Niederlande und Portugal selbstbewußt
Portugal will „Gastgeber-Fluch" besiegen

Vor dem großen Halbfinal-Showdown zwischen Portugal und den Niederlanden steigt die Spannung. Beide Mannschaften pochen auf ihr gestiegenes Selbstbewußtsein - mit einer gesunden Portion Respekt vor dem Gegner.

LISSABON. Ganz Portugal träumt vom Finale, aber eine "schwarze Serie" der EM-Gastgeber könnte für Weltmeister-Trainer Luis Felipe Scolari und seine Mannschaft zum Albtraum werden. "Ich hoffe, dass wir das tun können, was andere vor uns getan haben - den Gastgeber schlagen", sagte der niederländische Trainer Dick Advocaat vor dem Halbfinal-Knaller gegen Portugal am Mittwoch (20.45 Uhr) in Lissabon. Er dachte dabei an jenen Halbfinal-Fluch, dem seit Frankreichs Titelgewinn vor zwanzig Jahren alle folgenden Gastgeber zum Opfer fielen.

Doch die Portugiesen lassen sich von den Drohgebärden nicht einschüchtern. "Die voreiligen Vorhersagen der Holländer sind die richtige Motivation für uns", sagte Scolari am Dienstag im portugiesischen Trainingscamp in Alcochete und forderte das ganz Land auf, am Mittwoch Farbe zu bekennen: "Tragt alle rote und grüne Farben, damit wir Oranje schlagen können." Die Spieler sprühen vor Ehrgeiz und Kapitän Luis Figo bekannte: "Den Titel für mein Land zu holen, ist das Wichtigste in meiner Karriere. Deshalb schlagen wir Holland und kommen ins Finale."

Fast alle der elf Millionen Einwohner Portugals werden ihren Helden wie beim Elfmeter-Triumph gegen England im Viertelfinale wieder die Daumen drücken, und im Estádio José Alvalade müssen sich die Holländer auf einen eisigen Empfang gefasst machen. "Es wird ein ungewöhnliches Spiel für uns, denn bisher hatten wir hier bei der EM durch unsere vielen Fans nur Heimspiele", meinte Advocaat und erhielt von Portugals Spielmacher Deco Zustimmung. "Das wird die Hölle für Holland", sagte der gebürtige Brasilianer, der seit 1996 in Portugal ist: "So eine Begeisterung wie heute habe ich noch nie erlebt."

Nachdem mit dem Viertelfinalsieg über Schweden der Elfmeter-Fluch besiegt wurde, tritt der Europameister von 1988 mit breiter Brust und nach den Querelen zum Turnierbeginn endlich als Mannschaft an. "Wir sind jetzt ein starkes Team mit großem Selbstvertrauen", meinte Arjen Robben, "Portugal ist leichter Favorit, aber das ist gut für uns." Advocaat, der auf den verletzten Kapitän Frank de Boer verzichten muss, verspricht den bisher weitgehend vermissten niederländischen Angriffs-Wirbel und will sich auf dem Weg ins Finale weder vom wütenden Alt-Star Luis Figo noch Dribbel-Künstler Christiano Ronaldo und schon gar nicht von den portugiesischen Fans stoppen lassen. "Der Heimvorteil kann auch ins Gegenteil umschlagen", behauptete der Bondscoach.

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