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Niederlande nach «Wunder von Braga» im Freudentaumel

Braga (dpa) - Ruud van Nistelrooy genoss den «fantastischen Tag», die heimische Presse feierte das «Wunder von Braga», doch Trainer Dick Advocaat musste in der Stunde des Triumphes zunächst einmal die harsche Kritik der Vorwoche verarbeiten.

Braga (dpa) - Ruud van Nistelrooy genoss den «fantastischen Tag», die heimische Presse feierte das «Wunder von Braga», doch Trainer Dick Advocaat musste in der Stunde des Triumphes zunächst einmal die harsche Kritik der Vorwoche verarbeiten.

«Das ging zu weit. Alle Regeln, mit denen ich aufgewachsen bin, sind gebrochen worden. Damit habe ich ein Problem», betonte der 56 Jahre alte Bondscoach «erleichtert und glücklich» nach dem 3:0-Erfolg über Lettland in Braga. Die Zeitung «De Volkskrant» beschrieb nach dem Viertelfinal-Einzug eindrucksvoll den Stimmungswandel in den Niederlanden: «Der geschmähte Trainer ist wieder der kleine General.»

Trotz der eigenen Galavorstellung gegen die chancenlosen Letten, die nach einem beachtlichen EM-Debüt am Donnerstag erhobenen Hauptes die Heimreise antraten, galt der Dank der Niederländer und der rund 20 000 «Oranje»-Fans vor allem den Tschechen. Als die Kunde von der 2:1-Schützenhilfe durch die tschechische «B-Elf» über Deutschland nach Braga durchgedrungen war, skandierten die holländischen Fans mit Häme: «Schade Deutschland, alles ist vorbei.» Eine Retourkutsche für den Spott der Deutschen, als sie nach der verpassten WM-Qualifikation 2002 den Evergreen «Ohne Holland fahr'n wir zur WM» ertragen mussten.

Phillip Cocu wollte die Rivalität jedoch nicht weiter schüren und vermied jede Schadenfreude. «Wichtig ist für uns, dass wir weiter sind, und nicht, dass Deutschland ausgeschieden ist», meinte der Mittelfeldspieler, der sich auf das Viertelfinale gegen Schweden in Faro freut und nun alles für möglich hält. «Wir haben jetzt die Chance, bis ins Endspiel zu kommen.»

Der zweifache Torschütze van Nistelrooy (27./Foulelfmeter, 35.) tanzte wie ein kleines Kind mit den Kollegen über den Rasen und genoss die Ovationen. «Es ist alles so gelaufen, wie wir uns das erhofft hatten. Ein fantastischer Tag. Aber wir haben uns den Erfolg auch verdient, weil wir hart gearbeitet und immer an uns geglaubt haben», sagte der 27-Jährige, der mit dem Engländer Wayne Rooney als bislang bester EM-Torschütze (vier Treffer) gleichzog.

Auch Roy Makaay, der bisher vergeblich auf einen EM-Einsatz gewartet hatte, durfte noch sein persönliches Erfolgserlebnis feiern. Der eingewechselte Stürmer von Bayern München stellte beim 3:0 (85.) seine Torjäger-Qualitäten unter Beweis. Seine große Erleichterung beschrieb Edwin van der Sar. «Die Lage war schwierig. Wir konnten nur unseren Job machen. Das haben wir getan. Alles andere lag nicht in unserer Hand», sagte der Torwart. Wie seine Teamkollegen ist er nach dem Kraftakt und Zitterspiel in der Vorrunde nun von mehr überzeugt: «Dieser Sieg schweißt uns zusammen. Wir haben einen guten Teamgeist.»

Auch Bondscoach Advocaat, dessen Entlassung nach dem möglichen Vorrunden-Aus unvermeidbar gewesen wäre, wähnt sein Team nun auf einem guten Weg. «Wichtiger als die Kritiker war für mich, dass die Mannschaft in der schwierigen Lage zusammen gehalten hat. Sie hat trotz des Drucks sehr diszipliniert gespielt. Wir werden uns jetzt genauso konzentriert auf das Spiel gegen Schweden vorbereiten.»

Obwohl die fünfte Qualifikation in Serie für ein EM-Viertelfinale am seidenen Faden hing, zweifelte beim Titelträger von 1988 niemand daran, dass sie verdient war. «Wir haben schon in den ersten beiden Spielen gegen Deutschland und Tschechien guten Fußball gezeigt», betonte van Nistelrooy, und Clarence Seedorf ergänzte: «Danke an die Tschechen. Ich wusste, dass sie die Deutschen auch mit der zweiten Garnitur schlagen können.» Und der erneut sehr starke Shooting Star Arjen Robben meinte: «Einmal haben die Deutschen kein Glück gehabt.»

Während «De Telegraaf» am Donnerstag vom «Wunder von Braga» schwärmte, bestätigte Johan Cruyff einmal mehr seinen zweifelhaften Ruf als Chefkritiker und schmälerte die Leistung der Elftal. «Die Letten können doch überhaupt nichts.» Das sahen nicht nur neutrale Beobachter, sondern auch Lettlands Trainer Aleksandrs Starkovs ganz anders. «Wir sind trotz des Ausscheidens mit unserer ersten EM- Teilnahme zufrieden. Wir haben unser Land würdig vertreten.»

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