Niebaums Abschiedsrede bewegte
Borussia Dortmund setzt wieder auf Rauball

Sein Verein rief um Hilfe - und Reinhard Rauball tritt wieder an. Der Respekt vor der schwierigen Aufgabe als Präsident von Borussia Dortmund wird von der Liebe zum Fußballvereins übertroffen.

HB DORTMUND. Ein Spezialist für schier aussichtslose Fälle soll Borussia Dortmund aus der größten Krise der Vereinsgeschichte helfen. Auf der turbulenten Jahreshauptversammlung des Revierclubs am Sonntag in der Westfalenhalle wurde Reinhard Rauball fast einstimmig zum Präsidenten des Fußball-Bundesligisten gewählt. Der 57 Jahre alte Jurist trat damit wie erwartet die Nachfolge von Gerd Niebaum an, der im Zuge der Finanzprobleme des Clubs bereits vor Wochen das Ende seiner 18-jährigen Amtszeit angekündigt hatte. "Ich werde alles versuchen, um den BVB wieder nach vorne zu bringen und dass wir alle wieder stolz sein können", versprach Rauball in seiner Antrittsrede.

Für Rauball ist es nach 1979 (bis 1982) und 1984 (bis 1986) die dritte Amtszeit als BVB-Präsident. Mehr noch als in den 80er Jahren steht ihm echte Herkulesarbeit bevor. Die nötige Abtragung des höchsten Schuldenberges in der Geschichte des deutschen Fußballs (119 Millionen Euro) ist zwar vorrangig die Aufgabe der Kapitalgesellschaft, wird aber auch seine Arbeit massiv tangieren. Rauball kündigte schmerzliche und unpopuläre Einschnitte an: "Ich verspreche gar nichts. Wir fangen auf einem wesentlich niedrigen Nieveau an. Das muss allen Beteiligten klar sein."

Wie prekär die Lage des Vereins derzeit ist, machte die Stimmung in der Westfalenhalle deutlich. Nicht nur die Mannschaft, die bei ihrem Eintreffen mit Buh-Rufen empfangen wurde, hatte einen schweren Stand. Vor allem Niebaum und Manager Michael Meier mussten sich heftiger Kritik erwehren. Mit Tränen in den Augen räumte Niebaum vor 1745 Mitgliedern seinen geliebten Vereinsthron. "Es bewegt mich, dass ich zu einem Zeitpunkt gehe, an dem der Verein nicht frei ist von Problemen. Aber alle Schläge für den Präsidenten waren auch immer Schläge für den Verein", begründete Niebaum seine bereits vor vier Wochen getroffene Entscheidung.

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