Niederländischer Handelskonzern rettet Internet-Lieferanten vor dem Aus
Ahold haucht Peapod neues Leben ein

Einer der bekanntesten Internet-Händler ist gerettet. Der Handelskonzern Ahold übernimmt den angeschlagenen Lebensmittellieferdienst Peapod. Finanziell kein großes Geschäft für die Niederländer - doch bringt der US-Partner sie einen Schritt weiter zum Nahrungsmittellieferanten in allen Kanälen.

HB DÜSSELDORF. Der Retter kommt aus Zaandam: Der dort ansässige niederländische Handelsriese Koninklijke Ahold N.V. übernimmt die Mehrheit von Peapod Inc. - und bewahrt damit das ehemalige E-Commerce-Vorzeigeunternehmen vor dem Aus. Peapod ist die Nummer eins unter den Internet-Lebensmittelhändlern in den USA und bedient 130 000 Kunden in acht Städten. Das Geschäftsmodell galt als zukunftsträchtig: Interessenten laden aus dem Internet die Peapod-eigene Software herunter und können dann shoppen. Das Unternehmen kooperiert mit Händlern am Ort und bietet deren Preise inklusive Sonderangeboten.
Kunden von Peapod zahlen 6,95 $ monatlich und noch einmal die gleiche Summe je Lieferung. Außerdem will sich der Netz-Händler über die anonyme Auswertung seiner Kundendaten finanzieren. Die ersten Resultat klangen gut: 74 Minuten verbrachten die Kunden durchschnittlich pro Monat im virtuellen Supermarkt und gaben dabei 200 $ aus. Doch wie fast jeder Internet-Händler schrieb das Unternehmen aus Illinois auch im elften Jahr seines Bestehens tiefrote Zahlen: Auf Umsätze von 73 Mill. $ kamen im vergangenen Jahr 29 Mill. $ Verlust.

In der allgemeinen Euphorie störte das nur wenige. Kritisch wurde die Lage erst Mitte März: Gerade ein halbes Jahr im Amt, erklärte Vorstandschef Bill Malloy seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Ein harter Schlag: Malloy war bei seinem Ex-Arbeitgeber AT &T hoch respektiert. Seine gesundheitlichen Probleme beruhten auf "physischer und geistiger Erschöpfung" nach wochenlangen Verhandlungen mit neuen Geldgebern.

120 Mill. $ sollten Peapod zufließen, mündlich hatte sich Malloy schon mit den Risikokapitalgebern Apollo Management, Yucaipa Companies, Pequot Capital Management und GRP II geeinigt. Aber kaum war er abgetreten, zogen die Investoren ihre Zusage zurück - und Peapod hatte gerade noch 3 Mill. $ in der Kasse. Die Börse reagierte mit einem Kurssturz von 50 % auf 3,5 $ innerhalb eines Tages, viele glaubten an das Ende für den Lieferdienst und seine Konkurrenten wie Webvan oder Netgrocer.

Aholds Einstieg kostet den Giganten nicht viel

Die Geier kreisten zu früh. Mit Ahold steigt einer der großen der internationalen Handelsszene ein. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung übernehmen die Niederländer Vorzugsaktien, die später in Stammaktien umgewandelt werden können und dann 51 % des Kapitals bilden. Über Optionen kann Ahold seinen Anteil auf bis zu 75 % hoch schrauben. Außerdem versieht der Konzern Peapod mit einem Sofort-Kredit von 20 Mill. $. Für den Riesen aus der alten Welt ist die Investition nicht groß - aber von Bedeutung. Ahold ist in den USA bereits kräftig vertreten: Die 1 063 Filialen des Konzern an der Ostküste unter den Namen BI-LO, Finast, Giant, Stop & Shop und Tops setzten 1999 20,3 Mrd. $ um - 60 % des Gesamtumsatzes.

Immer stärker sieht sich Ahold dabei in der Rolle des Lebensmittelvertreibers. Neue Vertriebswege sollen Umsätze, aber vor allem die Gewinnspanne nach oben bringen. So übernahm der Konzern kürzlich US Foodservice, den zweitgrößten Großhändler der Vereinigten Staaten. Auch mit Peapod arbeiten die Niederländer bereits zusammen, in Boston und New York versorgen Supermärkte des Konzerns den Internet-Lieferanten mit Lebensmitteln.

Nun wird sich Peapod wohl zunächst auf das Ahold-Gebiet Ostküste konzentrieren - und dort auch auf einen Hersteller aus Europa treffen. Der italienische Molkerei-Konzern Parmalat übernahm erst kürzlich 22,3 % am Internet-Händler Netgrocer.com aus New Jersey. Ahold und Parmalat dürften für ihre neuen Töchter die gleichen Pläne haben, aber nur die Italiener sprechen sie offen aus: Die Erfahrungen in den USA sollen dazu genutzt werden, ähnliche Dienste in Europa aufzubauen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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