Niederländer forschen nach rentablen Bereichen aus dem Inlandsgeschäft
Heijmans zeigt Interesse an Holzmann-Teilen

Der niederländische Konzern Heijmans erwägt den Kauf von Teilen des Inlandsgeschäfts von Holzmann. Doch Experten halten nur die Übernahme einzelner Projekte oder Niederlassungen für sinnvoll.

 jkn/sbe FRANKFURT/BRÜSSEL. Der niederländische Baukonzern Heijmans N.V. prüft derzeit eine Übernahme einzelner Bereiche des Inlandsgeschäfts der insolventen Philipp Ein Sprecher von Heijmans in Rosmalen bestätigte gestern Gespräche mit dem Insolvenzverwalter Ottmar Hermann. Zwar spricht der Verwalter noch mit anderen Interessenten aus Deutschland und Frankreich. Dennoch katapultierten die Spekulationen um die Übernahme durch Heijmans die Holzmann-Aktie gestern um fast 60 % in die Höhe.

Nach Informationen aus Bankkreisen prüft Heijmans eine Übernahme für alle fünf deutschen Niederlassungen von Holzmann. Dagegen betonte ein Sprecher von Heijmans, man sei lediglich an rentablen Teilen von Holzmann interessiert. "Wir sind kein Turn-Around-Manager, sondern nur an gesunden Geschäftsbereichen interessiert", sagte Firmensprecher Fons van Lith.

Die Holzmann-Niederlassungen in Düsseldorf, Hannover, München, Frankfurt und Halle erzielten 2000 mit rund 3000 Mitarbeitern eine Leistung von knapp 1,1 (Vorjahr: 2,6) Mrd. Euro. Dabei schreiben alle Dependancen Verluste. Aus Unterlagen, die der Holzmann-Vorstand den Banken vor der Insolvenz vorgelegt hatte, geht hervor, dass das Inland 2001 insgesamt noch einen Verlust von 114 Mill. Euro verbuchte.

Vor diesem Hintergrund halten Experten und Analysten eine Übernahme sämtlicher Hauptniederlassungen für sehr schwierig. "Denkbar ist eher, einzelne Projekte zu erwerben, wo man als Grenzgänger wie Heijmans regionales Potenzial sieht", erklärte ein Bankmanager.

In Betracht kämen zum Beispiel Projekte der Dependance Düsseldorf, die mit einer Bauleistung von fast 390 Mill. Euro die größte Niederlassung von Holzmann ist. Dort ist zum einen das Kompetenzzentrum für attraktive Infrastrukturprojekte wie etwa Tunnel untergebracht. Außerdem betreuen die Düsseldorfer Holzmänner das Projekt des Westershelde Tunnels, den Holzmann zusammen mit Heijmans baut.

Auch Äußerungen aus dem Umfeld von Heijmans deuten eher auf diese Übernahme-Variante. Das Unternehmen habe unter anderem Interesse an den niederländischen Projekten, wo beide Firmen kooperieren, hieß es. Neben dem Westershelde-Tunnel wäre das zum Beispiel die Metro Amsterdam.

Fakt ist allerdings, dass die Niederländer in allen drei Sparten - Tiefbau, Hochbau, Ingenieurbau - in den Nachbarländern durch Übernahmen expandieren wollen. Erklärtes Ziel von Joop Janssen, dem Vorstandschef des Bauunternehmens, ist es, den Umsatz durch Akquisitionen jährlich um 13% zu steigern. Dies sei aus dem laufenden Geschäft finanzierbar, erläuterte Firmensprecher van Lith. Nach Angaben von Analysten will der Baukonzern seine Nettoumsatzrendite bis 2006 von 3,1% auf 5% steigern. Im vergangenen Jahr verbesserte Heijmans den Nettogewinn um 46 % auf 70 Mill. Euro. Der Umsatz stieg ebenfalls um 46% auf 2,3 Mrd. Euro. Er soll in vier Jahren 5 Mrd. Euro erreichen, davon 1 Mrd. Euro im Ausland.

Allerdings werde Heijmans in Deutschland sehr selektiv vorgehen, erklärte Firmensprecher van Lith. Davon geht auch Marc van der Holst, Analyst bei Iris/Robeco, aus. Insbesondere auf dem schwierigen deutschen Markt werde Heijmans sehr behutsam vorgehen. "Heijmans wird eher kleinere und rentable Unternehmen erwerben als einen großen Coup landen, der sich nachteilig auf die Ergebnislage und den Aktienkurs auswirken kann", sagte van der Holst.

Wie empfindlich die Aktionäre sind, erfuhr Heijmans 2001. Die Niederländer hatten für die Bausparte des heimischen Marktführers Hollandsche Beton Group (HBG) 270 Mill. Euro geboten. Die Börse quittierte den Plan mit Kursabschlägen, weil HBG seit Jahren in Deutschland Verluste erlitt und nur deshalb zum Übernahmekandidaten wurde. Als die spanische Dragados den Erwerb von HBG ankündigte, zog Heijmans die Offerte zurück.

Quelle: Handelsbaltt

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