Niederlage gegen China
Hockey-Damen werden von China überrollt

Eine letzte Chance, dann war es vorbei: Deutschlands Hockey-Damen sind nach einem 2:3 gegen China ausgeschieden. Das klingt knapper, als es war. Gegen starke Chinesinnen waren die Deutschen letztlich machtlos. Am Freitag geht es gegen Argentinien um Bronze.

HB PEKING. Ein letztes Mal ertönte in diesem Spiel der rhythmische Gongschlag über die Stadionlautsprecher, der beim olympischen Hockeyturnier jede Strafecke begleitet. Eine letzte Chance für die deutschen Damen, dem Halbfinale gegen China noch einmal eine Wendung zu geben. Sie probierten es mit einer neuen Variante, Fanny Rinne zog nicht direkt ab, sondern wollte weiter legen auf Anke Kühn. Fünf Sekunden später schmissen die Chinesinnen jauchzend ihre Schläger in die Luft. Der Trick war kläglich gescheitert, und die Deutschen mit 2:3 ausgeschieden. Anstatt ihren Olympiasieg zu verteidigen, spielen sie am Freitag gegen Argentinien um Bronze.

Marion Rodewald, die Kapitänsfrau, trottete nach dem Abpfiff weinend über den Kunstrasen, auch viele Mitspielerinnen waren untröstlich. Dennoch überwog rasch die Erkenntnis, dass "die Chinesinnen für uns heute einfach nicht zu schlagen waren", wie Abwehrspielerin Tina Bachmann sagte. Weil die Deutschen nicht so gut spielten, weil sie "unter Druck nicht die richtigen Lösungen gefunden" hatten (Bundestrainer Michael Behrmann). Aber auch, weil die Chinesinnen eine Verve an den Tag legten, der bei diesem Turnier allenfalls Finalgegner und Topfavorit Holland zu widerstehen vermag.

Dass es gestern überhaupt ein enges, dramatisches Spiel wurde, lag an zwei frühen deutschen Toren zu Beginn jeder Halbzeit. Der Rest war wuseliges, kaum zu kontrollierendes Tempohockey der Gastgeberinnen. Nicht umsonst wurde deren Trainer Kim Chang Back, ein Koreaner, nach der Partie gefragt, wie er denn seinen Spitznamen "Hockey-Hiddink" finde - in Anlehnung an den holländischen Fußballtrainer, der Südkorea bei der WM 2002 mit einem ähnlichen Spielstil ins Halbfinale geführt hatte. Der Coach reagierte indigniert: "Niemand in China nennt mich Hiddink. Mein korrekter Name ist Kim Chang Back, und ich habe den Respekt von 1,3 Milliarden Chinesen."

So staatstragend äußert sich, wer für die Gastgeber die Mission Olympiagold zu erfüllen hat. Wie sehr jedweder Sportler Chinas momentan von dem Erfolgsrausch des heimischen Olympiateams infiziert wird, zeigten auch die Hockeyspielerinnen. "Die laufen ja wie die aufgezogenen Spielzeugmäuschen", bemerkte Deutschlands Coach Behrmann.

Dafür gibt es freilich noch einen zweiten Grund: Kim gilt als erbarmungsloser Schleifer. Gestern wurde er noch nach einem anderen Spitznamen gefragt, dem des "Trainerteufels". Den möge er, sagte Kim, beim Training werde er immer der Leibhaftige sein. Es waren Worte, die schaudern ließen - und der deutschen Niederlage die richtige Perspektive gaben: Dann doch lieber verlieren, als in der Hölle gewinnen.

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