Niederländischer Telekomkonzern baut Schulden ab
E-Plus beschert KPN einen Rekordverlust

Der niederländische Telekomkonzern KPN fährt einen Verlust von 7,5 Milliarden Euro ein - und damit das größte Minus, das ein niederländisches Unternehmen je ausgewiesen hat.

slo DÜSSELDORF. Abschreibungen auf die deutsche Mobilfunktochter E-Plus haben bei KPN im vergangenen Jahr für einen Rekordverlust gesorgt. Wie der niederländische Telekomkonzern gestern mitteilte, lag das Minus bei 7,5 Mrd. Euro. Im Vorjahr hatte KPN noch einen Gewinn von 1,9 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Analysten haben den Milliardenverlust bei KPN erwartet. Das Unternehmen hatte vergangenen Woche angekündigt, dass die Abschreibungen auf den Firmenwert von E-Plus mit 12,4 Mrd. Euro höher ausfallen würden als ursprünglich geplant. Der KPN-Aktienkurs stieg gestern im Tagesverlauf um knapp 3 % auf 5,41 Euro.

Ad Scheepbouwer, seit November an der Spitze des Konzerns, hat dem Unternehmen eine schlankere Struktur und eine neue Strategie verpasst, um das Unternehmen wieder handlungsfähig zu machen und auf einen profitablen Weg zu bringen. Gestern verkündete er erste Erfolge: Der Konzern hat seinen Schuldenberg um etwa ein Drittel auf 15,7 Mrd. Euro gesenkt. Dazu haben in erster Linie eine Kapitalerhöhung und der Verkauf von Beteiligungen beigetragen.

KPN erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 12,9 Mrd. Euro und damit 5 % weniger als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich um über 40 % und sank auf 3,4 Mrd. Euro.

Sieht man von den Sondereffekten wie der Abschreibung auf E-Plus ab, hat KPN ein Ebitda von 3,6 Mrd. Euro und einen Nettoverlust von 1,4 Mrd. Euro eingefahren. Im laufenden Jahr will das Unternehmen sein Ergebnis deutlich verbessern. Das Ebitda soll um mehr als 10 % wachsen, die Schulden auf 14,9 Mrd. Euro sinken.

Analysten von Credit Suisse First Boston sehen den Konzern auf einem guten Weg, seine Bilanz zu bereinigen und damit den Cash-Flow zu erhöhen. Verhaltenes Lob auch von JP Morgan: KPN habe ein schwieriges Jahr 2001 hinter sich gebracht. Es habe seine Prognosen aber gut gemanagt und die Erwartungen erfüllt.

Noch halten Analysten Scheepbouwers Strategie allerdings für eher konservativ und fordern radikalere Schritte, beispielsweise einen Verkauf von E-Plus. Dem erteilte Scheepbouwer gestern erneut eine Absage. Das Unternehmen bleibe ein wichtiger Teil von KPN.

Im vergangenen Jahr hat die deutsche KPN-Tochter ihr Ebitda auf 340 Millionen Euro verdreifacht und damit laut E-Plus-Chef Uwe Bergheim das beste Ergebnis seit der Gründung vor neun Jahren eingefahren. Das Unternehmen hat sich auf das Anwerben von profitabler Vertrags- und Geschäftskunden konzentriert und damit seine Ebitda-Marge deutlich verbessert. Der Anteil der Geschäftskunden stieg von 7 auf 10 %.

E-Plus ist mit 7,5 Millionen Kunden der drittgrößte Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen hat im August 2000 eine der sechs UMTS-Lizenzen ersteigert.

Die Abschreibungen auf E-Plus zeigen den Wertverlust in der Branche. Andere Telekomkonzerne, darunter die Deutsche Telekom, haben in den vergangenen Wochen ebenfalls Abschreibungen auf ihre Beteiligungen vorgenommen. Analysten erwarten dies auch bei France Télécom, die am Donnerstag ihre Bilanz veröffentlicht.

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