Niederlagenserie endete nach 139 Tagen gegen Ivanisevic
Kiefer: Die Schulterklopfer sind verschwunden

Es war die schwerste Zeit seiner Karriere. Aber wenigstens hatten die 139 Tage ohne einen einzigen Sieg auch ein Gutes für Nicolas Kiefer: "Ich weiß jetzt genau, wer meine Freunde sind", sagt der 24 Jahre alte Niedersachse, "die Schulterklopfer von früher sind verschwunden."

all DUBAI. Die engsten Vertrauten - "zwei Hand voll sind geblieben" - klingelten noch am späten Montagabend auf Kiefers Handy an, als dem früheren Weltranglistenvierten nach genau zehn Erstrundenpleiten in Folge in Dubai endlich wieder ein Erfolgserlebnis geglückt war - ein sicherer 6:3, 6:4-Sieg gegen den amtierenden Wimbledon-Champion Goran Ivanisevic. "Mir ist ein Stern vom Herzen gefallen", erklärte der restlos zufriedene Profi, dem der leichte Auftaktsieg "fast wie ein Turniertriumph" vorkam.

Eine so finstere Serie von Fehlschlägen hatte sich der erfahrene Spieler Kiefer früher "nicht einmal in meinen schlimmsten Träumen vorstellen können." Es ginge einem plötzlich wie einem Fußballteam im Abstiegskampf, so Kiefer, da ginge der Ball auch immer an den Pfosten und nie ins Tor. "Und so verkrampft man immer mehr, wird immer unsicherer und ängstlicher."

Als Jäger verloren gegangener Tennis-Schätze konnte Kiefer tun und lassen was er wollte - er sah einfach kein Licht am Ende des Tunnels. Mit jedem Erstrunden-Knockout verschlimmerte sich die Krise.

Selbst ein trotziger Ausflug auf die Bühne der kleinen Challenger-Turniere misslang ihm: Nach seiner Auftaktniederlage in Heilbronn gegen den Schweizer George Bastl erntete der 24-Jährige noch einmal eine zusätzliche Portion Spott und Häme.

Unterstützung fand Kiefer vielleicht gerade noch rechtzeitig beim im Sommer 2000 verstoßenen Trainer Bob Brett, der ihn, sein Spiel und seine komplexe Gefühlswelt wie kaum ein zweiter kennt. Brett arbeitet nun als Heimtrainer, wenn Kiefer in seine Pariser Akademie oder seinen anderen Stammsitz Monte Carlo kommt. Auf Reisen begleitet den Deutschen der 27-jährige Algerier Farid Bentaous, dessen Rat Kiefer schätzt, obwohl der junge Afrikaner keine Tourerfahrung hat und nie selbst Tennisprofi war. "Ich verspreche mir viel von ihm", sagt Kiefer, der auf ein ähnliches Erfolgsmodell wie Tommy Haas hofft, der mit Nick Bollettieri als Berater im Hintergrund und David Ayme als Frontmann im Tourzirkus über eine vergleichbare Teamaufstellung verfügt.

Das Wichtigste für Kiefer ist aber der Spaß am Spiel - und auch mal eine unkonventionelle Matchvorbereitung. In Dubai verzichtete er auf das übliche Warm up auf dem Trainingsplatz vor dem Duell mit Ivanisevic. Stattdessen spielte er eine Runde Golf - und überwand dann auf dem Center Court das Handicap der ewigen Niederlagen.

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