Archiv
Nikes Luftfahrt

Nike Inc., der größte Sportartikelhersteller der Welt, macht viel Werbung, aber ungern Schlagzeilen. Der in Beaverton, einem Nachbarort von Portland, beheimatete Konzern gibt sich nach dem Motto unsere Produkte sprechen für sich chronisch verschlossen.

Nike Inc., der größte Sportartikelhersteller der Welt, macht viel Werbung,
aber ungern Schlagzeilen. Der in Beaverton, einem Nachbarort von Portland,
beheimatete Konzern gibt sich nach dem Motto unsere Produkte sprechen für
sich chronisch verschlossen. Typisch deshalb der Kommentar von
Firmensprechern, als eine Gulfstream V aus der konzerneigenen Luftflotte in
Nöte geriet: Es sind keine Top-Manager oder Sportstars an Bord. Nach
mehreren Stunden, in denen das Drama mit gutem Ausgang live im Fernsehen
übertragen wurde, stellte sich heraus, dass sowohl Nike-Chef William Perez
als auch zwei weitere Top-Manager, Charlie Denson und Mary Kate Buckley, an
Bord waren. Der Privatjet war früh am morgen vom Flughafen Hillsboro mit
Kurs auf Toronto gestartet. Ein Warnlicht zeigte den Piloten an, dass das
rechte Fahrwerk klemmte. Versuche, durch Aus- und Einfahren den Fehler zu
beheben, waren erfolglos. Chefpilot David Newton kehrte um. Im Tiefflug
raste er mehrfach am Tower vorbei, um dem Bodenpersonal die Besichtigung des
Problems zu ermöglichen. Sie informierten ihn, dass sich das rechte Fahrwerk
mit Klappe verkeilt hatte, es bewegte sich weder vor noch zurück. Die
Flughäfen von Hillsboro und Portland bereiteten sich auf eine Notlandung
vor, Experten von Gulfstream studierten die Filmaufnahmen von den Fly-bys am
Tower und die lokalen Fernsehsender schalteten auf Liveübertragung. Newton
wusste, er hatte Treibstoff für sechs Stunden an Bord, Eile war nicht
geboten. Um eine Crash-Landung zu vermeiden, zog er alle Register seines
Könnens. Er probierte mehrfach einen Touch-and-go-Anflug, in der Hoffnung,
das Fahrwerk los zu rütteln. Nichts. Er wackelte die Flügel, stieg steil auf
und ließ den Jet ebenso steil fallen. Die Passagiere erlebten Momente der
Schwerelosigkeit, aber das Fahrverkehr blieb verklemmt. Schließlich stellte
er ein Triebwerk ab, was den Druck in der Fahrwerkshydraulik änderte. Das
Kunststück gelang. Mit beiden Fahrwerken voll ausgefahren landete der Jet
kurz nach Mittag wieder in Hillsboro. Alle Beteiligten waren cool. Perez:
Wir haben uns zu keiner Zeit Sorgen gemacht. Er und seine Kollegen hatten
Telefonate geführt und E-Mails beantwortet, Newton hatte sie laufend über
die Lage informiert und die Losing ausgegeben: Panik löst das Problem nicht.
Hätte Nike die Öffentlichkeit besser informieren können? Sicher. Weil das
Drama kurz vor Börsenschluss in New York spielte, fürchteten die Insider
offenbar nicht nur um ihren Chef, sondern auch um den Aktienkurs.


Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%