Niederländische Bank reagiert auf Skandale - Mehr Transparenz
ABN Amro krempelt Aktien-Analyse um

Die ABN Amro N.V. hat die Analyse-Methode ihrer Research-Abteilung drastisch umgekrempelt. Das neue Verfahren soll Investoren ein zuverlässigeres und transparentes Bild von den Ertrags- und Kurschancen eines Unternehmens zu geben. ABN Amro veränderte ihre Methode laut eigenen Angaben als eine der ersten europäischen Großbanken und reagierte damit auf die weltweite Verärgerung über Analystenskandale in den vergangenen zwei Jahren.

BRÜSSEL. Den Wertpapierexperten wurde vorgeworfen, im Interesse der eigenen Arbeitgeber zu positive Urteile über Unternehmen zu geben, die Kunden der Bank sind. Zehn Geschäftsbanken, darunter die Deutsche Bank, aber nicht die ABN Amro, müssen laut einem Vergleich von vergangener Woche 1,4 Mrd. $ in Zusammenhang mit diesen Vorwürfen bezahlen. Einige US- und britische Investmentbanken, darunter Merrill Lynch, haben ihre Methoden bereits angepasst. Deutsche Banken hinken eher hinterher. So weit bekannt gibt es keine Neuausrichtung

"Das neue System bringt uns in die Top-Gruppe der Investmentbanken", meint Mike Kranenburg, Chef des ABN-Aktienresearch in den Niederlanden. "Das wichtigste ist, dass die bisher mangelnde Transparenz beseitigt wird und eine konzernweit einheitliche Analyse-Methode gilt, die den Investoren die Argumente für unsere Empfehlungen klarlegt", erläuterte er gegenüber dem Handelsblatt. Research und Bankgeschäft seien strikt zu trennen. Die Reform ist das Werk von Mark Brown, Chef der weltweit rund 240 Analysten des Instituts. Er kam im August von der britischen HSBC, bei der er eine vergleichbare Reorganisation leitete.

Die neue Methode basiert auf der ökonomischen Erkenntnis, dass je-der Wettbewerbsvorteil eines Tages verschwindet. Die Aufgabe der Ana-lysten ist, einzuschätzen wie viel ein Unternehmen bis zu diesem Zeit-punkt verdienen kann. Alle Unter-nehmen müssen künftig sowohl hin-sichtlich der Marktposition als auch der Wettbewerber beurteilt werden. "Künftig sind Empfehlungen nicht mehr absolut und zusammenhanglos, sondern relativ", sagte Kranenburg.

Analysten dürfen nur dann zum Kauf raten, wenn sie erwarten, dass die Aktie eines börsennotierten Konzerns 15% besser abschneidet als der Branchendurchschnitt. Umgekehrtes gilt für Verkaufsempfehlungen. Zudem muss einer Kaufempfehlung immer eine Verkaufsempfehlung gegenüberstehen. "Damit erreichen wir eine ausgewogene, konsistente Verteilung über die Branche hinweg", erläuterte Kranenburg. Bisher sei die Verteilung "schief" gewesen, räumte er ein. Oft hätten Analysten nur bei Kaufempfehlungen eine klare Mei-nung gehabt "und den Rest der Branche einfach auf Hold gestuft."

Nun müssten sie ebenso wie Inves-toren eine echte Abwägung machen. Die werde durch das Management geprüft. "Wir wollen eine Kultur schaffen, wo Analysten zu einer eindeutigen Meinung kommen und das Konsensdenken durchbrechen." Daher müssen die Analysten den Investoren auch genau erklären, wie sie zu ihrer Ansicht gekommen sind.

Die Zahl der Verkaufsempfehlung wird steigen. Verärgerung unter den Unternehmen fürchtet Kranenburg aber nicht. Glaubwürdige und transparente Einschätzungen seien doch in deren Interesse. "Es ist die Aufgabe der Unternehmen, eine gute Strategie zu haben. Unsere ist es, sie zu beurteilen. Gefällt ihnen ein "Sell" nicht, müssen sie nachweisen, dass es zu unrecht entstand", begründet Kranenburg. In ersten Reaktionen äußerten niederländische Unternehmen Verständnis für die neue Politik.

Um die Interessen der Analysten mit denen der Kunden in Übereinstimmung zu bringen, erwägt die ABN Amro auch, selbst Geld in ei-nen internen Investmentfonds zu stecken, der sich an den Empfehlungen orientiert. "Mit dem Fonds könnten wir messen, ob wir unser Ziel erreichen, mit unseren Ratschlägen bes-ser zu sein als der Markt", sagt Kronenburg. Für den Fonds würden strikte Regeln gelten, beispielsweise dass die Bank erst eine Woche nach Abgabe einer Empfehlung in die entsprechenden Aktien investiert. Als zusätzlicher Anreiz werde erwogen, die Analysten teilweise in Abhängigkeit von den Leistungen des Fonds zu entlohnen. Darüber werde in Kürze entschieden.

Quelle: Handelsblatt

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