Niebaum: „Kraftakt meistern“
BVB-Chefs unter Dauerbeschuss

Die Führung des einzigen börsennotierten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund steht vor der Bilanzvorlage am Freitag gehörig unter Druck. Aktionärsschützer, Analysten und der neue Großaktionär Florian Homm - alle halten mit lauter Kritik nicht hinter dem Berg. Dass die Geschäftsführer der GmbH & Co. KG auf Aktien (KGaA), Gerd Niebaum und Michael Meier, sie mit ihren Zahlen für die abgelaufene Saison 2003/2004 an diesem Freitag (11.00 Uhr) beruhigen kann, scheint illusorisch.

HB DORTMUND. Auch die Stimmung bei den Anhängern scheint angesichts der mäßigen sportlichen Leistungen des Profi-Teams, des erwarteten Jahresverlusts des einstigen Branchenriesen von 67 Mill. ? und des auf etwa 150 Mill. ? gestiegenen Schuldenbergs zu kippen. Laut einer von den "Ruhr Nachrichten" in Auftrag gegebenen Repräsentativ-Umfrage trauen nur 31,5 % der vom Forschungsinstitut "Start" 998 befragten Fans der BVB-Führung zu, die wirtschaftliche Wende herbei zu führen. 49,9 % haben den Glauben an Präsident Niebaum und Manager Meier verloren. 19,1 % gaben kein klares Urteil ab.

Auch das zum Teil vernichtende Urteil von Finanzexperten ist für Niebaum und Meier eine schwere Hypothek. Peter-Thilo Hasler, Analyst der Münchner Hypo-Vereinsbank, verfolgt das Finanzgebaren schon lange kritisch. Er prangert an, die Bilanzen seien schon in den Vorjahren durch "Sondereffekte" und kosmetische Korrekturen geschönt worden. Auch bei der Vorstellung der neuen Bilanz werde ein Griff in die "Schminkschatulle" erwartet, meinte die "Süddeutsche Zeitung".

Statt einen knallharten und nachvollziehbaren Sanierungskurs zu fahren, werde die Öffentlichkeit irre geführt und beschwichtigt. "Ein vernünftiges Management würde alle Kräfte in die Lösung der wahren Probleme stecken", sagte Hasler. Die Borussen würden immer nur das zugeben, was man ohnehin schon wüsste. Auch der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, hält die Informationspolitik für fragwürdig: "Es fehlt beim BVB einfach die Transparenz." Verbraucherschützer erwägen wegen gravierender Managementfehler gar juristische Schritte. "Seit fast einem Jahr operieren Niebaum und Meier am offenen Herzen, und jetzt stellen sie fest, dass es nicht das Herz, sondern der Blinddarm ist", beklagte Stefan ten Doornkaat von der Schutzgemeinschaft der Kapital-Anleger (SdK) im Fußball-Fachblatt "kicker".

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