Nikkei-Index stürzte weiter ab
Yen-Schwäche hilft Euro über Marke von 0,95 Dollar

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Donnerstag kräftig von der anhaltenden Schwäche des japanischen Yen profitiert und ist dadurch wieder auf Kurse über 0,95 $ gestiegen. Händlern zufolge fiel der Yen vor dem Hintergrund seit Tagen anhaltender Verluste an der Tokioter Aktienbörse zum Dollar zeitweise auf 117,35 Yen und damit das niedrigste Niveau seit Juli 1999. Zum Euro verlor die japanische Währung ebenfalls deutlich an Wert und stieg auf den höchsten Stand seit Februar 2000 über 111,80 Yen. Unterstützt worden sei der Euro zudem von den deutschen Wachstumszahlen für das vergangene Jahr, hieß es. Kaum spürbare Auswirkungen auf den Markt habe dagegen die Entscheidung Bank von England gehabt, den Leitzins mit 6,0 % unverändert zu lassen.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9512 nach 0,9411 $ am Mittwoch festgestellt. Ein Dollar verbilligte sich damit auf 2,0562 (2,0782) DM. Zum Yen wurde der Euro mit 111,44 (109,86) Yen ermittelt. Die US-Währung zum Yen den zweiten Tag in Folge auf ihr höchstes Niveau seit 17 Monaten und lag gegen 13.15 Uhr MEZ mit 117,25/35 nahe des Hochs. In New York war der Dollar am Vorabend noch mit 116,47/55 Yen aus dem Handel gegangen.

Nikkei-Index auf Zwei-Jahres-Tief

Händler sagten, vor allem die Schwäche des Yen habe zur Erholung des Euro beigetragen. "Wir haben nichts Gutes aus Japan gehört und es fällt schwer, eine Erholung des Yen zu sehen," sagte Jeremy Hawkins, Wirtschaftsexperte bei der Bank of America in London. "Weiterer Abwärtsdruck am (japanischen) Aktienmarkt erhöht die finanziellen Risiken für japanische Banken und Versicherungen," sagte Neil Mackinnon, Währungsstratege bei Merrill Lynch in London. Die Tokioter Aktienbörse hatte am Donnerstag auf dem tiefsten Niveau seit 27 Monaten geschlossen. Der Nikkei-Index verlor 231 Punkte oder 1,7 % auf 13 201 Zähler und schloss damit auf dem niedrigsten Niveau seit Oktober 1998.

Die japanische Währung habe zudem unter Gerüchten gelitten, wonach die Banken des Landes durch die revidierte Fassung des Baseler Abkommens über die Kapitalanforderungen an Kreditinstitute unter Druck geraten könnten, hieß es im Handel. Ein Entwurf des Abkommens, das bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel erarbeitet wird, soll am nächsten Dienstag vorgelegt werden. Den Gerüchten zufolge könnten japanische Banken sich dadurch gezwungen sehen, ihr Kapital zu erhöhen oder die Aktiva zu reduzieren. "Der Fall des Yen hat teilweise mit den Verlusten des Nikkei zu tun, aber es gibt außerdem Spekulationen, dass eine Änderung des BIZ-Abkommens weiteren Druck auf japanische Banken ausüben könnte," sagte Sonja Hellemann, Währungsstrategin bei Dresdner Kleinwort Benson in London.

Von den deutschen Wachstumszahlen für 2000 zeigten sich Analysten nicht überrascht, wenn diese auch um 0,1 % höher als im Durchschnitt erwartet ausgefallen war. Für das erste Halbjahr 2001 erwarten die Analysten überwiegend ein stärkeres Wachstum als in der zweiten Hälfte 2000. Händler sagten die Aussichten auf ein weiterhin robustes Wachstum in der Euro-Zone und der somit deutlich gesunkene Wachstumsvorsprung der USA hätten den Euro zusätzlich unterstützt.

Euro steht weiter in einem positiven Bild

Das Statistische Bundesamt und das Bundesfinanzministerium hatten am Morgen mitgeteilt, die deutsche Wirtschaft sei im vergangenen Jahr mit einer Rate von 3,1 % fast doppelt so stark wie im Vorjahr mit 1,6 % gewachsen. Wichtige Wachstumsimpulse seien dabei vom Außenhandel ausgegangen.

Der Chefvolkswirt der OECD erklärte unterdessen in Paris, das Institut erwarte ein stetiges Wachstum er EU-Wirtschaft im kommenden Jahr von maximal drei Prozent. Das Wachstum in den USA werde sich dagegen auf eine Rate zwischen 2,0 und 3,0 % abschwächen.

"Das Bild für den Euro ist weiter positiv, wobei es sicherlich der Fall ist, dass die Wirtschaft der Euro-Zone die der USA übertrifft. Wir erwarten eine Fortsetzung dieses Trends im Jahresverlauf," sagte Hawkins.

Der Goldpreis fiel am Donnerstag in London zurück. Beim Londoner Vormittagsfixing wurde für die Feinunze ein Preis von 264,80 nach 266,30 $ am Mittwochnachmittag ermittelt.

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