Niederländer sind die größte Auslandsbank in den Vereinigten Staaten und verdienen dort auch das meiste Geld
ABN Amro will Stellung in USA ausbauen

Nach ersten Zukäufen profitieren sie von der regionalen Konzentration und dem Boom auf dem Hypothekenmarkt.

BRÜSSEL. Die meisten Mitarbeiter der Amsterdamer ABN Amro N.V. arbeiten in den Niederlanden - aber das meiste Geld verdient die Großbank in den USA. Dort ist sie größte Auslandsbank und will ihre Position durch weitere Akquisitionen verstärken.

In etwa zwei Jahren will ABN Amro eine dominante Position in Ohio erwerben, kündigte US-Manager Norm Bobins in Chicago an. Für Vorstandschef Rijkman Groenink hat die Expansion des Privatkundengeschäfts im dritten Kernmarkt neben den Niederlanden und Brasilien zentrale Bedeutung. Vorrangig sind nur die aktuellen Sparmaßnahmen, die das Großkundengeschäft rentabler machen sollen.

Eile hat ABN Amro nicht: Erst im vergangenen Jahr erwarb die Bank die Michigan National Corporation für 2,75 Mrd. US-Dollar. Außerdem: So lange die Märkte so volatil seien, warte er ab, denn er wolle keine Probleme erben, sagte Bobins kürzlich vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Banken in den USA wegen der Wirtschaftsflaute viel Geld mit Krediten verlieren. Da es in Ohio zwar sieben mittelgroße, aber keine dominante Bank gebe, bestünden gleichwohl genug Wachstumschancen.

Analysten bestätigen die abwartende Strategie, meinen aber schmunzelnd, ABN Amro bleibe nichts anderes übrig als zu warten. "Sie haben nach den großen Zukäufen dort schlicht kein Geld", konstatiert Rabobank-Analyst Bart van der Veen. Die zum Verkauf stehende Lease Holding sei zwar 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro wert. Doch ein Verkauf sei zur Zeit unrealistisch, vor allem zu dem Preis. Eine Aktienemission in Amsterdam sei wegen der Börsenkrise auch nicht möglich. "Einen Aktientausch kann ABN ebenfalls nicht vorschlagen, denn US-Anleger sind nicht an niederländischen Aktien interessiert", ergänzt Camiel Mulders, Analyst bei Iris/Robeco. Bleibe nur, auf bessere Zeiten zu warten.

Das US-Geschäft läuft unterdessen hervorragend. Dieses Jahr zeigt sich erneut, wie wichtig es für ABN Amro ist. Die US-Töchter machen 18 % der Bilanzsumme aus, aber liefern 56 % des Reingewinns - 861 Mill. Euro in den ersten neun Monaten

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ABN Amro pflückt nach jahrelanger Expansion die Früchte niedriger Zinsen und einer großen Nachfrage der Verbraucher nach Krediten und Wohnungshypotheken der Verbraucher. Das Institut profitiert dabei von dem großen Unterschied zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen. Dieser flache aber nächstes Jahr ab, warnt Mulders. Er sieht auch die Abhängigkeit vom Dollarkurs als Risiko der starken US-Aktivitäten an.

Die Ergebnisse werden trotzdem auch künftig wachsen, erwartet Rabo-Analyst van der Veen. "Jedoch wird der Gewinnanteil des US-Geschäfts bis 2005 auf 35% sinken, da das derzeit schwächere Niederlande- und Großkundengeschäft wieder kräftige Ergebniszuwächse liefern wird." Mulders hingegen rechnet mit einem steigenden US-Gewinnanteil, "weil es auf dem zersplitterten Markt recht einfach ist, Banken zu kaufen und in bestehende Aktivitäten zu integrieren."

Unter den US-Großbanken belegt ABN Amro nach eigenen Angaben Platz elf; im Markt für neue Hypotheken sogar Rang fünf. Die Bank strebt will sich allerdings nicht landesweit etablieren, sondern konzentriert sich auf die Wirtschaftsregion um Chicago und Detroit. Dort wohnen rund 57 Millionen Menschen, die so viel produzieren, wie Deutschland, Frankreich und Italien zusammen. Mit LaSalle und Standard Federal ist ABN Amro zweitgrößtes Institut in den an Ohio angrenzenden Bundesstaaten Illinois und Michigan. Sie habe bei den Zukäufen viel Erfahrung gezeigt, lobt van der Veen.

Der wirtschaftliche Erfolg bestätige die Strategie. Die Industrieregion hat aber auch einen Nachteil. "Die für Privatleute, den Klein- und Mittelstand tätige Bank spürt indirekt die Automobilmarktflaute. Das Kreditrisiko ist höher als bei größerer regionaler Streuung", urteilt van der Veen. Lebe die Konjunktur auf, zahle sich der geographische Fokus aber aus.

Weil Marktlage und Bedarf in den USA anders seien als in Europa, ergäben sich aber kaum Synergien für den Konzern, meinen Analysten übereinstimmend. ABN Amro sei eher ein Konglomerat aus lose zusammenhängenden Teilen als ein Ganzes, das auf Synergien setzt. "Der Vorteil dabei ist die große Risikostreuung",urteilt Analyst van der Veen.

Die US-Töchter können nahezu unabhängig und sogar gegen die Strategie in den Niederlanden handeln. So stieg die Zahl der Niederlassungen seit 1997 - teils durch Zukäufe, teils eigenständig - um rund ein Drittel auf etwa 400 Filialen; Tendenz steigend. In den Niederlanden hingegen schloss ABN Amro allein 2001 fast ein Drittel der Zweigstellen. Sie setzt bei den täglichen Geldgeschäften auf neue Kanäle wie Internet, Telefon und Bankshops. Dennoch ist die Filialdichte dort noch immer viel höher als in den USA.

Quelle: Handelsblatt

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