Niederländische KPN wird Alleineigentümer von E-Plus
E-Plus ist jetzt in niederländischer Hand

Zwei Jahre nach seinem Einstieg bei E-Plus wird der niederländische Telekommunikationskonzern KPN nun alleiniger Eigentümer des drittgrößten deutschen Mobilfunkbetreibers.

Reuters AMSTERDAM. KPN will dazu alle Anteile des Mitgesellschafters Bell South per Aktientausch übernehmen, wie beide Unternehmen am Mittwoch in Amsterdam mitteilten. Die Transaktion muss noch von der Europäischen Union (EU) und den nationalen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden, der niederländische Staat als größter KPN-Aktionär habe bereits zugestimmt. An der Börse gaben die KPN-Aktien wegen der Verwässerung des Ergebnisses und einem bevorstehenden Verkauf der KPN-Anteile durch Bell South nach.

Bell South hatte bei der Mehrheitsübernahme von E-Plus durch KPN im Jahr 1999 eine Option auf Tausch seiner E-Plus-Anteile in Höhe von 22,51 % in Anteile an KPN oder der Mobilfunktochter KPN Mobile vereinbart. Diese Option sei nun ausgeübt worden, sagte eine Sprecherin von E-Plus. Für die neuen Aktien gilt den Angaben zufolge keine Haltefrist. Bell South hatte in den zurückliegenden Monaten signalisiert, sich aus dem Europa-Geschäft zurückziehen zu wollen. Das in neun US-Südstaaten tätige Telekom-Unternehmen sagte KPN zu, eine Verkaufsabsicht seiner KPN-Anteile anzukündigen.

KPN zahlte im Rahmen der Transaktion ein von Bell South für E-Plus bereitgestelltes Darlehen in Höhe von 484 Mill. Euro zurück. Nach dem für das zweite Quartal 2002 nach Genehmigung des Aktientausch erwarteten Abschlusses der Transaktion werde KPN auch ein zwischen Ende 2002 und April 2004 fälliges Gesellschafterdarlehen in Höhe von 2,1 Mrd. Euro für E-Plus übernehmen. Zudem werde durch die vollständige Konsoliderung von E-Plus die Nettoverschuldung des KPN-Konzerns um rund 930 Mill. Euro zunehmen, hieß es. KPN gilt mit Verbindlichkeiten von derzeit rund 16,5 Mrd. Euro bei einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 12,75 Mrd. Euro als hochverschuldet und hat sich in den vergangenen Monaten zum Schuldenabbau von mehreren Beteiligungen getrennt. Bell South wird aus dem Anteilstausch nach derzeitigen Kursen einen steuerfreien Gewinn von rund 900 Mill. $ erzielen.

An der Börse gaben die KPN-Aktien deutlich um bis zu neun Prozent nach. Im Handelsverlauf schwächte sich der Verlust auf rund 3,5 % ab, was die Aktien auf 5,45 Euro rutschen ließ. "Das größte Problem ist der Aktienüberhang", sagte ein Analyst. "Bell South will sich von seinem Anteil trennen und die Frage ist, wie sie das tun." Zudem wird sich nach Angaben eines weiteren Analysten die Verschuldung deutlich erhöhen, da KPN nun die Kosten für das UMTS-Engagement in Deutschland allein trage. Händler sagten, KPN stehe mit Blick auf den von der Deutschen Telekom und Vodafone dominierten Mobilfunkmarkt allein mit einem schwachen Auslandsengagement da. Ein Fondsmanager sagte, Bell South sei aus E-Plus ausgestiegen, was Analysten KPN auch seit Monaten geraten hätten. Analysten erwarten eine Konsolidierung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, da nun vier der sechs Anbieter in Alleinbesitz sind. Die Ratingagentur Standard & Poor's bekräftigte die Bonität von KPN, da E-Plus bereits in der Vergangenheit als vollkonsolidierte Tochter angesehen worden sei.

KPN-Chef Ed Scheepbouwer bekräftigte erneut, sich nicht von E-Plus trennen zu wollen. Es sei noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob der von Bell South übernommene Anteil an E-Plus auf die nicht börsennotierte Mobilfunktochter KPN Mobile übertragen werde. Mit dem Ausstieg von Bell South habe KPN nun freie Hand, um E-Plus voranzubringen. Über eine 15 prozentige Beteiligung an KPN Mobile ist noch der größte japanische Mobilfunker NTT DoCoMo mit E-Plus verbunden.

Nach dem niederländischen Staat, dessen Anteil durch die Kapitalerhöhung auf 31,4 % des KPN-Kapitals und eine Sonderaktie sinken wird, würde Bell South der zweitgrößte KPN-Eigentümer mit 9,42 % oder 234,7 Mill. Aktien. Damit wird E-Plus derzeit mit rund 5,7 Mrd. Euro bewertet. KPN hatte Ende 1999 für 77,49 % an E-Plus rund 9,2 Mrd. Euro bezahlt und zur Jahresmitte 2000 für die anteilige Summe von 6,4 Mrd. Euro eine UMTS-Lizenz in Deutschland ersteigert. Auf den Firmenwert von E-Plus wird KPN eigenen Angaben zufolge im ersten Quartal 2002 eine Abschreibung in Höhe von neun bis elf Mrd. Euro vornehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%