Niedrige Bewertung von Tabak-Aktien
Analysten empfehlen Zigaretten-Titel

Raucher in New York müssen für ihr Laster seit einigen Wochen noch tiefer in die Tasche greifen. Eine Schachtel Zigaretten kostet im Big Apple satte sieben Dollar. Dennoch empfehlen Analysten die Zigaretten-Papiere.

FRANKFURT/M. Raucher in New York müssen für ihr Laster seit einigen Wochen noch tiefer in die Tasche greifen. Eine Schachtel Zigaretten kostet im Big Apple satte sieben Dollar. Für den Rekordpreis sorgen Tabaksteuern, mit denen Bürgermeister Michael Bloomberg Löcher im Stadthaushalt stopfen möchte. "Höhere Tabaksteuern bedeuten für die Zigarettenkonzerne auch immer geringere Umsätze", erklärt Sven Madsen, Analyst bei der BHF-Bank. Eine Preiserhöhung von zehn Prozent löse einen Umsatzrückgang von rund drei Prozent aus. Grund: ausbleibende Käufer.

Dennoch empfiehlt der Konsumgüter-Analyst die Aktie des Branchenprimus Philip Morris, der seinen Namen noch in diesem Jahr in Altria Group ändern will, zum Kauf. "Der Titel ist zur Zeit sehr niedrig bewertet, wegen der Sorge vor Klagen. Nach dem Prozess gegen Reynolds in Kansas City, musste die Philip-Morris-Aktie einen extremen Kursrückgang verbuchen", sagt Madsen.

R.J. Reynolds, der zweitgrößte Zigarettenkonzern in den USA, wurde zu einer Schadenersatzzahlung von 15 Millionen US-Dollar an einen ehemaligen Raucher verklagt. Das war deutlich mehr, als die Klägerseite gefordert hatte. Die Sorge vor weiteren Individualklagen in den USA nahm darauf hin zu und die Aktienkurse der Tabakkonzerne brachen ein. Allein die Philip-Morris-Aktie verlor zwanzig Prozent.

Analysten sind trotzdem optimistisch, dass der Aufwärtstrend von Tabak-Aktien noch nicht beendet ist. "Die Klagen sind eigentlich der einzige Risikofaktor bei Tabak-Titeln", erklärt Emil Heppel, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Auch bei Heppel steht das Philip-Morris-Papier weiterhin auf der Kaufliste. Durch die Sorge wegen der Schadenersatzklagen seien Tabak-Titel sehr niedrig bewertet und die Ertragslage weiter stabil. Zudem erwartet Sven Madsen, dass Philip Morris weiterhin eine vierteljährliche Dividende von fünf Prozent zahlen werde.

Auch der Druck der Brüsseler EU-Kommission, die plant Zigarettenwerbung in Zeitschriften, Rundfunk und Internet zu verbieten, hält die Analysten nicht von ihren Kaufempfehlungen ab. "Werbeverbote sind zwar immer wieder ein Thema, aber sollte es tatsächlich dazu kommen, werden die Unternehmen Wege finden, diese zu umgehen. Zum Beispiel durch die Präsentation der Produkte in den Geschäften. Das ist ja im engeren Sinne keine Werbung", sagt Martin Schneider, der bei der DWS unter anderem den DVG Europa Konsum-Fonds managt.

Tabak-Aktien gelten als defensive Werte, die sich unabhängig von konjunkturellen Trends entwickeln. "Tabak-Titel sind ein sicherer Hort, da es sich um defensive Anlagen handelt, hatten viele Anleger ihr Geld in diesen Titeln geparkt", sagt Schneider. "Sollte es aber zu einem Konjunkturumschwung kommen, werden zyklische Werte besser abschneiden", erwartet US-Analyst Heppel.

Die USA und Europa sind für die Tabakindustrie keine Wachstumsmärkte mehr. Der Zigarettenkonsum nimmt seit Jahren ab. Wachstumsmärkte sind aber weiterhin die so genannten Emerging Markets, wie Asien und Osteuropa. "Zu einem Mengenwachstum kommt es in Europa und den USA sicher nicht mehr, aber Gewinne können durch Effizienzsteigerungen im Bereich der Produktion noch gesteigert werden", sagt DWS-Fondsmanager Schneider.

Er bevorzugt Tabak-Titel aus Europa, zum Beispiel die Papiere von Imperial Tobacco, Altadis und Swedish Match. "Da ist noch jede Menge Kursphantasie drin", meint Schneider von der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank DWS. Zudem seien europäische Aktien von Kursverlusten durch Klagen weniger stark betroffen. "Altadis-Titel konnten im vergangenen Jahr 17 Prozent zulegen, Swedish Match 38 Prozent und Imperial Tobacco sogar 45 Prozent."

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