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Nieren- und Leberversagen: Arafat liegt im Sterben

Mit der Ernennung von Parlamentspräsident Rauhi Fattu haben die Palästinenser am Mittwoch die vorläufige Nachfolge für ihren todkranken Präsidenten Jassir Arafat geregelt. Gleichzeitig bereiteten sie Arafats Begräbnis in seinem Hauptquartier in Ramallah vor.

dpa RAMALLAH/PARIS. Mit der Ernennung von Parlamentspräsident Rauhi Fattu haben die Palästinenser am Mittwoch die vorläufige Nachfolge für ihren todkranken Präsidenten Jassir Arafat geregelt. Gleichzeitig bereiteten sie Arafats Begräbnis in seinem Hauptquartier in Ramallah vor.

Außenminister Nabil Schaath erklärte erstmals offiziell, dass Arafat im Sterben liege. Niere und Leber des 75-Jährigen arbeiteten nicht mehr, sagte Schaath dem Nachrichtensender CNN. Gleichzeitig bereiteten die Palästinenser Arafats Begräbnis in seinem Hauptquartier in Ramallah vor.

Eine Prognose sei schwer möglich, sagte Schaath weiter. Das Abschalten der lebenserhaltenden Geräte komme nicht in Frage. "Er wird sterben, wenn Gott es entscheidet." Arafat liege nun "seit einer Woche im Koma". Nach einer Darmentzündung habe er 26 Tage lang nicht gegessen. Die Schädigung des Blutkreislaufs habe die intravenöse Ernährung beeinträchtigt und zu einer Gehirnblutung geführt.

Der ranghöchste palästinensische Rechtsgelehrte, Taisir Tamimi, erklärte, der Islam verbiete ein Abstellen der lebenserhaltenden Geräte. "Ich habe Gott gebeten, sein Leiden zu lindern", sagte der Oberste Richter des islamischen Gerichts nach einem Besuch an Arafats Sterbebett im Militärkrankenhaus Percy bei Paris.

Hana Amireh vom PLO-Exekutivkomitee sagte, Fattu habe gemäß des Grundgesetzes Arafats Amtsgeschäfte übernommen, weil der Präsident sie nicht mehr ausüben könne. Innerhalb der gesetzlichen Frist von 60 Tagen werde es Neuwahlen geben. Es sei allerdings während dieses Zeitraums eine Änderung des Grundgesetzes und eine Ernennung des PLO-Vorsitzenden Mahmud Abbas zum Nachfolger Arafats möglich, sagte Amireh nach einer Krisensitzung in Ramallah.

In Arafats Hauptquartier in Ramallah räumten Planierraupen zur Vorbereitung des Begräbnisses Trümmer und Barrikaden beiseite. Augenzeugen berichteten, in der "Mukata" seien Baggerfahrzeuge und Lastwagen vorgefahren, um Schutt und Autowracks zu entfernen. Das israelische Kabinett hatte zuvor Arafats Begräbnis in dessen Hauptquartier zugestimmt.

Vor der Beisetzung soll es eine offizielle Trauerfeier in Ägypten geben. Das bestätigte ein Sprecher des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Von Kairo aus werde der Leichnam dann nach Ramallah gebracht. Wie am Abend in Kairo verlautete, werden am Donnerstag mehrere palästinensische Spitzenpolitiker in Kairo erwartet. Medienberichten zufolge soll Arafats Frau Suha den Leichnam im Hubschrauber von Kairo nach Ramallah begleiten.

Die israelische Führung sieht nach einem Tod Arafats die Chance für einen Neubeginn in den Beziehungen mit den Palästinensern. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, in Nahost könne nun eine "neue Ära" anbrechen. Alles hänge jedoch von einem entschiedenen Kampf der Palästinenser gegen den Terror ab. Staatspräsident Mosche Katzav sah in einem Tod Arafats "das Ende einer stürmischen und besonders schweren Periode in den Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern".

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