Niederlage gegen Real Madrid
Bitterer Abschied für Effenberg

Wurfgeschosse statt Titel-Träume - seinen Champions League-Abschied im Dress der Bayern hatte sich der Mitteldfeld-Regisseur anders vorgestellt.

dpa MADRID. Die Szene hatte Symbolcharakter. Der Kapitän am Boden, getroffen von einem Wurfgeschoss der feindseligen Zuschauer. Stefan Effenbergs letztes Champions-League-Spiel mit dem FC Bayern München war für den "Kopf" des Teams besonders bitter. Er wollte seine erfolgreichen Jahre beim deutschen Rekordmeister unbedingt noch mit einem Titel zum Abschied krönen. Jetzt sind die Träume des Mittelfeldstars geplatzt. Und ob er noch einmal in Europas Eliteliga auftreten wird, ist ungewiss.

Irgendwie schien er geahnt zu haben, was im "Hexenkessel" Bernabeu-Stadion passieren könnte. "Egal, was uns erwartet. Wir sind vorbereitet auf alles - vor dem Spiel, im Spiel und nach dem Spiel", hatte der 33-Jährige bereits einen Tag vor dem Viertelfinal-Schlager bei Real Madrid mit grimmiger Miene angekündigt. Die Rückkehr in die Stadt, in der er künftig arbeiten wollte, hat "Effe" kein Glück gebracht.

Und jetzt läuft ihm allmählich die Zeit davon. Zu Atletico Madrid wollte er wechseln, der Transfer scheiterte im Februar. Seither wird der Bayern-Kapitän, dessen Vertrag in München zum Saisonende ausläuft und nicht verlängert wird, mit diversen englischen Clubs in Verbindung gebracht, doch konkret ist immer noch nichts. Zuletzt gab es eine Absage vom FC Fulham.

Vor nicht einmal einem Jahr war Effenberg mit dem Gewinn des ersehnten Champions-League-Titels ganz oben auf dem Gipfel. Und nun, "Cheffe"? In Madrid hat er noch einmal alles gegeben. "Die Niederlage darf man nicht Stefan Effenberg in die Schuhe schieben", sagte Ex-Kollege Lothar Matthäus nach dem 0:2 und dem "Aus" der Bayern im emotionsgeladenen Rückspiel gegen Real.

In der "Ära Effenberg" hat der FC Bayern seit 1998 die Champions- League-Trophäe, drei deutsche Meistertitel, den Weltpokal, den DFB - Pokal und zwei Mal den DFB-Ligacup geholt. Er wurde gefeiert, aber auch beschimpft, stand immer im Focus von Lob und Kritik und musste oft als Sündenbock herhalten. In dieser Saison fehlte er lange verletzt. Trainer Ottmar Hitzfeld hielt trotz Pfiffen und Schelte stets an der Reizfigur Effenberg fest.

Vor einer Woche im Hinspiel gegen Real (2:1) entkam "Effe" im letzten Moment der Büßer-Rolle. Nach einem verschossenen Elfmeter kämpfte er weiter, schaffte den Ausgleich und damit die Basis für den Last-Minute-Sieg der Bayern. Wegen der Spiele gegen Real stellte er sogar die Jobsuche zurück, reiste nicht mehr zu Verhandlungen. "Das brächte zu viel Unruhe, und das kann der Verein nicht brauchen", so Effenberg.

Doch nun scheint es eng zu werden für den großen Blonden, der am 2. August 34 Jahre alt wird und sich seit längerem damit abfinden muss, dass der FC Bayern in Michael Ballack und Sebastian Deisler seine Nachfolger schon verpflichtet hat. Sein Coach und langjähriger Förderer Hitzfeld macht seinem Führungsspieler allerdings Mut für die Zukunft: "Ich glaube schon, dass er eine starke Mannschaft bekommen wird."

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