Nicht zuletzt mit Blick auf die Beteiligung von General Motors plant Fiat eine neue Ausrichtung des italienischen Konzerns.
Alfa Romeo und Lancia sollen wieder an Glanz gewinnen

Die Welt des Automobilbaus ändert sich rasend schnell. Das hat auch Fiat erkannt. Das Markenportfolio des italienischen Autokonzerns wird nun klarer strukturiert und der Wert der drei Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia neu definiert. Mit Kleinwagen allein ist kein Geschäft mehr zu machen.

pha TURIN. Fiat geht in die Offensive. Nicht zuletzt im Hinblick auf die Zukunftssicherung und die Rolle, die der italienische Autokonzern im Verbund mit General Motors (die Amerikaner halten 20 % an Fiat Auto, die Italiener sind im Gegenzug mit 5 % am US-Konzern beteiligt) zu spielen gedenkt, ist eine Kurskorrektur dringend nötig. Will Fiat in der Allianz mit den Amerikanern weiter einen starken Partner abgeben, ohne Gefahr zu laufen, dass General Motors (GM) eines Tages das Zepter völlig übernimmt, dann muss das Autogeschäft wettbewerbsfähiger werden und die Produkte mehr Niveau erreichen.

Die Autosparte mit ihren drei Marken Fiat, Lancia und Alfa Romeo steht auf dem Prüfstand. "Wir werden", so Fiats oberster Vertriebsmanager Juan José Diaz-Ruiz, "unsere drei Fahrzeugsäulen klarer strukturieren und den Wert der Marken aus ihrer Geschichte heraus mit neuen Inhalten stärken." Im Klartext: Die Identitäten der einzelnen Marken müssen sich deutlicher voneinander unterscheiden. Die Produkte sollen sich mehr denn je ihrer Tradition besinnen und sich an die Spitze ihrer jeweiligen Segmente setzen. Mit Milliardenaufwand (14 Mrd. Euro bis 2008) will man sich im Hause Fiat bei der Produktentwicklung keine Blöße mehr leisten, die zum Erfolg der einzelnen Marken notwendigen Nischen besetzen und sich jeweils am Klassenbesten orientieren. Aber den Modellen gleichzeitig jenen italienischen Stil mit auf den Weg geben, der sie einst berühmt machte. Die Vorboten für den "Relaunch" stehen kurz vor dem Markteintritt oder befinden sich bereits auf Erfolgskurs.



Vor allem die Marke Fiat, lange Jahre der Kleinwagenspezialist schlechthin, verlegt mit dem neuen Modell Stilo, das auf der Frankfurter Automesse IAA im September Weltpremiere feiern wird, den Schwerpunkt seiner gesamten Fahrzeugstrategie weg von den Kleinwagen hin zur kompakten Mittelklasse. Bislang lasteten 76 % des Tagesgeschäfts auf dem kleinen Segment, künftig sollen es nur etwa 40 % sein. Die so genannte Golf-Klasse steht damit im Mittelpunkt der italienischen Marke.



Das beginnt mit einem auf eine neue Art und Weise konzipierten Auto. Der Stilo kommt nach Angaben von Vertriebschef Diaz-Ruiz ohne Kompromisse auf den Markt sowie mit Ausstattungen, die noch bis vor zwei Jahren nicht einmal in Oberklassemodellen verfügbar waren. Als erster seiner Klasse wird er mit einem schlüssellosen Zugangssystem ausgestattet, das zugleich den Motor startet. Eine radargestützte Geschwindigkeitskontrolle, ein Dämmersensor für das automatische Einschalten von Licht und ein Regensensor, der wie von Geisterhand die Scheibenwischer aktiviert, sind weitere Besonderheiten. Überdies werden Einparkmanöver durch entsprechende Sensoren erleichtert. Außerdem kommen, ebenso ein Novum in der Golf-Klasse, im Stilo acht Airbags zum Einsatz, mithin eine bei Fiat bislang nicht bekannte Rundumsicherheit.



Vor allem aber kommt der Stilo mit zwei verschiedenen Karosserien auf den Markt. Der Dreitürer, flacher, breiter und sportlicher als der Fünftürer, der hingegen mehr auf die Bequemlichkeit für Familien mit Kindern abzielt. Während der eine schon sein formal dynamisches Temperament signalisiert, offeriert der andere optisch wie inhaltlich einen Schuss Minivan - vom bequemen Einstieg über eine höhere Sitzposition bis hin zu vielen Ablagen und Klapptischen in den Rücklehnen der Vordersitze.



Ungleich schwieriger dürfte es werden, Lancia wieder in den Kreis der Luxusmarken zurückzuführen. Mit dem neuen Thesis, der ebenfalls auf der IAA das Licht der Welt erblickt, wollen die Italiener an das Erbe seiner großen Vorfahren anknüpfen, die mit Luxus und formaler Eigenwilligkeit stets anspruchsvolle Individualisten in ihren Bann zogen. So kommt auch der neue große Lancia (4,88 m) mit eigenwilligen Stilelementen daher, wie dem großflächigen Kühler (ein Verweis auf Lancia-Modelle aus den 40er-Jahren), den rautenförmigen Scheinwerfern oder den vertikal in die Kotflügel eingelassenen schmalen Rückleuchten. Im Interieur sollen feinste Materialien (Leder , Alcantara, Holz, gegossenes Magnesium) und höchster Fahrkomfort Kunden davon überzeugen, dass der Fiat-Konzern Autos auf dem Niveau von Mercedes bauen kann.



Was bei Lancia noch nach Wunschdenken anmutet, ist bei Alfa Romeo inzwischen Realität. Der Erfolg des neuen "147" (100 000 Autos in sieben Monaten) und des "156", der die Wende der bereits tot geglaubten Marke eingeleitet hatte, schwebt Alfa Romeo derzeit auf Wolke sieben. Mit dem 156 GTA lässt Alfa nun ein Kürzel wieder aufleben, das besonders in den 60er- und 70er-Jahren Sportgeschichte geschrieben hat. Vom Herbst an dürften die Herzen leistungsorientierter Liebhaber der italienischen Traditionsmarke wieder höher schlagen. 250 PS aus sechs Zylindern, besseres Handling und eine größere Bremskapazität sollen dem Kunden das Fahrgefühl eines Rennautos bieten. So, wie es die GTA aus der glorreichen Vergangenheit auch taten.



Mit der Umstrukturierung der Autosparte und der Schärfung der Markenprofile seiner Töchter will der Fiat-Konzern den Absatz in den nächsten zwei Jahren von 2,5 auf 3 Millionen Fahrzeuge hochschrauben. Bis zum Jahr 2008 traut Vertriebsvorstand Diaz-Ruiz Alfa 500 000 und Lancia 300 000 verkaufte Autos pro Jahr zu.

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