Niederländischer Telekomkonzern gibt neue Aktien heraus
KPN versucht Befreiungsschlag

Der neue KPN-Chef hat die Märkte überrascht: Ad Scheepbouwer hat vorzeitig seine Sanierungspläne für den niederländischen Telekomkonzern bekannt gegeben. Mit der Ausgabe neuer Aktien sollen die Schulden sinken. Banken unterstützen die Pläne. Die Börse reagierte mit einem Kursabschlag.

kba/slo DÜSSELDORF. Der niederländische Telekomkonzern KPN N.V. will seine Schulden bis Ende nächsten Jahres um mehr als ein Drittel auf etwa 14 Mrd. Euro senken. Dafür gibt das in Den Haag ansässige Unternehmen in etwa zwei Wochen neue Aktien aus. Sie sollen 5 Mrd. Euro einbringen. Das gab der Konzern gestern mit den Zahlen für das dritte Quartal bekannt.

Der neue KPN-Chef Ad Scheepbouwer hat damit seine Sanierungspläne früher bekannt gegeben als ursprünglich angekündigt. Zudem greift er jetzt zu radikaleren Mitteln. Analysten haben dies schon lange gefordert. "KPN steckt in einer argen Finanzklemme", sagt Morten Singleton, Analyst bei Williams de Broe in London, "der Konzern muss jetzt die Kurve kriegen, und ohne einschneidende Maßnahmen geht das nicht." Bert Siebrand von SNS Securities in Amsterdam hält die Ausgabe neuer Anteile für den besten Ausweg. "KPN kommt dadurch in eine bequemere Verhandlungsposition, da es nicht zum Kerngeschäft gehörende Unternehmensteile nicht um jeden Preis verkaufen muss."

Die Börse quittierte die Pläne mit einem deutlichen Kursabschlag. Der Aktienkurs sank im Tagesverlauf um bis zu 11 % auf 5,30 Euro, da eine Verwässerung der bisherigen Anteile befürchtet wird. Analysten halten dies jedoch für das kleinere Übel. KPN schiebt Schulden von 22,3 Mrd. Euro vor sich her. "Wenn jetzt nicht schnell etwas passiert, wird die Situation für KPN zusehends aussichtslos", sagt Singleton.

Forderungen von Analysten nach einem Verkauf der deutschen KPN-Tochter E-Plus hat Scheepbouwer abgelehnt. Er betonte gestern erneut: "E-Plus gehört zum Kerngeschäft. Wir wollen das Unternehmen behalten." Der Wert von E-Plus in den Büchern der Niederländer wird allerdings um etwa 9 bis 11 Mrd. Euro nach unten korrigiert. Die genaue Abschreibungssumme will KPN in einigen Wochen bekannt geben. Kürzlich hatte erst der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo den Wert seiner Beteiligung an der E-Plus-Mutter KPN Mobile abgeschrieben. KPN Mobile hält 77,5 % der E-Plus-Anteile, den Rest besitzt die US-Telekomgesellschaft Bell South. E-Plus ist mit 7,53 Millionen Kunden der drittgrößte deutsche Mobilfunknetzbetreiber.

Der niederländische Konzern hat sich mit dem Kauf von E-Plus vor knapp zwei Jahren sowie dem Erwerb teurer UMTS-Mobilfunklizenzen übernommen. Scheepbouwers Vorgänger, Paul Smits, hatte bereits im Juni die Ausgabe neuer Anteile erwogen. Die Nachricht hatte schnell die Runde gemacht und einen Kurssturz der KPN-Aktie ausgelöst. Smits gab diesen Plan wieder auf. "Das Timing für eine solche Neuemission ist jetzt eindeutig besser", sagt Analyst Siebrand, "zumal in diesem Fall vorher nichts durchgesickert ist und der Aktienkurs sich wieder erholt hat."

KPN hat eigenen Angaben zufolge mit einem Bankenkonsortium einen Emissionspreis der neuen Titel von mindestens 2,75 Euro vereinbart, rechnet aber mit einem Emissionspreis von 4,05 Euro. Die niederländische Regierung wird voraussichtlich knapp 35 % der neuen Aktien übernehmen. Das entspricht ihrer heutigen Beteiligung an KPN. Der Rest geht an das Bankenkonsortium, bestehend aus acht Instituten. Damit sei die Abnahme aller Aktien gesichert, hieß es. Mit der Ausgabe neuer Aktien haben in diesem Jahr bereits British Telecom und Sonera ihre Schulden gesenkt.

Wie KPN vorzeitig mitteilte, hat das Unternehmen im dritten Quartal einen Verlust von 231 Mill. Euro erwirtschaftet. Im Vorjahresquartal hatte KPN noch einen Reingewinn von 1,95 Mrd. Euro ausgewiesen, nachdem die japanische NTT Docomo einen 15 %-Anteil an KPN Mobile erworben hatte. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) ist gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 20 % auf 921 Mill. Euro gestiegen. Für das Gesamtjahr rechnet Scheepbouwer damit, dass der Umsatz um 12 % und das Ebitda um 5 % zunehmen werden.

Der KPN-Chef will dem Konzern zudem eine neue Struktur verpassen. Die Zahl der Geschäftssparten soll auf drei reduziert werden. Die Bereiche Internet, Medien-Dienstleitungen und Call-Center sollen in den anderen Segmenten aufgehen und nicht verkauft werden. KPN wird sich stärker auf die drei Märkte Niederlande, Belgien und Deutschland konzentrieren. "Die Expansion von KPN in den letzten Jahren war vielleicht zu ehrgeizig", sagte Scheepbouwer.

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