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Niederlande: Welle von Gewalt nach Mord an Van Gogh

Nach der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh hält eine Welle der Gewalt die Niederlande in Atem. Bei einer Anti-Terroraktion schleuderten Verdächtige am Mittwoch eine Handgranate auf Polizisten in Den Haag und verletzten zwei Beamte schwer.

dpa DEN HAAG/BRÜSSEL. Nach der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh hält eine Welle der Gewalt die Niederlande in Atem. Bei einer Anti-Terroraktion schleuderten Verdächtige am Mittwoch eine Handgranate auf Polizisten in Den Haag und verletzten zwei Beamte schwer.

Einheiten in kugelsicheren Westen und Scharfschützen belagerten 14 Stunden lang bis zum Einbruch der Dämmerung ein Haus in der niederländischen Stadt und nahmen zwei Verdächtige fest.

In der Nacht zuvor hatten Unbekannte wieder Feuer in einer Koranschule, einer Moschee und einer Kirche gelegt. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende rief seine Landsleute nachdrücklich auf, sich nicht in einen Strudel der Gewalt ziehen zu lassen. Die EU-Kommission warnte davor, dass sich fremdenfeindliche Gewalttaten wie in den Niederlanden auch in anderen europäischen Ländern ereignen könnten.

Im Zentrum von Den Haag hatte die Polizei am Morgen in einem Ausländerviertel versucht, zwei Terrorverdächtige festzunehmen. Dabei wurden die Beamten verletzt. Ein Wohngebiet wurde abgeriegelt, Einwohner aus Wohnungen evakuiert, der Luftraum über Den Haag gesperrt. Weitere Angaben über den Hintergrund der Aktion machte die Polizei nicht. Nach 14-Stunden beendete sie ihre Aktion. Dabei wurde einer der Verdächtigen an der Schulter verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Wenige Stunden zuvor hatten Sicherheitskräfte im Raum Utrecht einen weiteren Verdächtigen festgenommen.

Nur wenige Stunden nach der Beisetzung Van Goghs war in der Nacht zum Mittwoch eine Koranschule in Uden bei Eindhoven bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Auf die Wände der Ruine schrieben die unerkannt entkommenen Täter "Theo, ruhe in Frieden". In Heerenveen im Norden der Niederlande wurde ein Brand in einer Moschee schnell gelöscht. So geschah es auch in einer Kirche in Boxmeer unweit der deutschen Grenze bei Goch. Bereits an den Vortagen hatte es Anschläge auf Moscheen, Koranschulen und Kirchen gegeben.

Balkenende betonte, auf die Übergriffe nach der Ermordung Van Goghs könne nicht nur mit größeren Sicherheitsdiensten reagiert werden. "Wir müssen junge Menschen vor Radikalisierung bewahren, und wir müssen mehr miteinander reden statt über einander", forderte er im Parlament. "Wer Gewalt anwendet, hat immer Unrecht", sagte er. In Brüssel warnte EU-Justizkommissar Antonio Vitorino vor ähnlicher Gewalt in anderen EU-Staaten: "Das geschieht in den Niederlanden, aber es betrifft die gesamte Union", sagte sein Sprecher.

Bei einer EU-Konferenz zur Integration sagte die niederländische Ministerin Rita Verdonk in Groningen davor, die friedliche Mehrheit der Bevölkerung islamischen Glaubens müsse unter den Taten terroristischer Extremisten leiden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Muslimgemeinschaft generell beschuldigt und ausgeschlossen wird und dass so eine Zweiteilung entsteht", sagte sie.

Die EU-Kommission will eine Äußerung des niederländischen Binnenmarktkommissars Frits Bolkestein am Sonntag im niederländischen Fernsehen prüfen. Darin soll der Liberale den marokkanischen König Mohammed VI aufgerufen haben, seine früheren Landsleute in den Niederlanden zur Ordnung zu rufen. Er solle deutlich machen, dass sein Land kein "Exporteur von Mördern" sein wolle.

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