Nichtöffentliches Treffen
Papst verurteilt Pädophilie als Verbrechen

Zu Beginn des Krisentreffen im Vatikan hat Papst Johannes Paul II. den sexuellen Kindesmissbrauch als Verbrechen bezeichnet, das in der Kirche keinen Platz habe und zudem "eine entsetzliche Sünde in den Augen Gottes" darstellt.

Reuters ROM. In den USA wird der katholischen Kirche vorgeworfen, Dutzende Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche vertuscht zu haben. Besonders betroffen davon ist die Kirche in Boston, wo dem ehemaligen Priester und verurteilten Kinderschänder John Geoghan von 130 Personen vorgeworfen wird, sie in einem Zeitraum von 30 Jahren missbraucht zu haben.

Solche Dinge würden von der Gesellschaft zu Recht als Verbrechen betrachtet, sagte der Papst. Doch dürfe nicht die ganze katholische Kirche in den USA beschuldigt werden. Die Gläubigen müssten ihre Priester und Bischöfe in dieser schwierigen Zeit unterstützen.

Der Papst hatte die höchsten Vertreter der amerikanischen Katholiken nach Rom geladen, um eine gemeinsame Vorgehensweise bei dem Umgang mit Pädophilen auszuarbeiten. "Die Richtlinien werden hoffentlich eine sichere Zukunft garantieren, aber auch Dinge ansprechen, die vor sehr langer Zeit geschehen sind", sagte der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Wilton Gregory, am Montag. Zu dem nichtöffentlichen Treffen wurden unter anderem alle 13 US-Kardinäle eingeladen.

Im Zuge des Gerichtsverfahrens gegen John Geoghan wurden Dokumente öffentlich, nach denen sechs US-Bischöfe zwar von den Vorfällen wussten, Geoghan aber lediglich von Gemeinde zu Gemeinde versetzten. Nach dem Bekanntwerden des Falls in Boston schlossen die Diözesen in den Bundesstaaten Kalifornien, Maine, New Hampshire und Pennsylvania Priester wegen Kindermissbrauchs aus.

Einige Mitglieder der US-Delegation hoffen darüber hinaus, dass bei dem Treffen auch über strittige Themen wie eine Ende des Zölibats für Priester, eine größere Rolle für Frauen in der Kirche und der Umgang mit homosexuellen Geistlichen gesprochen wird. In den USA gibt es 65 Millionen Katholiken, nach Brasilien und Mexiko die weltweit größte Zahl. Die katholische Kirche ist die größte nichtstaatliche Organisation der USA und vermutlich auch der größte Einzeleinzahler in die Kassen des Vatikans. Die den Missbrauchsfällen anhängenden Klagen könnten der Kirche Millionenbeträge Schadensersatz kosten.

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