Niemand wurde verletzt
Israelische Vergeltungsschläge gegen Palästinenser

Nach dem Selbstmordanschlag von Jerusalem hat Israel die Vertretung der Palästinenser im Osten der Heiligen Stadt, das Orienthaus, geschlossen. Das Orienthaus sei ein "Zentrum der Anstachelung zur Gewalt", sagte ein Regierungssprecher am frühen Freitagmorgen in Jerusalem.

afp JERUSALEM/RAMALLAH. Die israelische Luftwaffe zerstörte das Hauptquartier der palästinensischen Polizei in Ramallah. Verletzt wurde dabei niemand. In Erwartung israelischer Vergeltungsschläge hatten die palästinensischen Sicherheitskräfte die meisten ihrer Gebäude evakuiert. Bei dem Selbstmordanschlag eines radikalen Palästinensers am Donnerstagnachmittag waren mindestens 16 Menschen getötet und fast 90 verletzt worden. Das israelische Sicherheitskabinett beschloss daraufhin in der Nacht die Vergeltungsschläge.

Polizisten drangen in das Orienthaus ein, nahmen sieben Angestellte fest und durchsuchten die Akten. Das Haus ist der Sitz der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), zudem sind darin mehrere palästinensische Büros untergebracht. Auch das Büro der Palästinensischen Autonomiebehörde in Abu Dis, einem Vorort von Ostjerusalem, besetzte die israelische Armee. Dort hätten sich palästinensische Sicherheitskräfte aufgehalten, dies sei ihnen aber verboten, weil das Gebiet unter israelischer Sicherheitskontrolle stehe, sagte ein Militärsprecher.

Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Barak von der Arbeitspartei hatte im Frühjahr 2000 angekündigt, er wolle den Palästinensern die Kontrolle über Abu Dis überlassen. Er musste dies aber unter dem Druck des rechten Flügels seiner Regierung wieder zurückziehen. Die israelische Rechte fordert seit langem die Schließung des Orienthauses, da sie den arabischen Ostteil der Stadt seit der Annektierung 1980 als Teil der israelischen Hauptstadt betrachtet.

Polizeihauptquartier vollständig zerstört

Auf das Hauptquartier der Palästinenserpolizei feuerte ein F16-Kampfjäger drei Raketen ab. Das Gebäude wurde fast komplett zerstört. Es dient als Hauptquartier für die Palästinenserpolizei des ganzen Westjordanlandes. Es war das erste Mal seit Mitte Mai, dass Israel ein Kampfflugzeug und nicht Hubschrauber für den Angriff auf ein palästinensisches Gebäude nutzte. Damals hatte die Luftwaffe auf ein Selbstmordattentat mit neun Toten und 60 Verletzten mit einem Angriff im Westjordanland reagiert.

Vor der Stadt Dschenin fuhren Augenzeugenberichten zufolge Panzer auf; über Bethlehem kreisten Militärhubschrauber. Am Grenzübergang Karni im Gazastreifen zerstörten israelische Panzer nach palästinensischen Angaben einen Posten der Palästinenserpolizei.

Nach dem Selbstmordanschlag waren der israelische Regierungschef Ariel Scharon, Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser sowie Außenminister Schimon Peres zusammengekommen und hatten die Vergeltungsschläge gegen die Palästinenser am Abend gebilligt. Nach Angaben des israelischen Rundfunks war Peres gegen eine großangelegte Militäroffensive gegen die Palästinenser.

Unter den Todesopfern des Selbstmordanschlags sind nach Angaben des israelischen Fernsehens sechs Kinder. Auch zwei Touristen, ein Brasilianer und eine Amerikanerin, starben bei der verheerenden Explosion in einer Pizzeria in der Innenstadt Jerusalems. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Palästinenserorganisation Hamas.

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