Nike sticht Reebok und Adidas aus
Eine gigantische Pokerpartie

Sie hatten ihren Spaß. Normalerweise sprechen Magic Johnson und Charles Barkley über Dreier und Dunks. Nun ging es um Dollar. Aus Ohio war ein Kid namens LeBron James zugeschaltet. Ihm soll die Basketball-Zukunft gehören.

Johnson und Barkley stehen für die glorreiche Vergangenheit. Die legendären Korbjäger haben etliche Kilo zugelegt und spielen daher beim US-Kabelkanal "TNT" als Basketball-Analytiker mit. Die Halbzeitshow ist Kult. "Was trägst Du denn im Moment an den Füßen?", fragte Spaßmacher Barkley das Riesentalent. James lachte. Daraufhin wollte Magic Johnson wissen, warum das Highschool-Phänomen "nicht bei Adidas unterschrieben hat". Die Antwort lieferte Sir Charles: "Er will berühmt werden, Baby. Und nur Nike kann einen berühmt machen." Spätestens in diesem Moment dürften in der Vorstandsetage des Weltkonzerns aus der Kleinstadt Beaverton (US-Bundesstaat Oregon) die Champagnerkorken geknallt haben.

Kostenlose Werbeminuten zur besten Sendezeit. Dazu ein Star-Angestellter, der sich trotz seiner 18 Jahre bestens verkaufte, nicht nur wegen des roten Stirnbands mit dem Swoosh-Logo des Konzerns. "Ich freue mich auf die kommende Saison", meinte LeBron James, "mit dem Druck werde ich bestimmt fertig." Wenn er sich da nicht täuscht. Das "Basketball-Wunderkind" (Los Angeles Times) trägt den unglaublichen Ausrüstervertrag auch als Bürde. Obwohl der Schüler noch nicht einmal in der NBA (National Basketball Association) auf den Korb geworfen hat, angelte sich Nike den bereits als neuen Michael Jordan gefeierten Youngster für 90 Millionen Dollar. Dafür darf der Marktführer unter den Sportschuh- Giganten, der im vergangenen Jahr zehn Milliarden Dollar Umsatz machte, den Teenager für die nächsten sieben Jahre vor den eigenen Werbekarren spannen. Eine LeBron Schuh- und Kleiderserie ist geplant. Damit ist der Schüler - was das Geld betrifft - sogar Tiger Woods auf den Fersen. Der Golf-Gott bekommt von Nike für einen Fünf-Jahres-Vertrag geschätzte 100 Millionen Dollar.

An der Preistreiberei in Sachen LeBron James sollen sich bis zum Schluss auch Adidas und Reebok beteiligt haben. Nachdem der deutsche Sportartikel-Hersteller als erster das Handtuch geworfen hatte, spielte Nike den entscheidenden Trumpf aus. Die Manager luden LeBron James, Mutter Gloria und seinen Agenten Aaron Goodwin über ein Wochenende ins Hauptquartier ein, um das angebliche 75 Millionen Dollar-Angebot von Reebok zu überbieten. Der Coup gelang. Wenn auch zu einem Rekordpreis. "Nike hat die richtigen Produkte und passt am besten zu mir", erklärte der Jungstar, "die Firma will mich während meiner ganzen Karriere unterstützen. Auf dem Basketball- Court und außerhalb." Schöne Worte nach einer erhitzten Pokerpartie.

"Dies war ein echter Preiskrieg", erklärt Sportmarketing-Experte Bob Williams, "und Nike hat ihn gewonnen. Ein Marktführer kann schließlich nicht zulassen, dass ein Spieler mit dem Potenzial eines LeBron bei einem Konkurrenten unterschreibt." Zugleich ist es ein riskantes Unterfangen, denn der Youngster glänzte bislang nur in der Schulmannschaft. Vergangene Saison kam der 18-Jährige im Durchschnitt auf 30 Punkte, 10 Rebounds und 5 Vorlagen für die St. Vincent-St. Mary Highschool von Akron, 30 Autominuten von Cleveland entfernt.

Dort steigt täglich steigt das Basketball-Fieber. Denn die Cleveland Cavaliers erwarben bei einer Auslosung unter den schlechtesten Teams der NBA das Recht, bei der so genannten Draft am 26. Juni den ersten Spieler auszuwählen. Ein Hauptgewinn, denn nun kann sich das Verliererteam (17 Siege, 65 Niederlagen in der abgelaufenen Saison) mit dem umworbenen "Local Hero" schmücken. "Es ist ein großer Sprung von der Highschool in die NBA", sagt jedoch Cavaliers- Eigentümer Gordon Gund. "Ich mache mir Sorgen, dass die Erwartungen an ihn zu hoch geschraubt sind."

Auf diese Warnung, werden die Fans wohl nicht hören. Schließlich ist James ab sofort das "90 Millionen Dollar Kid". Neid und Missgunst der NBA-Stars dürften dem Newcomer das Leben zudem schwer machen. Schließlich kassiert ein Allen Iverson (Philadelphia 76ers) für einen Vertrag auf Lebenszeit von Reebok "nur" 100 Millionen Dollar. "Die langen Reisen, dazu 82 Spiele, das ist verdammt hart", weiß der 2,03 Meter große LeBron James, der auf Grund seiner trickreichen Spielweise bereits mit Magic Johnson verglichen wird.

Womit wir wieder bei den TV-Kommentatoren wären. "LeBron, du hast doch höchstens 100 Millionen Dollar", scherzte Charles Barkley, "das ist noch ein weiter Weg, um ein zweiter Magic zu sein."

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