Niederländer profitieren von Sonderfaktoren
Anleger reagieren enttäuscht auf die Zahlen von Aegon

Der niederländische Versicherungskonzern Aegon N.V. mit Sitz in Den Haag hat im ersten Quartal einen Nettogewinn von 393 Millionen Euro erwirtschaftet. Das ist mehr als ein Drittel weniger als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Die Anleger reagierten am Dienstag enttäuscht. Die Aktie notierte gegen den positiven Trend an der Amsterdamer Börse schwächer.

BRÜSSEL. Auf den ersten Blick scheint das Resultat zwar etwas besser zu sein, als die 360 Mill. Euro, die viele Analysten erwartet hatten. "Doch es wurde durch einmalige Faktoren günstig beeinflusst. Ohne diese ist der Gewinn niedriger als erwartet", erläutert Cor Kluis, Analyst von Rabo Securities.

Erstens fiel der Beitrag der zum Verkauf stehenden US-Tochter Transamerica höher aus als erwartet. Gründe waren niedrigere Steuerzahlungen und geringere Kosten. Zweitens seien die Abschreibungen auf aktienverbundene Versicherungsprodukte wesentlich niedriger gewesen als im Vorjahr, sagte Kluis. Aegon begründet das mit dem inzwischen etwas besseren Börsenklima.

Der unversteuerte Gewinn sei im Vergleich zum vierten Quartal um mehr als die Hälfte gestiegen, betonte Vorstandschef Don Shepard vor der Presse. Gegenüber dem ersten Quartal von 2002 sackte er jedoch um fast die Hälfte ab. Belastend wirkten sich niedrige Zinsen, Börsenflaute, schlechte Kredite und der gegenüber dem Euro schwache US-Dollar aus. Die Gesamteinnahmen sanken um neun Prozent, sie wären jedoch ohne Währungseffekte um drei Prozent gestiegen. Auch höhere Pensionslasten in den Niederlanden, Großbritannien und den USA drückten das Ergebnis.

Shepard wagte keine Prognose für dieses Jahr. Analysten zeigten dafür Verständnis. "Aegon kann nichts tun, außer Transamerica verkaufen und das Geld sinnvoll investieren. Ein Versicherer hängt von vor über Jahrzehnten geschlossenen Verträgen ab und kann nur auf bessere Zeiten hoffen. Das ist ärgerlich, aber so läuft das Geschäft", meinte Kluis. Analysten erwarten dieses Jahr einen etwa auf dem Niveau des vergangenen Jahres liegenden Gewinn. Der war 2002 um ein Drittel auf 1,5 Mrd. Euro gesunken - der erste Rückgang seit 20 Jahren. Shepard sieht ermutigende Anzeichen auf dem Kreditmarkt: Hier habe es im ersten Quartal Anzeichen für eine Verbesserung gegeben. Allerdings liege die Rate schlechter Kredite noch weit über dem für die Branche eigentlich geltenden Niveau. Aegon erhöhte die Rückstellung für Kreditrisiken um vier Fünftel auf 149 Mill. Euro und bildete zusätzlich Rückstellungen für Produkte mit garantierten Geldleistungen. Anleger zeigen sich stets enttäuscht darüber, dass die Niederländer dem Kreditrisiko stärker unterliegen als jahrelang gedacht. Es habe sich erst seit 2001 gezeigt, dass der Versicherer in den USA auch als großer Kreditgeber auftrete, erläuterte ING-Analystin Margot van der Velde.

Die Börse habe einen höheren Einfluss auf Aegons Resultate als lange vermutet. Wegen der schwachen Kapitalmärkte sei mit aktienverbundenen Produkten weniger zu verdienen, ergänzte Kluis. Überdies sank der Wert des Aktien- und Immobilienportefeuilles im ersten Quartal um ein Fünftel. Als gutes Zeichen wertete van der Velde den Zuwachs an neuen Lebensversicherungspolicen um vier Prozent in Großbritannien und zehn Prozent in den USA. Letzteres relativiert sie aber: Viele Kunden seien im Januar rasch in Produkte mit Minimum-Garantie eingestiegen, die es inzwischen nicht mehr gebe.

Quelle: Handelsblatt

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