Niedrigster Stand seit 1958
US-Notenbank senkt Leitzinsen

Die US-Notenbank hat in ihrem Kampf gegen die andauernde Konjunkturflaute die Leitzinsen mit 1,0 % auf das Niveau der 50er Jahre gesenkt.

HB/dpa WASHINGTON. Der Offenmarktausschuss senkte den Satz für Tagesgeld am Mittwoch um 0,25 %punkte. Zahlreiche Analysten hatten allerdings mit einem drastischeren Zinsschnitt um 0,50 Punkte gerechnet. Dennoch war Geld seit 1958 in den USA nicht mehr so billig.

Die Börse reagierte zunächst uneinheitlich. Der Dow-Jones-Index büßte unmittelbar nach der Entscheidung die Gewinne des Morgens ein und stand zeitweise mit rund 25 Punkten im Minus bei 9084 Punkten. Einer der zwölf Notenbankgouverneure im Offenmarktausschuss hatte sich für einen Schnitt um 0,50 %punkte ausgesprochen, war von seinen Kollegen aber überstimmt worden.

Die Notenbank begründete die Zinssenkung mit den weiterhin fehlenden Anzeichen für einen anhaltenden Aufschwung. Im 1. Quartal hatte die US-Wirtschaft 1,9 % auf Jahresrate zugelegt. Die Produktivität wachse zwar weiter, die Ausgaben seien gestiegen und der Arbeitsmarkt stabilisiere sich, teilte die Notenbank (Fed) mit. "Nichtsdestotrotz sind Anzeichen für anhaltendes Wachstum aber noch nicht in Sicht", hieß es. "Der Ausschuss kam zu dem Schluss, dass eine etwas expansivere Geldmarktpolitik die genesende Wirtschaft weiter unterstützen würde."

Es war die 13. Zinssenkung der Fed seit Januar 2001. Die Leitzinsen wurden mit der jüngsten Senkung seitdem um 550 Basispunkte zurückgenommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Geldschraube nach massivem Druck der Märkte Anfang Juni um 0,50 Punkte auf 2,0 % gesenkt.

Der Optimismus über den bevorstehenden Aufschwung, den Fed-Chef Alan Greenspan seit der vorherigen Zinssenkung im vergangenen November an den Tag gelegt hatte, war bislang durch die Wirtschaftsdaten nicht untermauert worden. Das Bild war bislang äußerst gemischt. Allein in den vergangenen sechs Monaten wurden 324 000 Arbeitsplätze abgebaut.

Erst am Mittwoch zeigte die neueste Statistik, dass die Aufträge für langlebige Gebrauchsgüter im Mai unerwartet zurückgegangen waren. Der Häusermarkt legte dagegen zu. Auf Jahresbasis stiegen die Hauskäufe im Mai um 12,5 %. Die Sparte boomt dank der bereits niedrigen Zinsen seit Monaten. Durch Neufinanzierungen haben viele Amerikaner zudem Geld für andere Ausgaben locker gemacht und die Wirtschaft damit gestützt.

Viele Volkswirte sind optimistisch, dass das historisch niedrige Zinsniveau gekoppelt mit der jüngsten Steuersenkung in diesem Sommer den entscheidenden Impuls für den Aufschwung gibt. Ab August sollen Mill. Familien Schecks mit Steuerrückzahlungen erhalten, die auf den erhöhten Kinderfreibetrag zurückgehen.

Greenspan hatte bei der Zinsentscheidung auch die Deflationsrisiken im Auge, die die Notenbank bereits bei ihrer vorherigen Sitzung angesprochen hatte. Eine Entwicklung wie in Japan, dessen Wirtschaft seit zehn Jahren nicht aus dem Tief kommt, will Greenspan mit aggressiver Geldmarktpolitik verhindern.

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