Niederlage gegen Mailand
Bayern am Boden: Hoffen auf ein Wunder

Drei Spiele, zwei Niederlagen, ein Punkt: Der laut Karl-Heinz Rummenigge "beste Bayern-Kader aller Zeiten" ist für die Champions League offenbar nicht gut genug.

HB/dpa MÜNCHEN. Der erste Vorrunden-K.o. ist so gut wie besiegelt, Einnahme-Ausfälle in zweistelliger Millionenhöhe drohen. Trotzdem wollte beim FC Bayern München nach der 1:2 (0:0)-Pleite gegen den AC Mailand keiner vorzeitig kapitulieren. "Wir können uns noch für die Zwischenrunde qualifizieren, auch wenn die Leute jetzt sagen, der Hitzfeld spinnt", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. Auch Michael Ballack traut dem Weltpokalsieger drei Siege in der Rückrunde zu ("daran glauben wir"), doch der Nationalspieler richtete den Blick auch auf die drohende Strafversetzung in den UEFA - Pokal: "Wenn man Realist ist, muss man zusehen, dass man überhaupt einmal ein Spiel gewinnt, um auf den dritten Platz zu kommen."

Durchhalteparolen waren alles, was den schon fünf Punkte hinter dem Tabellenzweiten Deportivo La Coruna zurück liegenden Münchnern am Dienstagabend nach dem Doppelschlag von Milans Torgaranten Filippo Inzaghi (52./84.) blieb. "Ich bin bedient. Jetzt müsste schon ein Wunder geschehen", sagte Präsident Franz Beckenbauer, der sich in Sarkasmus flüchtete: "Die Champions League mag uns heuer nicht." Es droht ein früher K.o., wie ihn die Bayern im Europapokal der Meister, dem Vorläufer der Champions League, zuletzt vor 33 Jahren bei ihrer ersten Teilnahme in Runde eins gegen AS St. Etienne erlebt hatten.

"Man muss jetzt hoffen, dass der Liebe Gott wirklich ein Bayer ist", beschwor Giovane Elber höhere Instanzen, während Kapitän Oliver Kahn trotzig meinte: "Warum sollten wir nicht weiter kommen? Der größte Fehler wäre, nicht mehr daran zu glauben." Zumindest bis zur nächsten Partie beim Gruppen-Primus Milan (9 Punkte) glimmt ein Hoffnungsfunke. "In drei Wochen müssen wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen", erklärte Vorstands-Chef Rummenigge.

Zunächst müssen die Bayern jedoch den Ernst der Lage akzeptieren. Auch das vierte Saisonspiel gegen einen starken Gegner wurde nicht gewonnen. Die Leistung gegen Milans Star-Ensemble war zwar besser als zuletzt in Lens oder Leverkusen, aber die Fehler wiederholen sich. Wie bei der 2:3-Auftaktpleite gegen La Coruna schafften die Münchner nach einem Rückstand zwar den Ausgleich (Claudio Pizarro/54.). "Aber nach dem 1:1 hätten wir mehr Druck machen müssen. Es war kein Zeitpunkt, um nachzulassen", kritisierte Rummenigge.

Zudem fehlt die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor, was fatal ist, weil der Abwehr die Stabilität fehlt. Dies bestrafte Milan in Person von "Supermann" Inzaghi zwei Mal eiskalt. "Wir müssen uns um die Defensive schon Gedanken machen", bemerkte der bei beiden Gegentoren machtlose Kahn, den Elber als "arme Sau" bezeichnete. "Bei uns passieren immer kleine Aussetzer", gestand Innenverteidiger Robert Kovac selbstkritisch ein: "Die müssen wir abstellen."

Der Kroate befürchtet, dass das Champions-League-Desaster "auch Auswirkungen auf die Bundesliga haben könnte". Nach der Niederlage in Leverkusen wird das Heimspiel am Samstag gegen den VfL Bochum zu einem echten Schlüsselspiel. "Wir müssen aufpassen. Das kann sich wie ein roter Faden fortsetzen", warnte Ballack, der in München endlich Titel gewinnen will. Ottmar Hitzfeld ist gefordert wie selten zuvor, zumal sich Rummenigge und Beckenbauer besorgt über den mentalen und körperlichen Zustand der Mannschaft äußerten. "Es gibt Spieler, die bringen ihre Leistung, und es gibt Spieler, die unter ihren Möglichkeiten bleiben", kritisierte Rummenigge, während der "Kaiser" feststellte: "Unsere Mannschaft wirkt müde. Das ist alles zu wenig."

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