Niedrigzinsen vergraulen Anleger
US-Geldmarktfonds verlieren Charme

Dreißig Jahre lang haben US-Geldmarktfonds kurzfristig orientierten Anlegern deutlich bessere Renditen beschert als Sparkonten. 45 Millionen Amerikaner haben insgesamt 2,2 Bill. Dollar in den für ihre Sicherheit und Bequemlichkeit bekannten Fonds geparkt. Auch bei institutionellen Investoren erfreuten sie sich großer Beliebtheit. Aber inzwischen sind die Zinsen in den USA und mit ihnen die Renditen der Geldmarktfonds über einen Zeitraum von zwei Jahren so tief gefallen, dass die Fonds einen großen Teil ihrer Attraktivität eingebüßt haben.

Bloomberg NEW YORK. "Wir erwarten, dass das verwaltete Kapital bei Geldmarktfonds in diesem Jahr erstmals seit 1983 zurückgehen wird", sagt Peter Crane, Chefredakteur bei dem Fondsbeobachter iMoneyNet Inc. in Massachusetts. "Wir befinden uns definitiv an einem Scheideweg", bekräftigt Bruce Bent, der Gründer des 1971 aufgelegten Reserve Fund, des ersten Geldmarktfonds überhaupt.

Von sechs Prozent vor zwei Jahren sanken die Renditen der Geldmarktfonds sukzessive bis auf zwei Prozent. Lange schien der Renditerückgang niemanden zu stören. Im Jahr 2001 pumpten Investoren nach Informationen des Investment Company Institute die Rekordsumme von 376 Mrd. Dollar in Geldmarktfonds. Damit überschritt das Gesamtvolumen erstmals den Wert von zwei Bill. Dollar - und das nur vier Jahre, nachdem es über eine Billion Dollar gestiegen war.

Angesichts fallender Zinsen hat sich in diesem Jahr jedoch das Blatt gewendet. Angaben von iMoneyNet zufolge liegt die durchschnittliche Rendite der Geldmarktfonds bei 1,25 %, auf steuerfreie Kommunalanleihen spezialisierte Fonds bringen gar nur 1,08 % ein. In den ersten acht Monaten des Jahres haben Anleger 95 Mrd. Dollar aus den Fonds abgezogen, zeigen Daten des ICI.

Einige Geldmarktfonds müssten ihren Anlegern theoretisch eine "negative Rendite" in Rechnung stellen, weil die Kosten des Fonds die erwirtschaftete Rendite übersteigen. Aber ein Fonds, der seine Anleger bei der Stange halten will, kann sich das nicht leisten. Einige Fonds haben bereits ihre Gebühren gesenkt, um eine Rendite von null Prozent oder im negativen Bereich zu vermeiden, berichtet Crane.

Und was würde passieren, wenn die US-Notenbank die Leitzinsen von derzeit 1,75 % weiter senkt? "Das würde die Geldmarktfonds hart treffen", erwartet Crane. In der Branche, die seiner Auffassung nach "geringe Margen" aufweist, wird es immer schwieriger für die Fondsmanager, ihre Fonds gewinnbringend zu verwalten. Von den ungefähr 180 Fondsgesellschaften, die Geldmarktfonds anbieten, verwalten rund die Hälfte lediglich eine Mrd. Dollar oder weniger in dieser Kategorie, berichtet er.

Mit der Zeit dürfte sich hier eine Konsolidierung zeigen: Weniger erfolgreiche Fondsgesellschaften werden sich vom Markt zurückziehen oder mit anderen fusionieren. "Die größeren Gesellschaften werden größer werden, und die kleineren den Markt verlassen", prognostiziert Debbie Cunningham, auf Geldmarktfonds spezialisierte Fondsmanagerin bei Federated Investors Inc. in Pittsburgh. Für den Privatanleger ist die Versuchung groß, sein Geld von den kaum verzinsten Geldmarktfonds wieder auf Bankkonten umzuschichten. Mehrere große Brokerhäuser haben begonnen, freie Kundengelder auf Tagesgeldkonten festzulegen anstatt wie bisher in Geldmarktfonds.

Quelle: Handelsblatt

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