Niebaum: Viertelfinal-Rückspiel gegen Slovan Liberec „von historischer Bedeutung“
Affäre Lehmann drängt Uefa-Cup in Hintergrund

Für Vereinspräsident Gerd Niebaum ist das Viertelfinal-Rückspiel um den Uefa-Cup gegen Slovan Liberec "von historischer Bedeutung", für die Fans derzeit eher Nebensache. Mehr noch als über den möglichen siebten Einzug von Borussia Dortmund in das Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs wird im Umfeld des Revierclubs über Jens Lehmann geredet.

dpa DORTMUND. Der mit einer Sperre von vier Pflichtspielen geahndete Fehltritt von Freiburg hat die Diskussionen über den in Dortmund ohnehin wenig geliebten Nationalkeeper neu entfacht. Zum Verdruss von Sportmanager Michael Zorc: "Mir geht das Thema langsam auf die Nerven. Vor einem der wichtigsten Spiele in der Vereinsgeschichte sollten wir uns jetzt Wichtigerem zuwenden."

Obwohl sich der Sünder für seine Affekt-Handlung öffentlich entschuldigt hat, schlagen die Wogen noch immer hoch. Diverse Leserbriefe in heimischen Tageszeitungen legen der Vereinsführung sogar nahe, den zum Saisonende auslaufenden Kontrakt mit dem 32 Jahre alten Leistungsträger nicht zu verlängern. Der von seinem Arbeitgeber mit einer Geldstrafe bedachte Lehmann erwartet keine weiteren Sanktionen: "Ich glaube nicht, dass die Affäre negative Auswirkungen auf die anstehenden Vertragsgespräche hat."

Dass Trainer Matthias Sammer seinem Schlussmann gegen Liberec am Donnerstag (20.30 Uhr, live in der ARD) trotz der anhaltenden Turbulenzen das Vertrauen schenkt, birgt laut Zorc kein Risiko: "Unsere Fans werden niemanden demontieren. Ich erwarte, dass Jens unterstützt wird. Schließlich ist er noch immer ein Bestandteil unserer Mannschaft."

Weil dessen Sperre nur für die Bundesliga gilt, kann Sammer ein vorerst letztes Mal auf Lehmann zurückgreifen. Danach soll Ersatzkeeper Philipp Laux den BVB auf Meisterkurs halten. Doch gegen das seit 19 Spielen ungeschlagene tschechische Überraschungsteam will der Trainer kein Risiko eingehen. Während der ehemalige Musterprofi gebetsmühlenartig vor den Stärken des Gegners warnt und an das glückliche 0:0 im Hinspiel erinnert, wähnen sich die meisten Dortmunder Fans offenbar schon im Halbfinale. Nur 32 000 Karten wurden im Vorverkauf abgesetzt - 28 000 weniger als für das Punktspiel am Sonntag gegen Cottbus. Für dieses Desinteresse hat Präsident Gerd Niebaum wenig Verständnis: "Das Fieber muss steigen. Ein Verein hat nicht häufig Gelegenheit, in ein Europacup-Halbfinale einzuziehen."

Anders als im ersten Duell vor einer Woche stehen dem Bundesliga- Zweiten Stefan Reuter und Leonardo Dede zur Verfügung. Damit kann Sammer bis auf den auf europäischer Bühne nicht spielberechtigten Sebastian Kehl seine Bestbesetzung aufbieten. Die Rückkehr der noch in Prag gesperrten beiden Profis schürt die Hoffnung auf eine deutliche Leistungssteigerung. Nur ungern denkt der Fußball-Lehrer an den wenig ansehnlichen Auftritt im Hinspiel zurück, als sein Team vor allem im Spielaufbau enttäuschte: "Noch so eine Leistung wird nicht ausreichen, um ins Halbfinale zu kommen. Wir müssen uns gewaltig steigern."

Neben dem sportlichen Prestigegewinn lockt eine weitere satte Einnahme. Das Halbfinale (4./11. April) würde die Vereinskasse um weitere 4 Mill. Euro auffüllen. Erst dann wäre der durch das vorzeitige Aus in der Champions League verursachte Schaden weitgehend behoben.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Borussia Dortmund: Lehmann - Wörns, Metzelder - Evanilson, Reuter, Ricken (Oliseh), Dede - Rosicky - Ewerthon, Koller, Amoroso

Slovan Liberec: Kinsky - Pilny, Valachovic, Holenak, Janu - Johana, Langer, Kolousek, Zboncak - Stajner, Nezmar

Schiedsrichter: Braschi (Italien)

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