Nie mehr Knöpfe drücken: Computer lernen sprechen

Nie mehr Knöpfe drücken
Computer lernen sprechen

Wenn Telekommunikation und Internet verschmelzen, droht das Chaos für die Benutzer perfekt zu ein. Darum hoffen immer mehr High-Tech-Unternehmen, dass die Computer sprechen lernen.

dpa STUTTGART. Der frisch ausgepackte Videorekorder gab schon manchem stolzen Besitzer Rätsel auf: Wie programmiere ich die Sender? Warum blinkt die Uhrzeit? Zahlreiche Geräte und damit auch Knöpfe und Bedienungsanleitungen sind bereits in fast jedem Haushalt. Wenn nun auch noch die Welten von Telekommunikation und Internet verschmelzen, droht das Chaos perfekt zu sein. Darum hoffen immer mehr High-Tech-Unternehmen, dass elektronische Apparate lernen, die menschliche Sprache zu sprechen und zu verstehen.

Seit fast 50 Jahren basteln Linguisten und Computer-Experten in ihren Labors an der automatisierten Sprachverarbeitung, die in manchen Science-Fiction-Filmen längst selbstverständlich ist. Doch erst im vergangenen Jahrzehnt kam richtig Bewegung in den Markt. Für Ärzte und Rechtsanwälte, die in ihrer täglichen Arbeit einen begrenzten Fachwortschatz nutzen, hat sich das Diktat in die Maschine bereits bewährt. Leicht abgespeckte Versionen dieser professionellen PC-Diktiersoftware gibt es für wenig Geld im Fachhandel.

Der große Durchbruch kann der Technologie allerdings nur gelingen, wenn Computer zu einem natürlichen Gespräch in der Lage sind. Mit einfachen Anfragen in Call-Centern kommen Sprachcomputer schon heute zurecht, sie reservieren Reisen oder nehmen Katalogbestellungen entgegen. Bei einer Test-Hotline des Elektronikkonzerns Philips können Anrufer Zugverbindungen innerhalb Deutschlands erfragen: Die Maschine versteht ganze Sätze und weiß zum Beispiel, was "morgen Nachmittag" bedeutet - und sie wird nie müde und unfreundlich.

Solche Sprachsysteme sind bis zu 60 Prozent billiger als menschliche Arbeitskräfte, schätzt Tobias Hartmann, Geschäftsführer des Voice Solution Centers in Stuttgart. In dem Netzwerk des Zentrums tauschen sich Branchengrößen wie Sony und die Deutsche Telekom, aber auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband über neue Trends und Produkte aus.

Für komplexe Anliegen wie Reklamationen ist die Technik allerdings noch nicht ausgereift und wird es vielleicht auch nie sein. "Das wäre doch eine Horrorvorstellung, wenn man eines Tages nur noch mit Maschinen spricht", findet Hartmann. Eine technologische Spitzenstellung hatte lange das belgische Unternehmen Lernout & Hauspie inne, das jedoch im vergangenen Jahr in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Wichtige Geschäftsbereiche gingen an den amerikanischen Konkurrenten ScanSoft. Hauptwettbewerber sind die Konzerne IBM und Philips. Auf der CeBIT stellen in Halle 9 auch eine Reihe kleinerer Sprachverarbeitungs-Anbietern die neuesten Anwendungen vor.

Eine besondere Herausforderung für die Sprachsoftware sind unterschiedliche Sprecher, an die sie sich erst gewöhnen muss. IBM-Forscher bitten daher ihre Kollegen um die "Abgabe ihrer Sprache", damit sie ihre Prototypen mit frischen Akzenten füttern können. Als vielversprechend gelten so genannte Sprachportale, die das Surfen im Internet von Geräten ohne PC-Bildschirm und Tastatur aus ermöglichen. Solche Software für Handys und Taschencomputer kann nach Einschätzung der Marktforscher Frost & Sullivan in wenigen Jahren auf einen milliardenschweren Weltmarkt zählen. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist das Auto, wo der Fahrer die Hände in der Regel zum Lenken benötigt. Dort sind es vor allem die Hintergrundgeräusche, die den Entwicklern noch Kopfzerbrechen bereiten.

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