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Niedersachsen will keinen zweiten Castor-Transport

dpa HANNOVER. Das Land Niedersachsen lehnt einen zweiten Castor-Transport mit Atommüll ins Zwischenlager Gorleben in diesem Jahr ab. Innenminister Heiner Bartling (SPD) ging am Montag in Hannover davon aus, dass der für Ende März oder Anfang April geplante Transport der einzige in diesem Jahr bleiben wird. Ein weiterer sei wegen der hohen Belastung der Polizei nicht verkraftbar, sagte er. Bartling mahnte zudem eine "Lastenteilung" bei den Kosten der Atommülltransporte an: "Das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, die auch vom Gesamtstaat geleistet werden muss."

Nach Ansicht des Innenministers ist der bevorstehende Transport von hochradioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben ein besonderer, da es der erste nach einer vierjährigen Pause sei. Er erwarte in der Region einen ähnlichen Widerstand wie vor vier Jahren. Vor einem weiteren Transport müssten erst die Erfahrungen des jetzigen Polizeieinsatzes ausgewertet werden.

Sollte beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ein weiterer Transportantrag noch für dieses Jahr gestellt werden, werde er im Genehmigungsverfahren auf die Probleme der Polizei aufmerksam machen, sagte Bartling. Allerdings habe er keine Handhabe, um einen Transport zu verhindern. Bartling ging davon aus, dass im nächsten Jahr zwei und vom Jahr 2005 an drei Atommülltransporte jährlich ins Zwischenlager Gorleben rollen werden.

Niedersachsen hat "Sonderlast" zu tragen

Niedersachsen hat laut Bartling durch die Transporte über einen Zeitraum von zehn Jahren eine "Sonderlast" zu tragen. Der Transport vor vier Jahren habe dem Land tatsächliche zusätzliche Kosten von 20 Mill. DM beschert. "Wir brauchen eine Verteilung der Lasten. Es kann nicht sein, dass ein Land allein auf der nuklearen Entsorgung sitzen bleiben soll." Vorstellbar sei zum Beispiel eine "Gorleben- Pauschale".

Das BfS betonte am Montag, bei dem bevorstehenden Transport bestehe nach Gorleben kein erhöhtes Strahlenrisiko. BfS-Präsident Wolfram König sagte in Salzgitter, die Auflagen stellten sicher, "dass Polizisten, Bahnarbeiter und Demonstranten keiner unerlaubten Strahlenbelastung ausgesetzt werden". Das BfS genehmige Transporte nur, wenn der Antragsteller die Einhaltung der strengen Grenzwerte nachweisen könne.

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