Niedriger als in anderen Euro-Ländern
Inflation hat sich im März abgeschwächt

Die Inflation in Deutschland hat sich im März etwas abgeschwächt. Zentral für die weitere Entwicklung ist nach Einschätzung von Experten der Ölpreis und damit indirekt der Fortgang des Irak-Krieges.

Reuters BERLIN. Die Jahresteuerung sank nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag auf 1,2 von 1,3 Prozent im Februar. Wie die Daten der Bundesländer, auf Basis derer das Statistikamt die vorläufige Rate berechnet, zeigten, wären die Kosten für die Lebenshaltung ohne die Verteuerung des Öls wegen der Irak-Krise und die Steuererhöhungen zu Jahresanfang noch langsamer gestiegen. Von Februar auf März kletterten die Preise nur um 0,1 Prozent. Im Februar hatten sie vor allem wegen des Anstiegs der Ölpreise noch um 0,5 Prozent angezogen.

Der Preisanstieg in Deutschland fiel etwas niedriger als von Experten vor den Daten aus den Bundesländern erwartet. Die Preisentwicklung in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Baden-Württemberg und Sachsen reichte im Monatsvergleich von einem Rückgang um 0,1 Prozent bis zu einem Anstieg um 0,2 Prozent. Die Jahresinflation lag zwischen 0,8 Prozent in Sachsen und Hessen und 1,4 Prozent in Bayern.

Ölpreisentwicklung ist schwer abzuschätzen

Der Inflationsausblick gestaltet sich nach Einschätzung der Experten wegen der Unsicherheiten über den Irak-Krieg und damit den Ölpreis derzeit schwierig: "Alles hängt stark vom Ölpreis ab", sagte etwa Elisabeth Andreae von der Commerzbank. Rohöl hatte sich nach Ausbruch des Irak-Krieges wegen der am Markt vorherrschenden Erwartung eines kurzen Waffengangs zunächst mit rund 24 Dollar pro Fass (rund 159 Liter) auf ein Vier-Monatstief verbilligt. Nach Berichten über ein Stocken des US-Vormarsches stieg der Fass-Preis aber wieder um über elf Prozent.

Unter Herausrechnung des Ölpreiseffektes war die Inflation deutlich niedriger - so etwa in Nordrhein-Westfalen nur 0,8 anstatt 1,3 Prozent. In Nordrhein-Westfalen war Heizöl im März knapp neun Prozent teurer als im Februar und kostete gut 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Andreae sagte, die deutsche Kerninflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte etwa bei 0,9 Prozent liegen.

Experten: Kein Preisdruck in Deutschland

Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank sagte, abgesehen von der Entwicklung des Ölpreises sei "von einem sonstigen Preisdruck nichts zu sehen". Die Inflationsrate liege im Zielkorridor der Europäischen Zentralbank (EZB). Allenfalls ein Rohölpreis von dauerhaft über 30 Dollar könnte in den nächsten Monaten zu höheren Inflationsraten führen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Preise im Jahresvergleich waren die Steuererhöhungen zu Jahresanfang, die sich etwa in höheren Preisen für Zigaretten und Benzin bemerkbar machten. Preissenkungen bei saisonabhängigen Nahrungsmitteln wirkten dem jedoch entgegen. So verbilligte sich diese Warengruppe etwa in Baden-Württemberg zum Vorjahresmonat um 7,5 Prozent, in Sachsen um sechs Prozent.

Deutsche Inflation niedriger als in den anderen Euro-Ländern

Die Inflationsrate in Deutschland liegt derzeit deutlich unter den Raten in den meisten anderen Ländern der Euro-Zone. Der Chefvolkswirt EZB Otmar Issing hatte am Montag gesagt, die Inflation werde in der Euro-Zone im Jahresverlauf wegen der schwachen Konjunktur unter zwei Prozent sinken und dann noch länger im Einklang mit der von der EZB angestrebten Preisstabilität stehen. Der für die Geldpolitik der EZB maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland verharrte den amtlichen Angaben zufolge bei einer Jahresteuerungsrate von 1,3 Prozent. Gegenüber Februar stieg die Rate leicht um 0,2 Prozent an.

Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte, der HVPI gebe keinen Anlass zur Sorge. Die Inflation in der Euro-Zone werde im März stabil sein. Sollte der Ölpreis im April weiter fallen, werde die Inflation über den Rest des Jahres niedriger ausfallen. Im Februar lag die Inflationsrate in der Euro-Zone bei 2,4 Prozent.

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