Nie war Maschinen-Fußball so erfolgreich wie heute
Roboter dribbeln und schießen Elfmeter

Parallel zur Fußball-WM kämpften in Japan auch programmierte Kicker um den Titel. Das Kräftemessen ist mehr als eine Spielerei für Robotik-Forscher. Fußball-Roboter dienen auch als Prototypen für spätere Produkte.

DÜSSELDORF. Neidische englische Sportjournalisten hatten das deutsche Fußball-Geheimnis als erste gelüftet: "Die deutschen Roboter marschieren", maulte der Daily Telegraph nach unserem Einzug ins WM-Finale. Richtiger Kommentar - am falschen Platz. Denn gar nicht weit entfernt, im japanischen Fukuoka, trafen sich zeitgleich tatsächlich die weltbesten Fußball-Roboter zum Kräftemessen. Dort kam es wie es kommen musste: Wir standen im Endspiel der stählernen Sportler. Und Weltmeister wurde wer anders.

288 Teams aus 29 Ländern waren mit über 1 000 Betreuern und Programmierern zum 6. Robo-Cup angereist. Immerhin reichte es für die Berliner "FU-Fighters" in der Kleinroboter-Kategorie zum Vize-Titel. Das Duell der acht Roboter, die entfernt an rotierende Schuhkartons erinnern, gewann auf der tischtennisplattengroßen Fläche das US- Team "Big Red" mit 7 zu 3. Dabei hatte sich Raul Rojas, Dozent für Künstliche Intelligenz an der Freien Universität Berlin (FU), eher in der Königsdisziplin Chancen ausgerechnet: dem Wettbewerb für mittelgroße Roboter. Dabei bestehen die Mannschaften aus drei 80 Zentimeter großen Feldspielern und einem Torwart, der meist etwas anders konstruiert ist. Sie treten auf einem fünf mal neun Meter großen Spielfeld gegeneinander an. Die an seinem Institut entwickelten Maschinen seien besonders schnell und wendig, lobte er vorher. Hinterher kam es aber zu einem rein japanischen Finale.

Erstmals nahmen an dieser WM auch humanoide Roboter teil, Automaten in menschenähnlicher Gestalt. Sie traten allerdings außer Konkurrenz an. Es ging zunächst darum, die Neuentwicklungen auf Beweglichkeit zu testen. Bis 2050, so die von der RoboCup Federation verbreitete Vision, sollen kickende Roboter in der Lage sein, Ballzauberer aus Fleisch und Blut zu besiegen. Wenn das die Engländer wüssten.

Zum besten humanoiden Roboter wurde der 15-Kilo-Brocken Nagara der japanischen Gifu Industries Association gekürt. Er wurde auch Elfmeterkönig. Seine Sensoren übertragen die relative Position aller beweglichen Körperteile über schnelle Datenleitung an zwei Prozessoren, die die Haltung und Bewegung des Roboters koordinieren. Mehrere Motoren bringen ihn dann binnen Millisekunden in die jeweils nächste Position im Bewegungsablauf.

Roboterfußball ist bei Forschern in den letzten Jahren populär geworden, weil hierbei komplexe Steuerungsaufgaben zu lösen sind. Die Spielfeldumrandung und die Gegner müssen erkannt werden, damit die Roboter kollisionsfrei und elegant fahren. Die Augen der Roboter sind Videokameras: Aus den von ihnen gelieferten Bildern soll die Software die Welt rekonstruieren - mit all ihren Tücken, mit einem schnellen Ball und auf Verwirrung programmierten Gegnern. Die Kommentare eines naiven Zuschauers ("Schieß doch endlich") laufen folgerichtig ins Leere. Schließlich muss der Roboter seine Entscheidungen autonom und auf Basis fehleranfälliger und eingeschränkter Sensordaten fällen.

Die Lösung dieser Steuerungsprobleme ist nur die Vorstufe für den Bau von Robotern, die sich in Zukunft in traditionellen Fabrik- und Büroumgebungen zurechtfinden können. Nicht die Umwelt soll an die Roboter angepasst werden, sondern die Roboter an die heute existierenden Fabrikhallen und Büroräume. Der RoboCup leistet so auch einen wichtigen Beitrag zum Vergleich und zur Verbreitung der von verschiedenen Forschergruppen entwickelten Methoden. Auch das in diesem Jahr eingerichtete Schwerpunktprogramm über autonome mobile Roboter durch die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) trägt dem Rechnung. Daran nehmen verschiedene RoboCup-Teams aus ganz Deutschland teil, auch die "Darmstadt Dribbling Dackels" - der amtierende Deutsche Meister in der Vierbeiner-Klasse. In dieser Disziplin mühen sich Programmierer, dem hochgerüsteten Sony-Spielzeughund Aibo das Dribbeln beizubringen.

Quelle: Handelsblatt

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