„Niemals Kompromisse zu Lasten der Sicherheit“
Im Interview: Ariel Scharon

Herr Ministerpräsident: Keine Woche ohne Anschläge - doch wenn Israel auf diese Terroranschläge militärisch reagiert, werden auch auf der anderen Seite Kinder und Frauen zu Opfern. Wie gehen Sie damit um?

Jedes Opfer ist eine Tragödie. Aber diese Opfer waren nie ausgewählte Ziele. Und man muss begreifen, dass wir enorm viele Opfern beklagen. Wenn ich unsere Opfer in den letzten zwei Jahre im Verhältnis zur Bevölkerung sehe, dann ist das so, als hätte es in Deutschland circa 8 000 Terroropfer in weniger als zwei Jahren gegeben.

Ihre Antwort auf Anschläge sind militärische Reaktionen. Reicht das?

Ich glaube persönlich, dass die Antwort nicht nur militärisch sein kann - und wir haben Angebote gemacht: im Oslo-Abkommen, das gescheitert ist. Aber der Terror hörte nicht auf.

Glauben Sie, dass Sie jemals wieder mit Arafat an einem Tisch sitzen werden?

Mit Herrn Arafat werde ich nicht an einem Tisch sitzen, aber mit den Palästinensern. Ich habe jeden Horror und schreckliche Kriege persönlich gesehen. Deshalb kann ich sagen, dass ich die Wichtigkeit von Frieden begreife. Aber für mich bedeutet Frieden Sicherheit. Und obwohl ich bereit bin, schmerzliche Kompromisse einzugehen ...

Was wären für Sie schmerzliche Kompromisse?

... werde ich niemals Kompromisse im Hinblick auf die Sicherheit der israelischen Bürger eingehen. Wir verlassen uns niemals auf jemand anderen, wenn es um unser Leben geht.

Niemand auf der Welt verlangt das. Aber nochmal: Welche Kompromisse würden Sie eingehen?

Obwohl wir niemals einen Krieg verloren haben, sind wir bereit, einen Teil unseres Heimatlandes aufzugeben. Aber ich sehe drei Phasen, bevor wir zu Verhandlungen kommen. Die erste Phase ist die vollständige Beendigung des Terrors. Der zweite Schritt wird eine längere Phase sein, während der die Palästinenser und wir bestimmte Dinge tun müssen. Dann kommt die dritte Phase, in der wir die endgültigen Grenzen zwischen uns und den Palästinensern festlegen.

Können Sie das Versprechen geben, keine neuen Siedlungen zu bauen?

Diese Frage wird zum jetzigen Zeitpunkt zu früh diskutiert - sie kann erst in der Endphase der Verhandlungen diskutiert werden.

In Europa und in Deutschland führt die Kritik an Ihrer Politik nicht nur zu anti-israelischen, sondern auch zu anti-semitischen Reaktionen. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Antisemitismus wird es in Europa immer geben und hat es in Europa immer gegeben. Ich habe mich darüber gefreut zu hören, dass (Frankreichs) Präsident Chirac vor ein paar Tagen auf bitterste Weise die Welle des Anti-Semitismus angegriffen hat, ich würde dies gerne in Deutschland hören ...

Das würden Sie gerne in Deutschland hören? Ist es nicht genug in Deutschland?

Ich glaube, dass Deutschland in erster Linie ein Land ist, das gegenüber Israel freundschaftlich eingestellt ist. Ich habe engen Kontakt zu Außenminister Joschka Fischer, und ich kenne Kanzler Schröder, aber ich glaube, dass alle von uns mehr gegen den Anti-Semitismus unternehmen sollten.

Wäre es Ihnen lieber, die in Deutschland lebende Juden lebten in Israel?

Ja, aber ich würde das Gleiche über in Russland oder in Frankreich lebende Juden sagen. Ich glaube, dass das Zentrum und die Mehrheit der Juden im israelischen Staat leben sollten.

Quelle: Handelsblatt

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