Niederländischer Chemiekonzern Feinchemie-Sparte von Roche
DSM wird Nummer eins bei Vitaminen

Mit dem Verkauf der zuletzt ungeliebten Vitaminsparte kann sich Roche nun ganz aufs Gesundheitsgeschäft konzentrieren. DSM hingegen rückt mit dem Erwerb an die Weltspitze. Doch wird der Kauf an der Börse nicht groß gefeiert: Vitaminproduktion gilt mittlerweile als ein gewinnschwaches Massengeschäft.

sbe/ef/bef DÜSSELDORF. Der niederländische Chemiekonzern DSM übernimmt die Vitaminsparte des Schweizer Pharmaherstellers Roche und wird damit weltgrößter Hersteller dieser Nahrungszusätze. Beide Unternehmen einigten sich auf einen Kaufpreis von für 2,25 Mrd. Euro. Die Vitaminsparte von Roche kommt auf einen Jahresumsatz von umgerechnet 2,4 Mrd. Euro und ist Weltmarktführer vor der Ludwigshafener BASF AG.

Für den zweitgrößten Chemiekonzern der Niederlande, DSM, ist es die größte Übernahme in der hundertjährigen Konzerngeschichte und der entscheidende Schritt zur Verwirklichung der Strategie "Vision 2005". Danach will sich der Konzern auf Spezialstoffe für Medikamente und Nahrungsmittel sowie auf hochwertige Kunststoffe konzentrieren. Der Umsatz soll sich bis 2005 auf 10 Mrd. Euro verdoppeln. DSM hat im April bereits sein Petrochemiegeschäft für ebenfalls 2,25 Mrd. Euro an den saudi-arabischen Sabic-Konzern verkauft. Der Buchgewinn aus dem Verkauf von 840 Mill. Euro soll die Übernahme der Vitaminsparte von Roche mitfinanzieren.

Die Baseler Roche Holding AG folgt mit dem Verkauf der Strategie der meisten Pharmahersteller, sich zunehmend auf das Geschäft mit Medikamenten zu konzentrieren und Randbereiche abzustoßen. Die verkaufte Sparte produziert Vitamine, Caratinoide, Zitronensäure und andere Feinchemikalien für die Pharma-, Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Kosmetikindustrie.

Von den Gewinnen im Vitamingeschäft zeigte sich Roche-Chef Franz Humer schon länger nicht begeistert. Im vorigen Jahr machte die Sparte einen Betriebsgewinn von 346 Mill. sfr, das waren 30 % weniger als im Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2002 erzielte sie bei einem Umsatz von 1,75 Mrd. sfr einen Betriebsgewinn von 140 Mill. sfr.

Die vergleichsweise geringe Rentabilität in dem Geschäft war für Analysten von DSM Ansatzpunkt für Kritik. Marc van der Geest von der niederländischen Rabobank bewertet die Übernahme "gemäßigt negativ." Die Vitaminproduktion sei ein umkämpfter Markt mit wenig Wachstumschancen, sagte er - Roche selbst spricht von 3 bis 5 % Wachstum jährlich. Zudem habe sich die Rentabilität durch Preisrückgänge in den vorigen drei Jahren mehr als halbiert. Vor allem die Konkurrenz aus China drückt die Preise.

DSM-Chef Peter Elverding versuchte, die Investoren zu beruhigen. "Wir wollen stärker als der Markt wachsen. Und wir werden durch erhebliche Synergievorteile und unsere Erfahrungen bei Kostensenkungen beträchtliche Ergebnisverbesserungen erreichen", sagte er. Er setzt auf die künftige Marktmacht des Konzerns, den er nach der Übernahme als weltgrößten Zulieferer für die so genannte Life-Science-Industrie sieht. "Wir werden unseren Kunden, die in den Sektoren Lebensmittel, Tierfutter und Gesundheitsprodukte tätig sind, ein zusammenhängendes Portfolio bieten."

Analysten lobten, dass mit dem Kauf das Erreichen der ehrgeizigen Wachstumsziele gesichert sei. Die Vitaminsparte von Roche treibt den Konzernumsatz von DSM auf 8,4 Mrd. Euro. Das restliche Wachstum bis zum Wert von 10 Mrd. Euro sei aus eigener Kraft zu schaffen, sagt Analyst van der Geest. Positiv anzumerken sei zudem der "auffallend geringe" Preis. Die gesunde Finanzposition des schuldenfreien DSM-Konzerns werde nicht angetastet, bestätigten andere Analysten.

Eine richtige Entscheidung, aber ein relativ bescheidener Preis - dies waren am Finanzplatz Zürich die ersten Reaktionen auf den Verkauf der Roche-Sparte. Analysten hatten mit bis zum 1,5fachen des Jahresumsatzes gerechnet. Nach Einschätzung von Roche-Konzernleitungsmitglied Markus Altwegg kann das Geschäft im ersten Quartal 2003 abgeschlossen werden. Von Seiten der Wettbewerbsbehörden werden keine Bedenken erwartet, da DSM bisher im Vitamingeschäft nicht tätig ist. Nach Angaben von Roche plant DSM in der Sparte mit 7 500 Arbeitsplätzen vorerst keinen größeren Umbau.

Wichtig für DSM ist, dass mögliche weitere Strafzahlungen aus Kartellverfahren gegen das Roche-Vitamingeschäft bei dem Baseler Konzern verbleiben. Er war im vorigen Jahr ebenso wie die anderen führenden Vitaminhersteller wegen verbotener Preisabsprachen von der EU-Kommission mit einer hohen Geldstrafe belegt worden. Roche musste 462 Mill. Euro zahlen, BASF 286 Mill. Euro.

Analysten wie Claudio Werder von der Bank Vontobel sehen in dem Verkauf des Vitamingeschäfts für Roche den Vollzug einer richtigen strategischen Entscheidung. Denn die Gewinnmargen der Sparte lagen in den vergangenen Jahren stets unter denen des zentralen Pharma- und Diagnostikageschäfts von Roche.

Quelle: Handelsblatt

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