Nichts mehr zu spüren von der aufgehenden Sonne
Wolken über Japan werden immer düsterer

Für Japans Wirtschaft geht ein Jahr geballter Hiobsbotschaften zu Ende – und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht: Nicht nur ist die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt erneut in eine Rezession geschlittert. Schlimmer noch: Vieles spricht dafür, dass der einstige Musterknabe diesmal eine der düstersten Phasen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges durchmachen muss.

dpa TOKIO. An der Tokioter Börse ist der Nikkei-225-Index in diesem Jahr von anfangs 13 785 Punkten auf deutlich unter 11 000 Punkte gesackt. Zugleich sorgt der Bankensektor drei Jahre nach der schwersten Finanzkrise der Nachkriegszeit schon wieder für tiefe Sorgenfalten.

Japans Wirtschaft schrumpft nach offizieller Einschätzung in diesem Fiskaljahr (bis Ende März) so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die wirtschaftliche Leistung dürfte demnach um real 0,9 % sinken. Japan kann angesichts der globalen Talfahrt jetzt noch nicht einmal mehr auf seinen Exportmotor zählen. Erstmals seit 1974 geht es mit allen drei großen Wirtschaftsnationen – Amerika, Japan, Europa – gleichzeitig bergab. Die Regierung erwartet daher einen Ausfuhrrückgang um 9,6 %, der stärkste Einbruch seit 20 Jahren, mit entsprechenden Folgen für die Industrieproduktion.

Experten rechnen damit, dass Japans Wirtschaft zumindest noch bis zur Mitte des nächsten Jahres schrumpfen wird. Einhergehend mit der Konjunktur sinken auch die Erträge der Unternehmen. Japans große Industriebetriebe rechnen im laufenden Geschäftsjahr mit einem Gewinnrückgang um 34,4 %, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht der Zentralbank hervorgeht. Das ist der stärkste Einbruch seit der Ölkrise vor rund 25 Jahren. Japans Elektronikunternehmen sahen sich in diesem Jahr gezwungen, den spektakulären Abbau Zehntausender Stellen bekanntzugeben. Inzwischen ist die Arbeitslosenquote auf den Nachkriegsrekord von 5,4 % geklettert – Tendenz steigend.

"Angstsparer" halten Daumen auf ihrem Geld

Vor diesem Hintergrund und aus Sorge vor der Alterssicherung halten die Bürger den Daumen auf ihrem Geld – Experten sprechen auch von "Angstsparen". Ein Anziehen des Privatkonsums, der 55 % der Wirtschaftsleistung Japans ausmacht, gilt jedoch als entscheidend für eine Konjunkturerholung. So aber sehen sich Japans Firmen gezwungen, ihre Investitionen in diesem Geschäftsjahr um 6,5 % und damit erheblich stärker als erwartet zu kürzen. Der jüngste Zentralbankbericht zeige, dass "das Schlimmste erst noch kommt", sagte Eishi Yokoyama von Chiyoda Life Capital der Agentur Bloomberg.

Erheblich verschärft wird die Lage durch die hartnäckig fallenden Preise. Während die Verbraucher ihre Ausgaben in Erwartung weiter sinkender Preise aufschieben, ist der Berg an faulen Krediten der Banken wieder bedrohlich angeschwollen. Nippons Institute haben geschätzt 151 Bill. Yen (1,4 Bill. ?) an Problemkrediten in den Büchern. Zugleich drückt die in Folge etlicher erfolgloser Konjunkturpakete auf 130 % des Bruttoinlandsprodukts gestiegene Staatsverschuldung angesichts der Deflation und sinkender Steuereinnahmen immer schwerer.

Die Regierung von Ministerpräsident Junichiro Koizumi versucht nun, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen. Zugleich lässt sie in der Industrie jetzt auch "heilige Kühe" schlachten, wie die kürzliche Pleite des hoffnungslos überschuldeten Baukonzerns Aoki zeigte. Es war der 13. Zusammenbruch eines börsennotierten Unternehmens in diesem Jahr.

Koizumi, der dem Volk vor einer Besserung eine lange Zeit der Schmerzen prophezeite, hat den Druck auf die Banken deutlich verstärkt. Die Regierung weiß, dass eine Lösung der Bankenprobleme die Kardinalaufgabe für eine Gesundung der gesamten Wirtschaft ist. Zugleich erhöht sich aber auch der Druck auf die Zentralbank, die bereits die Zinsen auf nahezu Null gesenkt und den Geldmarkt mit Billionen an Yen überschwemmt hat, neue Wege zur Schaffung von Wachstum zu finden.

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