlich 1,09 Millionen Zuschauer der "Generation Ally" dem Dienstagabend entgegen. Gemeint sind überdurchschnittlich gebildete Frauen mit gut bezahlten Jobs zwischen 25 und 35. Ihre durch "Power-Walking" und "Spinning" gestählten Körper setzen sie mithilfe solch großartiger Menschen wie Miuccia Prada und Dolce & Gabbana perfekt in Szene. Sie können einfach nicht verstehen, dass sie es trotz dieser herausragenden Attribute bisher nicht geschafft haben, mit Typen wie Tom Cruise in groß oder George Clooney glücklich liiert zu sein. Und immer mehr Männer, die wissen möchten, warum es so schwer ist, eine Frau zu sein.

Die neurotische Anwältin Ally McBeal, gespielt von der preisgekrönten Broadway-Schauspielerin Calista Flockhart, ist Anfang 30 und war seit ihrer Kindheit mal mit Billy zusammen und mal nicht. Jetzt ist sie Single, hat ein Reagenzglas-Töchterchen und verteidigt reife Erwachsene, die nicht vom Glauben an Einhörner und den Weihnachtsmann lassen wollen. Aber auch Kinder, die den lieben Gott verklagen möchten. Sie schlägt sich mit Kollegen herum, die Fröschen näher stehen als Menschen und abends in ihrer hauseigenen Bar selbstverständlich zu Musikern werden. Bei ihr vermischen sich Phantasie und Wirklichkeit - nur eins weiß sie genau: Die große Liebe wird kommen. Bis dahin teilt sie sich mit ihrer Mitbewohnerin eine Gummipuppe.

Bisher geriet die ausgesprochene Romantikerin allerdings immer an den Falschen. Ihre letzte große Sympathie galt jemandem, der Angst hatte sich zu binden, da er nicht wieder eine Frau verlassen wollte. Leider war seine Angst berechtigt, weil er den Fehler beging, aus Allys Leben wieder zu verschwinden.

Um "Mr. Right" doch noch zu finden, bleibt ihr allerdings nicht mehr viel Zeit - nur noch bis zum 20. Mai. Dann ist die fünfte und letzte Staffel mit 21 Folgen in den USA abgedreht. Um zu erfahren, ob es sich im Falle "Ally" gelohnt hat, die Hoffnung an den Prinzen nicht aufzugeben, müssen die deutschen Fans noch etwas warten. Hier starten die letzten Episoden erst im Herbst.

Doch vielleicht ist das Modell der einzig großen Liebe überholt. Dafür spräche zumindest der große Erfolg von "Sex and the City". Die amerikanische Serie schildert das "Mehr-oder-Weniger-Single-Leben" von vier New Yorker (Traum)-frauen. Beruflich genauso erfolgreich wie ihre Leidensgenossin in Boston, haben sie einen ähnlich hohen Anspruch an ihr privates und beruflichen Glück. Hier sind die Verhältnisse umgedreht: Nicht Geduld, Hoffnung und romantische Träumerei bestimmen das weibliche Sein, sondern die These: Um glücklich zu sein, müssen Frauen Sex haben wie Männer und viel darüber reden. Das ist wohl eher die richtige "message" - zumindest für die nächsten fünf Jahre. 36 weitere Folgen dieser wegweisenden Serie beginnen ebenfalls im Herbst - und die wird bestimmt nicht so schnell eingestellt.

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