Niedrigster Beschäftigungsstand seit der Wiedervereinigung
Baubranche: Befürchtungen übertroffen

Die Krise auf dem Bau hat sich nach Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie im Frühjahr unerwartet zugespitzt und zu einem "dramatischen Beschäftigungsabbau" geführt.

Reuters BERLIN. Erstmals seit der Wiedervereinigung gebe es in der Branche weniger als 900.000 Beschäftigte, teilte der Verband am Mittwoch in Berlin mit. Die bisherige Prognose über einen Abbau von rund 40.000 Stellen in diesem Jahr werde nach oben revidiert werden müssen. Die Zahl der Pleiten steige dramatisch an. Der Umsatz werde wie erwartet im Jahresdurchschnitt um etwa 2,5 Prozent zurückgehen.

Aufschwung nicht vor 2004

Nach den Worten von Verbands-Vizepräsident Thomas Bauer ist mit einem Aufschwung in der Branche nicht vor 2004 zu rechnen. Der Chef des Branchenführers Hochtief, Hans-Peter Keitel, sieht nach eigenen Worten dagegen die Talsohle am Bau in diesem Jahr erreicht und erwartet schon für 2003 eine leichte Besserung.

Bauer warnte angesichts anstehender Streiks vor einem Zusammenbruch des Tarifsystems. "Es droht dann Wild-West am Bau", sagte Bauer. Lohn-Dumping wäre nicht mehr zu verhindern. "Den Unternehmen geht es unglaublich schlecht", sagte Bauer. Man befinde sich im achten Rezessionsjahr in Folge. Die Geschwindigkeit des Rückgangs der Geschäfte habe die Branche überrascht.

25 Prozent mehr Pleiten als 2001

Im Gesamtjahr 2002 rechnet der Verband mit der Pleite von rund 6000 Unternehmen, etwa 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Firmengründungen werde deutlich darunter liegen. Einziger Lichtblick sei, dass der Kapazitätsabbau schneller gehe als der Rückgang der Aufträge. Daher sei im kommenden Jahr mit einer Entspannung der Lage zu rechnen.

Bauer kritisierte vor allem die Investitions-Zurückhaltung des Staates. Die Umsätze im öffentlichen Bau gingen weiter zurück, da Länder und Kommunen Projekte nach der jüngsten Steuerschätzung zurückstellten. Nach dem Einbruch der Einnahmen bei der Gewerbesteuer gebe es besonders bei den Kommunen eine große Unsicherheit, die durch eine Gemeindefinanzreform behoben werden müsse.

Abwärts gehe es weiter im Wohnungsbau, auch wenn dort die Talsohle bald erreicht werde, sagte Bauer. Beim Wirtschaftsbau gebe es eine Stabilisierung auf bestehendem Niveau.

Leichter Optimismus bei Hochtief

Seinen leichten Optimismus für den deutschen Bau begründete Hochtief-Chef Keitel in einem Reuters-Interview mit einer erkennbar zunehmenden Preisdisziplin. Infolge von Überkapazitäten nach dem durch die Wiedervereinigung ausgelösten Bauboom hatten sich die Bauunternehmen in Deutschland einen für viele bereits ruinösen Preiswettbewerb geliefert.

"Meine Prognose ist, dass das Jahr 2003 eher wieder etwas besser wird", sagte Keitel. Anders als bei den Preisen erwartet der Hochtief-Chef für die Bautätigkeit in Deutschland jedoch noch keine bedeutende Zunahme: "Ich gehe davon aus, dass sich das Bauvolumen in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht wesentlich ausweiten wird."

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