Niedriges KGV ist keine Performance-Garantie
Aktien mit Abschlag

Auf dem deutschen Kurszettel finden sich Dutzende Werte, die unter ihrem Buchwert notieren. Doch Analysten warnen davor, blindlings zuzugreifen.

DÜSSELDORF. Weniger Ware für mehr Geld" oder "Euro gleich Teuro" - wenn in diesen Tagen die Rede auf das Thema Preise und Euroumstellung kommt, nehmen viele Bürger kein Blatt vor den Mund. Für sie steht fest: Wo man auch hinschaut - alles ist teurer geworden. Nach dem Start hat der Bargeld-Euro ein Imageproblem, und er verliert rapide an Wert.

Auch an der Börse macht er derzeit keine gute Figur. Bei der Commerzbank ist eine Einheit der neuen Währung nur 89 Cent wert, bei Celanese sind es 61 Cent und bei Mobilcom nur noch knapp ein Drittel. Doch anders als beispielsweise im Kaufhaus, an der Tankstelle oder im Supermarkt können Anleger von dieser Form der Geldentwertung profitieren. Denn die Rede ist von der Bewertung des Eigenkapitals.

Beispiel Commerzbank: Bezogen auf eine Aktie stehen die Eigenmittel des Instituts mit einem Buchwert von rund 22,50 Euro in der Bilanz. An der Börse wird ein Commerzbank-Anteil jedoch derzeit nur mit knapp 20 Euro gehandelt. Zwar laufen die Geschäfte aller deutschen Großbanken derzeit nicht besonders gut. Dazu gibt es im Falle der Commerzbank eine Reihe hausgemachter Probleme. Doch dass ein bilanzieller Verlust den Wert des Co-Bank-Eigenkapitals unter die 20-Euro-Marke drückt, glauben wohl nur die größten Pessimisten.

"Angesichts der vorhandenen Belastungsfaktoren in der Bankenbranche sind die Abschläge nicht verwunderlich", beobachtet Matthias Jörss, Anlagestratege bei Sal. Oppenheim. "Doch im historischen und internationalen Vergleich halten wir die Kurs-Buchwert-Verhältnisse (KBV) in vielen Fällen für zu niedrig. Wir sind deshalb zurzeit sehr positiv für den gesamten Sektor gestimmt."

Anleger auf der Suche nach Orientierung

Ohne Zweifel: Nach dem Ausverkauf der vergangenen Monate, der die Kurse kräftig purzeln ließ, sind Anleger und Analysten auf der Suche nach Orientierung. So kommt es, dass längst in Vergessenheit geratene Kennzahlen aus der Fundamentalanalyse wiederentdeckt werden - wie etwa das Kurs-Cash-Flow- oder eben das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Schließlich sind diese erfolgserprobt, und bei richtiger Handhabung lässt sich damit so manches Schnäppchen entdecken.

"Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass Investments unter Einbeziehung des KBV im Durchschnitt zu besseren Ergebnissen führen als ohne Berücksichtigung", sagt Peter Knacke, Wertpapierstratege bei der Commerzbank.

Allerdings, so schränkt Knacke ein, lässt sich aus einem niedrigen KBV keine Garantie für eine positive Kursentwicklung ableiten. "Es gibt aber einen Hinweis darauf, ob ein Titel unter- oder überbewertet ist."

Dabei muss der Bilanzleser aber auch berücksichtigen, dass der Finanzvorstand mit einer Reihe von Tricks und Kniffen stille Reserven bilden kann. Ergo: Bei manchen Unternehmen ist ein vermeintlich hohes KBV in Wirklichkeit viel niedriger. Zudem: Die unterschiedlichen Bilanzierungsregeln, nach denen selbst die deutschen Unternehmen etwa im Dax bilanzieren - etwa nach HGB und US-GAAP -, machen einen direkten Vergleich schwierig. Und nicht zuletzt verliert die Bilanz immer mehr an Aussagekraft. "Je mehr wir uns zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickeln, desto wichtiger werden immaterielle Vermögensgegenstände, die nun mal in der Bilanz nicht zu finden sind", erklärt Oppenheim-Stratege Jörss. "Bei einer SAP werden Sie sich auf den Buchwert kaum stützen können. Bei anderen Branchen wie Stahl und Chemie lohnt sich dagegen durchaus ein Blick auf diese Kennzahl." Denn sie liefert einen Hinweis auf die angenommene zukünftige Gewinnentwicklung.

Interessant ist das vor allem, wenn man, so wie Anlagestratege Jörss, diese ins Verhältnis zum aktuellen Trend des Ifo-Geschäftsklimaindex für die jeweilige Branche setzt. So lassen sich gegensätzliche Einschätzung bezüglich der Sektorentwicklung seitens der Börse und einzelner Frühindikatoren gezielt ausnutzen, indem der Anleger auf Titel setzt, bei denen ein sich abzeichnender Aufschwung noch nicht eingepreist ist.

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