Nichts anbrennen lassen
Grillweltmeister gibt Kurse

Roland Dieck, passionierter Hobbygriller und hauptberuflich im Vertrieb einer Firma für Kochgeräte, spielt nicht mehr den Feuerwehrmann. Dass das Ablöschen mit der kräftig aufgeschüttelten Bierflasche einer der größten Fehler am Rost ist, hat er bei Hans-Joachim Fuchs gelernt.

HB DÜSSELDORF. Mitten im Grünen, in einem Glaspavillon auf dem Gelände der Erfurter Gartenbauausstellung, residiert die 1. Deutsche Grill- und Barbecue-Schule. Leute wie Boxweltmeister George Forman, Unternehmer Claus Hipp, Sängerin Vicky Leandros haben schon bei Grillweltmeister Fuchs die Tricks für die feine Küche am offenen Feuer gelernt.Und auch der unbekannte Mann wird an lauen Sommerabenden vom Bedürfnis überwältigt, Familie und Freunden eins aufzubraten. Er hantiert mit gefährlichen Brandbeschleunigern, springt wie ein Feuerteufel um die Glut und wendet blutige Steaks mit riesigen Zangen.

Männer halten die Grill-Front

Marktforscher fanden heraus, dass Männer mit 82 Prozent an vorderster Front beim Gebrutzel im Freien stehen. Weitere sieben Prozent zündeln, geben dann aber die Verantwortung an Frauen ab.

Rund 4 000 schwere Grill-Unfälle werden jedes Jahr in Deutschland gezählt. Doch nicht nur äußerlich kommt es zu Verletzungen beim Spiel mit dem Feuer. Was vom Rost auf den Teller kommt, ist zuweilen giftiger als der Rauch von mehreren Hundert Zigaretten.

Aber es gibt ja Hans-Joachim Fuchs, der seine Teilnehmer nicht in legerer Freizeitkleidung, sondern in der adrett-schneeweißen Montur eines Küchenchefs empfängt. Schließlich"Meisterköche" der DDR und hat schon für Promis wie Luciano Pavarotti und Michael Schumacher aufgetischt.

Grillen und Barbecue sind nicht gleich

Zunächst vermittelt Fuchs Basiswissen. Den Unterschied zwischen Grillen und Barbecue etwa, wenn er fragt: "Raten Sie mal, wie lange perfekte Spare Ribs brauchen?" Rund 12 Stunden sollte man einem solchen Rippenstück gönnen. Dann gibt das Fleisch von selbst den Knochen frei. Grillen ist wie Barbecue alles andere als ruck, zuck erledigt. "Zeit nehmen" lautet Grundregel Nr. 1. Das gilt auch für Marinaden, "selbst gemacht und auf Ölbasis bitte", die mindestens vier Stunden, maximal einen Tag einwirken sollen.

"Alle Arten von Brandbeschleunigern und chemischen Anzündern sollten Sie vergessen", fährt der schlaue Fuchs fort: "Das Zeug setzt jede Menge Gift frei." Eierpappe facht die Glut in Minuten zuverlässig an. Fuchs macht vor, wie?s geht: kleine Holzkohlestückchen in die Mulden häufeln, anstecken. Bald funkelt die Kohle gleichmäßig tiefrot, und die Teilnehmer wollen auflegen. "Gemach", sagt der Grillchef.

Mut zur Exotik

"Nichts anbrennen lassen!" Alufolie verhindert, dass austretendes Fett auf glühende Kohle tropft. Der größte Feind am Grill sind nämlich die entstehenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die gesundheitsschädlich sind.

Der schöne Nebeneffekt des Schongangs auf dem Rost: Vom Grill raucht und stinkt es nicht. Freilich, wer sein Grillgut nicht direkt der Höllenglut aussetzt, muss für eine simple Bratwurst mit einer halben Stunden Garzeit rechnen. Im Bratwurstland Thüringen, schwärmt vom raffiniert zubereiteten Schweinekamm, den Fuchs mit Erdbeeren füllte: "Ich traue mich jetzt auch an exotische Rezepte."

Zum Anfeuern

Grillkurse: 35 bis 100 Euro; Mainzer Pavillon, ega-Erfurt, Tel. 0361/2411611.

www.eoban.de

Gute Grillgeräte gibt es ab 350 Euro, Profigeräte wie "Cactus Jack" bis 2 500 Euro.

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