Niersbach beschwichtigt
Kaiser-Drohung entrüstet die Pfalz

Mit der Drohung, Kaiserslautern aus Sicherheitsgründen möglicherweise nicht als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu berücksichtigen, hat OK-Chef Franz Beckenbauer in der Pfalz für große Entrüstung gesorgt. "Damit hat er am Tor vorbei geschossen. Vermutlich hat er sich im Eifer des Gefechts versehentlich das Bayerntrikot übergestreift", kritisierte der rheinland-pfälzische Innen- und Sportminister Walter Zuber am Freitag die Beckenbauer-Äußerungen in einem Zeitungsinterview.

dpa KAISERSLAUTERN/MAINZ. Der Präsident des WM-Organisationskomitees, der auch Präsident von Bayern München ist, hatte die Androhung möglicher Konsequenzen in der "Bild"-Zeitung mit den Vorfällen beim jüngsten Bundesliga-Gastspiel des FC Bayern auf dem Betzenberg begründet. Ordner und Polizei hätten laut Beckenbauer die Münchner Spieler nicht ausreichend geschützt "und nur zugeschaut", als der Bayern-Bus attackiert wurde. Unter anderen war Münchens Spieler Thorsten Fink mit Bier überschüttet worden.

Zuber monierte, dass Beckenbauer seiner Verantwortung und Neutralitätspflicht als Organisationschef für das Großereignis "nicht so gerecht wird, wie alle Beteiligten dies eigentlich erwarten dürfen". Die Menschen in Rheinland-Pfalz und der FCK erwarten, dass "seriös mit der Betzenberg-Bewerbung umgegangen wird". Er habe da Zweifel, sagte Zuber, der auf die Bewerbungsunterlagen verwies: "Wenn Beckenbauer die richtig gelesen hätte, dann müsste er wissen, dass sich nach dem anstehenden Ausbau Zuschauer und Spieler nirgendwo direkt begegnen werden." Zuber: "Die Ereignisse vom vorigen Samstag, die aus einer aufgeputschten Situation erwachsen sind und bei stark rivalisierenden Vereinen leider immer wieder vorkommen, sollten nicht unnötig hochgespielt oder gar instrumentalisiert werden."

Beschwichtigend griff OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach in die Debatte ein. "Beckenbauers Aussage war keine Drohung, sondern ein flammender Appell. Denn das Thema Sicherheit kann nicht stark genug beachtet werden. Man stelle sich einmal vor, bei einem WM-Spiel Frankreich - Italien kämen die Busse mit rivalisierenden Fans in Kontakt", sagte Niersbach. Er betonte, die Lauterer Bewerbung werde weiter mit der gleichen Fairness und Objektivität behandelt wie die der anderen 15 Bewerber. Am 15. April werden in der Frankfurter Alten Oper die zwölf WM-Städte bekannt gegeben.

Auch FCK-Vorstandschef Jürgen Friedrich, der am Freitag mit Beckenbauer telefonierte, versuchte, die Wogen zu glätten. "Wir fassen diese Äußerungen keineswegs als Drohung auf, sondern als eine Bestätigung unserer Vorhaben. Kaiserslautern wird als WM- Austragungsort sämtliche vorgegebenen Bedingungen erfüllen und insbesondere alle Voraussetzungen für die Sicherheit von Mannschaften und Zuschauern schaffen", meinte er. Allerdings machte Friedrich auch deutlich, dass die WM-Tauglichkeit Kaiserslauterns wegen eines einzelnen Vorfalls nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden kann. "Solche Problemzonen existieren auch in anderen Stadien."

Friedrich wie Zuber verwiesen auch auf den erfolgreichen WM- Testlauf bei dem unter besonderen Sicherheitsaspekten "reibungslos und ohne jegliche Vorkommnisse abgewickelten" Länderspiel gegen Israel. "Für diese organisatorische Leistung haben wir von vielen Seiten große Komplimente erhalten, unter anderem in schriftlicher Form von OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt", sagte Friedrich.

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