Niederegger-Umsatz steigt trotz Konsumzurückhaltung: Lübecks süßes Vorzeigeunternehmen

Niederegger-Umsatz steigt trotz Konsumzurückhaltung
Lübecks süßes Vorzeigeunternehmen

Seit fast 200 Jahren verkauft Niederegger Marzipan. Dabei haben die Lübecker noch nie auf Werbung gesetzt, sondern auf hanseatische Zurückhaltung.

LÜBECK. Es gab Zeiten, da wurde Marzipan nur in Apotheken verkauft: Im Mittelalter galt das Mandel-Zucker-Gemisch als stärkendes Heilmittel, das sich nur wenige leisten konnten. Auch heute hat Marzipan den Ruf einer edlen Ware, geht es doch fast immer als Geschenkartikel zur Oster- und Weihnachtszeit über den Ladentisch. Und wer einem Firmenkunden oder seiner Schwiegermutter eine süße Freude machen will, greift selten zu irgendeinem Marzipan, sondern zu Premiummarken wie "Lübecker Marzipan" aus dem Hause Niederegger.

Mit dem rotgoldenen Holstentor und den Initialen IGN im Logo - für den Firmengründer Johann Georg Niederegger - ist die Marke über Deutschland hinaus bekannt geworden. Mehr als 130 Marzipanhersteller gab es zur Blütezeit der Süßigkeit im 19. Jahrhundert in Lübeck. Heute ist Niederegger das einzige Unternehmen, das noch Lübecker Edelmarzipan produziert.

Das Wort "produzieren" hört Holger Strait im Zusammenhang mit seinem Marzipan allerdings nicht gern. "Wir müssen immer wieder den Spagat zwischen einer Fabrikation und einer Manufaktur hinbekommen", sagt der Inhaber und geschäftsführende Gesellschafter der Firma. In den Fertigungshallen in Lübeck stehen nur wenige Maschinen, zwei Drittel der Arbeit wird von Hand erledigt. Bis zu 16 Frauen bemalen die Marzipanfiguren. Nicht nur Osterhasen und Weihnachtsmänner werden von ihnen "geschminkt", wie es bei Niederegger heißt. Sie verzieren auch süße Äpfel und Birnen so, dass der Inhalt eines Obstkorbes täuschend echt aussieht.

Der 53-jährige Kaufmann führt den Familienbetrieb nun schon in siebter Generation. Wie seine Vorgänger legt er besonderen Wert auf die Qualität der Produkte. So wenig Zucker wie möglich, ist seine Devise. Denn erst die Mandel mache das Marzipan edel. Maximal 5 % Zucker kommt in den Topf mit der Rohmasse, die sonst nur aus Mandeln und Wasser besteht. Wettbewerber geben bis zu 50 % Zucker zum Grundstoff hinzu. Das erleichtert die Verarbeitung und hält die Herstellkosten niedrig.

Niederegger sieht sich als Qualitätsanbieter mit hohen Preisen nicht im Wettbewerb mit Zentis, Deutschlands größtem Marzipan-Anbieter. Da konkurriere das Unternehmen schon eher mit Floristen und Parfümerien, den klassischen Geschenkverkäufern. Oder den Anbietern hochwertiger Pralinen wie Hachez, Lindt und Gubor.

197 Jahre ist her, dass der Konditorgeselle Johann Georg Niederegger sich selbstständig machte. 1986 hat Strait das elterliche Unternehmen übernommen und führt es seitdem mit seiner Frau, Angelika Strait-Binder. Sie kümmert sich um die vier Café-Betriebe in Lübeck und Travemünde, Strait verantwortet das Marzipangeschäft.

Trotz der Konsumzurückhaltung der Deutschen hat der Niederegger im vergangenen Jahr 6 % mehr umgesetzt. Zum Vergleich: Der Schokowarenmarkt verzeichnete ein Minus von 1 % auf etwa 5 Mrd. Euro. Branchenkenner schätzen Niedereggers Umsatz auf 100 bis 200 Mill. Euro.

Über absolute Zahlen spricht Strait nicht. Der konservative hanseatische Unternehmer liebt es still und zurückhaltend. So hat auch die Werbung - eigentlich ein Muss in der innovationsfreudigen Süßwarenbranche - keinen Platz bei Niederegger.

"Herr Strait ist nicht der Typ, der etwas laut hinausposaunt", sagt eine Mitarbeiterin. "Lieber lässt er die Qualität für sich sprechen."

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