Niedrigste November-Wert seit fünf Jahren
Konjunktur lässt Arbeitslosenzahl weiter sinken

Dank des anhaltenden Konjunkturaufschwungs in Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen im November saisonbereinigt weiter gesunken.

Reuters NÜRNBERG. Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Bernhard Jagoda, sagte am Dienstag in Nürnberg, zwar gebe es eine leichte Abschwächung des Wachstums. Die Konjunktur sei aber stark und robust genug, um den Arbeitsmarkt weiter zu beleben. Nach den vom ihm vorgelegten Zahlen waren im November saisonbereinigt mit 3,799 Mill. 15 000 Menschen weniger arbeitslos gemeldet gewesen als noch im Oktober. Das ist der niedrigste November-Wert seit fünf Jahren. Die auf unbereinigten Zahlen basierende Arbeitslosenquote lag im November unverändert bei 8,9 %. Nach diesen Daten stieg die Zahl der Arbeitslosen witterungsbedingt um rund 34 000.

Nach Angaben Jagodas waren im November in Westdeutschland nach den bereinigten Zahlen 2,432 (Vormonat 2,455) Mill. und in Ostdeutschland 1,366 (1,362) Mill. Menschen ohne Beschäftigung gewesen. Insgesamt wird deutlich, dass sich der Abbau der Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten verlangsamt hat. Im Oktober war die Zahl der Arbeitslosen gegenüber September noch um 27 000 gefallen, im September gegenüber August sogar um 36 000 Menschen. Die saisonbereinigten Zahlen klammern Sondereinflüsse wie beispielsweise Urlaubs- oder Jahreszeiten aus. Sie werden deshalb etwa an den Finanzmärkten als die aussagekräftigeren Werte angesehen. In der Öffentlichkeit finden aber die unbereinigten Zahlen und insbesondere die Arbeitslosenquote eine höhere Beachtung.

Ohne Berücksichtigung der Sondereinflüsse gab es nach Angaben der BA im November mit rund 3,645 Mill. rund 34 200 mehr Arbeitslose als noch im Oktober, aber 255 000 weniger als im November 1999. Das ist nach Angaben des Berliner Arbeitsministeriums der niedrigste Stand in einem November seit 1994. Jagoda sagte, der Anstieg gegenüber Oktober sei auf jahreszeitliche Einflüsse zurückzuführen. So gibt es üblicherweise im Herbst im Gaststättengewerbe oder in der Bauwirtschaft viele Entlassungen. Die auf den unbereinigten Zahlen beruhende Arbeitslosenquote stieg in Ostdeutschland 16,3 (16,1) Prozent und in Westdeutschland 7,2 (7,1) Prozent.

Jagoda sagte, der in Umfragen sichtbare Stimmungsabschwung in der deutschen Wirtschaft sei nur eine vorübergehende Delle. Die Kräfte des Marktes seien nach seinem Eindruck stark genug. Impulse für die Konjunktur erwarte er von der ab Januar geltenden Steuerreform und der von Wirtschaftsforschern prognostizierten Belebung der Binnennachfrage. Die Prognose der Bundesanstalt für die Arbeitslosenzahlen im laufenden Jahr werde sich "ähnlich punktgenau erfüllen wie im letzten Jahr", sagte Jagoda weiter. 1999 war die tatsächliche Zahl vom erwarteten Wert um ganze 9000 abgewichen, für das Jahr 2000 rechnet die Behörde mit 3,9 Mill. Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt. Mit Blick auf das nächste Jahr verwies der BA-Präsident lediglich auf den Ansatz im Haushaltsplan des Amtes. Dort wird von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 270 000 ausgegangen. "Aber es müsste eigentlich besser werden", fügte Jagoda hinzu.

Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) erklärte in Berlin, die aktuellen Zahlen zeigten, dass der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt anhalte. Er profitiere insbesondere von den steigenden Exporten. Die positive Entwicklung werde auch durch den gestiegenen Ölpreis nicht aufgehalten. "Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Jahr 2000 für den Arbeitsmarkt ein erfolgreiches war", sagte der Arbeitsminister.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP, Dirk Niebel, erklärte angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen, die rot-grüne Bundesregierung habe es nicht geschafft, den durch den demographischen Faktor bedingten Rückgang der Arbeitslosigkeit als Grundlage für eine dauerhafte Trendwende zu nutzen und bleibende Fortschritte zu erzielen. Nötig seien strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Der verkrustete Arbeitsmarkt müsse flexibilisiert und das Tarifvertragsrecht weiterentwickelt werden. Der geplante Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und die vorgesehene Ausweitung der Mitbestimmung seien das Gegenteil dessen, was notwendig sei.

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